Hausherren stehen auf Kurven

Meistens ist es der Wow-Effekt, der die Leute zu uns bringt", sagt Angeelika Kasemets auf die Frage, warum Menschen ihren Bodenbelag bei Bolefloor kaufen. Kasemets ist eine von etwa fünfzig Mitarbeitern des niederländischen Unternehmens. Sie ist für den deutschen Markt zuständig. Die Idee hinter diesem außergewöhnlichen Bodenbelag lässt sich aus dem englischen Namen des 2010 gegründeten Unternehmens erahnen: "Floor" ist der Boden und "bole" der Baumstamm. "Unser Konzept ist es, der äußeren Form des Baumstamms zu folgen, um geschwungene Dielen herzustellen", erklärt Kasemets. Jedem Brett wird seine ursprüngliche Form erhalten. Hannes Tarn, einer der beiden Gründer, entdeckte Dielen dieser Art - als handgefertigte Unikate - im Privathaus eines Freundes. Ihn faszinierte der Anblick so sehr, dass er daraus die Idee entwickelte, solche Dielen maschinell herzustellen. 2010 gründete er mit Rain Eisler Bolefloor. Man sei damit der erste industrielle Hersteller von geschwungenen Dielen auf der Welt gewesen.

"Es steckt viel Forschung und Entwicklung dahinter", sagt Kasemets. Das Konzept wurde von einem finnischen Ingenieurbüro, drei Softwareunternehmen und dem Institut für Kybernetik an der Tallinn University of Technology entwickelt. "Jeder Boden wird für sich geplant und anschließend Brett für Brett gefertigt", erläutert Dominik Düser, einer der drei deutschen Fachhändler von Bolefloor-Dielen mit Sitz in München.

Der Kunde entscheidet sich zuerst für Eiche, Esche oder Walnuss. Die noch unbearbeiteten Bretter werden zunächst in der Hauptproduktionsstätte in Estland zurechtgeschnitten. Es wird darauf geachtet, möglichst wenig Holz zu verschwenden. Nach dem Schleifen wird jedes Brett eingescannt und registriert, denn nach Ausmessen der zu belegenden Fläche, machen sich Designer daran, die Bretter genau einzupassen. Dies geschieht mit Hilfe eines Computerprogramms, das auf alle eingescannten Dielen zurückgreifen kann, um dem Designer immer möglichst passende Bretter vorschlagen zu können. Dessen Aufgabe ist es, die Dielen wie ein Puzzle zusammenzusetzen. Damit keine Lücken entstehen, wird die Form einiger Bretter noch verändert.

Nach Angaben des Unternehmens wird weniger Baum verschnitten als in der herkömmlichen Dielenherstellung; etwa 20 Prozent weniger Ressourcen würden verschwendet. Der Preis ist abhängig von der Holzart und beginnt bei etwa 140 Euro je Quadratmeter Eiche in der Optik Rustikal, dazu kommen Mehrwertsteuer und Verlegung.

"Wir liefern in die ganze Welt", berichtet Kasemets. Man sei Weltmarktführer im Bereich der geschwungenen Dielen. Der deutsche Markt sei mit 20 Prozent des Umsatzes der wichtigste Markt, gefolgt von Frankreich und Italien mit jeweils etwa 10 Prozent. Der Jahresumsatz ist nach Angaben des Unternehmens seit 2013 recht stabil und beläuft sich auf rund 3 Millionen Euro bei einer Produktionsmenge von etwa 36 000 Quadratmetern im Jahr. Zu den Kunden zählen kleinere Läden und Restaurants, aber auch immer mehr Privatleute.

Informationen zum Beitrag

Titel
Hausherren stehen auf Kurven
Autor
Matilda Poche
Schule
Katholische Schule Liebfrauen , Berlin
Quelle
Frankfurter Allgemeine Zeitung, 1.12.2016, Nr. 281, S. 20
Projekt
Jugend und Wirtschaft 2016/2017
Kategorie
Print

Beruf und Chance