Wider den besonnenen Autofahrer

Kerne für Sonnenblenden kommen oft aus der Lausitz

Die Sonne blendet den Autofahrer, von der Fahrbahn erkennt er nicht mehr viel. Er klappt die Sonnenblende herunter. In ihrem Inneren verbirgt sich ein Kern aus Kunststoff; die Feurer Febra GmbH in Schwarzheide in der Lausitz stellt diese Kerne her. Nach Angaben des Werksleiters Achim Ungerer ist das Unternehmen Marktführer in Europa. Es gehört zur Feurer Group GmbH, die im baden-württembergischen Brackenheim ansässig ist. Nach Auskunft von Doris Feurer, der Bereichsleiterin für Marketing, erwirtschaftete die Gruppe 2014 einen Umsatz von rund 71 Millionen Euro. 2015 lag er bei 75 Millionen Euro, der Gewinn betrug 2,9 Millionen Euro.

Das Werk in Schwarzheide besteht seit zwanzig Jahren. Ein großer Vorteil des Standorts ist die enge Zusammenarbeit mit einem dort ansässigen Werk des Chemiekonzerns BASF. Es beliefert Feurer mit dem Partikelschaumstoff Expandiertes Polypropylen (EPP). Außerdem bezieht Feurer Dampf, Strom und Wasser von BASF. Ein weiterer Grund, sich in Schwarzheide anzusiedeln, war die Nähe zur osteuropäischen Automobilindustrie, die sich laut Ungerer in den neunziger Jahren langsam zu entwickeln begann. Außerdem bot die Europäische Union finanzielle Unterstützung bei der Bebauung des Grundstücks an.

Zwischen 1997, dem Produktionsbeginn, und 2016 wurden gut 130 Millionen Sonnenblendenkerne produziert. Rund eine Million verlassen jeden Monat das Werk. Die Kerne bestehen aus geschäumten Polypropylen-Perlen. „Wir verarbeiten ausschließlich ,low-squeak‘, das heißt geräuscharmes EPP“, erklärt Ungerer. Der Vorteil des Kunststoffs ist das geringe Eigengewicht: EPP besteht zu 90 Prozent aus Luft. Außerdem ist das Material robust und im Fall eines Aufpralls stoßabsorbierend. Wegen dieser Eigenschaften wird es auch zur Produktion von Crashpads eingesetzt, die in die Türverkleidung der Karosserien eingebaut werden.

Die Blenden finden sich in Autos von Seat, Volkswagen, BMW, koda, Audi, Mercedes-Benz, Porsche, Bentley und Rolls-Royce. Insgesamt arbeiteten 80 Prozent der größten Automobilhersteller mit dem Unternehmen zusammen. „Jedes fünfte Fahrzeug in Europa fährt mit Formteilen aus Schwarzheide“, sagt Ungerer. Die größte Konkurrenz komme aus China.

Informationen zum Beitrag

Titel
Wider den besonnenen Autofahrer
Autor
Gina-Marie Scholz
Schule
Friedrich-Engels-Gymnasium , Senftenberg
Quelle
Frankfurter Allgemeine Zeitung, 01.06.2017, Nr. 126, S. 20
Projekt
Jugend und Wirtschaft 2016/2017
Kategorie
Print

Beruf und Chance