Bei Gitarristen stößt er auf Resonanz

Edle Rosetten und Bänder verdecken unschöne Fugen

Ein intensiver Geruch von Holz liegt in der Luft, wenn man die Werkstatt von Thomas Herrmann in Ludwigsburg betritt. In der 150 Quadratmeter großen, ehemaligen Scheune fertigt der 62-Jährige jährlich etwa 600 Schallloch-Rosetten für Akustikgitarren und rund 14000 Meter Intarsienbänder zum Einfassen der Resonanzböden und -deckel. Vor 19 Jahren machte sich der gelernte Möbelschreiner selbständig.

Laut Herrmann entstand das Jahrhunderte alte Handwerk der Holzmosaikherstellung, weil man Leimfugen, die beim Instrumentenbau entstehen, verdecken wollte. Durch Schallloch-Rosetten und Intarsienbänder wurde dies möglich. „Die Optik ist bei der Schallloch-Rosette der springende Punkt“, sagt Herrmann. Das einem Stickmuster ähnelnde Ornament gibt der Gitarre ein individuelles Gesicht.

Zur Herstellung der Schallloch-Rosetten werden Furnier- und Mosaikstreifen um einen sechs Zentimeter breiten Aluminiumkern schichtweise verleimt und nach dem Trocknen in Scheiben von etwa 1,2 Millimetern gesägt. „Als Vorlage dienen mir Kundenzeichnungen und Bilder sowie alte Gitarren und Fachbücher.“

Auf einen Auftrag des Gitarrenbauers Andreas Dill ist Herrmann besonders stolz. Mit dem Edelgitarrenhersteller entwickelte er eine Schallloch-Rosette mit bildlichen Mosaiken, auf der zwei Wahrzeichen von Ravensburg abgebildet sind. Der Preis für eine Schallloch-Rosette liegt zwischen 10 und 90 Euro. Für ein Stück Intarsienband in der Länge von 80 bis 85 Zentimetern, was ungefähr dem halben Umfang eines standardisierten Gitarrenkörpers entspricht, reicht die Preisspanne von 50 Cent bis zu 9 Euro. Die Massenware aus Fernost kostet teilweise deutlich weniger als die Hälfte. Kleine Betriebe wie seinen gibt es laut Herrmann noch zwei in Deutschland.

Sein Kundenstamm besteht überwiegend aus Gitarrenbauern, die teure und edle Gitarren herstellen. Darunter sind kleine Meisterwerkstätten und große Namen der Branche, zum Beispiel die Konzertgitarren-Edelmarke Hanika. Er hat schon fast aus jeder Ecke der Welt Aufträge bekommen.

Herrmann benötigt ein großes Materiallager mit Massivhölzern und Furnieren. Darunter finden sich einheimische und exotische Holzarten, naturbelassen oder in vielerlei Farben gebeizt. Manche Kunden bringen besondere Hölzer selbst mit. Herrmann fertigt auch Intarsienbänder für Geigen und gelegentlich für Stilmöbel.

Informationen zum Beitrag

Titel
Bei Gitarristen stößt er auf Resonanz
Autor
Pascal Eichner
Schule
Goethe-Gymnasium , Ludwigsburg
Quelle
Frankfurter Allgemeine Zeitung, 22.12.2017, Nr. 297, S. 21
Projekt
Jugend und Wirtschaft 2016/2017
Kategorie
Print

Beruf und Chance