Wie Golfen erschwinglich wird

Man möchte mit Freunden oder der Familie Spaß haben, den Alltag hinter sich lassen und sich bewegen – man geht Minigolf spielen. Die Familie Kaufmann aus Bernau am Chiemsee ist in zweiter Generation Minigolfplatzbauer und -betreiber. Rund um den Chiemsee betreibt sie fünf Anlagen. Seit mehr als vierzig Jahren plant, baut und renoviert das Unternehmen Minigolfbahnen im In- und Ausland. „Wir haben bis jetzt Minigolfanlagen nur in Europa gebaut. Die südlichste Anlage war in der Schweiz im Wallis und die nördlichste in Bad Oeynhausen. Anfragen haben wir allerdings aus der ganzen Welt, wobei eine Anfrage aus Qatar die interessanteste war“, berichtet Christian Kaufmann, Inhaber von Minigolf Kaufmann.

Die Anlagen sind für Freizeit- und Turnierspieler geeignet. Die Spezialitäten des Unternehmens sind zum einen die klassischen Minigolfbahnen aus Beton und zum anderen moderne Adventure-Bahnen. Im Jahr 1960 wurde die erste Minigolfanlage in Bernau am Chiemsee gebaut, wo 1968 die bayerischen Meisterschaften stattfanden. „Wir bauen im Jahr etwa eine Minigolfanlage. Daher haben wir keine festangestellten Mitarbeiter, sondern freie Mitarbeiter“, sagt Kaufmann. Er vermutet, dass es im Bereich Betonbahnen keine Wettbewerber mehr gibt. „Als Konkurrenz sehe ich die Hersteller von Eternitbahnen. Diese Bahnen stellen wir allerdings nicht her. Eternitbahnen können kaputtgehen, Betonbahnen nie.“ Minigolfanlagen aus Beton böten zudem eine gute, langfristige Rendite, da sie langlebig und wartungsarm seien.

Nach Angaben von Achim Braungart Zink, Generalsekretär des Deutschen Minigolfsport Verbands und zugleich Welt- und Europameister im Minigolf, gibt es im Bereich der Betonanlagen keine anderen spezialisierten Unternehmen. „Beim Neubau solcher Anlagen werden jedoch immer wieder unabhängige Baufirmen beauftragt“, berichtet er.

Die Maße der klassischen Minigolfbahn sind in internationalen Richtlinien festgelegt. Sie hat eine Länge von zwölf Metern und eine Breite von 1,25 Meter. Der Zielkreis hat einen Durchmesser von 2,50 Metern, und es werden 18 Bahnen für eine Minigolfanlage empfohlen. Der Preis für eine Anlage beträgt zwischen 65000 und 70000 Euro. „Die zusätzlichen Kosten für den Bauherrn können rund 60000 bis 100000 Euro betragen“, sagt Kaufmann. Der Spielbelag besteht aus Quarzsand-Zementestrich. Für die Hindernisse verwendet Kaufmann Ebenseer Betonsteine. Auf den Betonbahnen rollt der Ball gut, und sie sind bei jedem Wetter außer bei Schnee bespielbar. „Wir haben 2015 eine Minigolfanlage gebaut und zwei Anlagen renoviert. Das Renovieren kostet rund 10000 Euro je Anlage“, erzählt Kaufmann.

Minigolf sei besonders in Europa gefragt, sagt Braungart Zink vom Minigolfverband. „Die größten Nationen mit den meisten Minigolfanlagen sind Deutschland, Österreich, Schweiz, Italien und Schweden.“ Minigolf sei für eine ganze Familie eine relativ günstige Freizeitaktivität. Die Zielgruppe sei somit recht groß, was das Geschäft wenig konjunkturanfällig mache. Schwerer wiege hingegen die elektrische Konkurrenz. „Es wird immer schwieriger, Menschen für Vereine und die aktive Sportausübung zu begeistern, vor allem junge Menschen“, sagt Braungart Zink. „Allerdings ist diese Entwicklung für den Freizeitbereich noch nicht so zu erkennen, denn durch innovative Geschäftsideen wie Adventure-Golf, Schwarzlicht-Minigolf und Schlagloch-Minigolf werden immer wieder neue Kunden angelockt.“

„Unsere Kunden sind Kommunalverwaltungen, Minigolfvereine und Privatpersonen“, berichtet Kaufmann. Die Besucherzahlen seien sehr unterschiedlich, sagt Braungart Zink. „Es gibt kleine Anlagen, die mit ein paar tausend Besuchern zufrieden sind, andere Anlagen haben in der Saison 35000 bis 40000 Besucher.“ Man schätze die Zahl der jährlichen Eintrittskarten auf rund 20 Millionen und die Zahl der Minigolfanlagen auf fast 2000. „Im Turnierspielbetrieb haben wir 4500 aktive von insgesamt 9000 Mitgliedern in 270 Vereinen.“

Kaufmann hat gut achtzig Turnierbahnen in ganz Europa hergestellt. Gebaut haben sie auch die Anlagen in den Leistungszentren in Dortmund-Kamen und Hannover. „Viele der im Turnierspielbetrieb genutzten Minigolfanlagen wurden von Kaufmann gebaut oder renoviert“, sagt Braungart Zink. Eine weitere Spezialität des Unternehmens sind die Adventure-Bahnen. Diese stammen aus Amerika und werden auch in Deutschland immer beliebter. Adventure-Golf wird auf naturgetreuem Kunstrasen gespielt. Die Bahnen werden in die natürliche Umgebung eingefügt und haben starke Unebenheiten und Verformungen. Hindernisse können Wasserläufe, Bäume und Teiche sein. Die abenteuerliche Variante spricht eher junge Familien und Erwachsene an. Die meisten Bahnen findet man in Touristengebieten mit viel Wald und Natur oder auf ehemaligen Tennis- und Sportplätzen. Sie werden zusammen mit Landschaftsarchitekten geplant. „Für 250000 Euro wird eine schöne Anlage zu realisieren sein“, sagt Kaufmann. Die Länge der Bahnen beträgt 8 bis 50 Meter, und für eine 18-Loch-Anlage benötigt man rund 1500 Quadratmeter Gelände. Adventure-Bahnen werfen aber eine geringere Rendite ab, weil sie wartungsintensiver sind.

Das Berliner Unternehmen Quan Gastrotainment bietet neue Arten von Minigolf. „Wir sind keine Hersteller, sondern ein Designunternehmen“, sagt der Gründer Heiko Warnecke. In diesem Jahr liege der Umsatz zwischen 30000 und 72000 Euro. Man plant Bahnen zum Beispiel für Fun-Golf, Erlebnis-Golf, Pit-Pat und Fußball-Golf. Eine Pit-Pat-Anlage, eine Mischung aus Minigolf und Billard, kostet 18000 bis 20000 Euro. Andere Bahnen können auch 65000 bis 100000 Euro kosten. Es würden auch Bahnen entwickelt, bei denen man den Schwierigkeitsgrad anpassen könne – damit Kinder nicht die Lust am Spielen verlören.

Informationen zum Beitrag

Titel
Wie Golfen erschwinglich wird
Autor
Leonie Oßwald
Schule
Landgraf-Ludwigs-Gymnasium , Gießen
Quelle
Frankfurter Allgemeine Zeitung, 03.11.2016, Nr. 257, S. 21
Projekt
Jugend und Wirtschaft 2015/2016
Kategorie
Print

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