Heute auf dem Tisch als Fisch, morgen wahrscheinlich ausgestorben

Europa beteiligt sich an der Überfischung der Weltmeere. Unser Bedürfnis nach gesundem und leckerem Essen führt bei Verbrauchern und Restaurants zu größerer Nachfrage nach Fisch. Dadurch ist allerdings der Bestand vieler Arten nachhaltig gefährdet.

Vielen Menschen ist gar nicht klar, dass viele Fischarten vom Aussterben bedroht sind und auf der Roten Liste für bedrohte Arten stehen. In Deutschland liegt der pro Kopf-Verbrauch von Fisch bei 15,6kg (Fanggewicht), wobei der Anteil von Arten, die überfischt sind, bei 88% liegt. Es wird mehr aus dem Wasser gezogen als nachwächst, das Ergebnis ist, dass die Kabeljaubestände in der deutschen Nordsee beispielsweise schon um ganze 80% geschrumpft sind, gleiches gilt für den Dorsch. Der WWF teilt mit, dass Wissenschaftlern zu Folge keine Besserung in Sicht ist, denn die EU erlaubt trotz Forderung eines schärferen Verbots für den Fischfang dieser Rassen weiterhin die Ozeane zu leeren. Zwar wurde 2011 ein kleiner Rückgang der Fangmenge in Brüssel beschlossen, aber sollten sich die derzeitigen Fischereigesetze nicht bald ändern, sieht der WWF in naher Zeit kaum noch Fischbestände in der deutschen Nordsee. Deshalb ist der WWF dabei die Politiker wachzurütteln und Ihnen zu verstehen zu geben, das viele Arten in großer Gefahr sind.

Natürlich ist die Fischwirtschaft auch ein gut geldbringendes und effektiv-arbeitendes Gewerbe, da es die Nahrung von vielen Menschen "angelt". Im Jahr 2011 wurden in Deutschland allein 8,9 Mrd. Euro Umsatz erzielt und über 46.000 Mitarbeiter beschäftigt. Die Preise sind von 2005-2011 um ca. 23% gestiegen, und die Nachfrage wächst weiter. Die deutsche Fischerindustrie zog 2011 rund 93.000 Tonnen Fisch (40% mehr als im Vorjahr) aus dem Meer, aus Aquakulturen stammten hingegen nur 40.400 Tonnen. Aus dem Ausland importierten wir hingegen 1,96 Millionen Tonnen Fisch. Wie jedes Ökosystem sind die Ozeane ein äußerst kompliziertes Geflecht aus voneinander abhängigen Organismen, die an ganz bestimmte sogenannte abiotische Faktoren (Wassertemperatur, Nährstoffverfügbarkeit, Sonneneinstrahlung, Wellenbewegung, pH-Wert, etc.) angepasst sind. Verändern sich diese abiotischen Faktoren auf einmal in relativ kurzer Zeit aufgrund von Menschen verursachten Phänomenen (z.B.Klimawandel, Überfischung, Umweltverschmutzung), so gerät dieses Geflecht in ein Ungleichgewicht und die Probleme verstärken sich gegenseitig.

Die Grünen fordern insgesamt striktere Quoten für den Fischfang in europäischen Gewässern, und sind dafür, dass man der Natur nicht mehr nehmen sollte als nachwächst. Dies teilte uns Anne Gauch, eine Kandidatin für die Grünen im Bezirk Frankenthal in einem Telefongespräch mit. Frau Gauch meinte auch, dass es auf jeden Fall Eingrenzungen für die Masse an Fischfang geben sollte. Höhere Zölle für Billigfische aus dem Ausland seien ebenfalls notwendig, um die Ökosysteme dort nicht weiter zu schädigen. Nicolas Sarkozy hingegen, der ehemalige französische Präsident, ist gegen Fischfangquoten. Er versprach noch in seinem Wahlkampf den französichen Fischern die Abschaffung des Gesetzes für Fischfangquoten. Dies konnte er zum Glück nicht durchsetzten.

Wir haben uns eine Idee zum Schutz der Fische überlegt, die zwar sehr radikal ist, jedoch bestimmt effektiv wäre: Die Einführung einer Fischkaufkarte; jeder Bürger bekommt diese mit eigenem Bild. Der Chip in der Karte hat einen bestimmten Wert gespeichert, den man nicht überschreiten darf, diese Karte müsste so programmiert sein: 1:Fisch aus Aquakulturen (unbegrenzt zu kaufen) 2: Fisch aus dem Meer (je nach Art begrenzt zu kaufen) Man müsste die Karte also bei jedem Fischkauf vorzeigen. So wird auf der Karte jeder Fischkauf und die Herkunft des Fischs gespeichert, d.h. das man nur noch begrenzt Fisch aus den Meeren verzehren darf bzw. nur den der noch nicht bedroht ist oder aus einer Aquakultur stammt. Und sollte der Grenzwert des Kaufs der Meeresfische überschritten werden zeigt die Einkaufskasse dies an, und der Kunde wird aufgefordert Aquakulturenfisch zu kaufen. So würden wir sehr effektiv die Fischbestände und die Umwelt schützen.

Eine mögliche Kritik an unserem Vorschlag wäre: Dies ist ein zu großer Eingriff in die Privatsphäre. Unsere Meinung dazu ist folgende: die Erde gehört nicht uns Menschen, sondern der Natur. Es ist höchste Zeit, Verantwortung zu übernehmen, damit nicht in naher Zukunft viele Fischarten ausgestorben sind.
 

Informationen zum Beitrag

Titel
Heute auf dem Tisch als Fisch, morgen wahrscheinlich ausgestorben
Autor
Caren Pfleger, Niklas Heinrichs, Dennis Dauenheimer
Schule
Albert-Einstein-Gymnasium, Frankenthal
Klasse
11 SK2 von 2012/2013
Quelle
Frankfurter Allgemeine Zeitung
Projekt
Jugend recherchiert 2012
Kategorie
Print

Beruf und Chance

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