Unsere Umwelt - an ihrem Ende angelangt?

Warum  können nur etwa 25% der deutschen Bevölkerung etwas mit dem Begriff der Biodiversität anfangen?
Diesen Anteil  zu erhöhen, hat sich die Begemann Schule in Frankfurt zur Aufgabe gemacht.
Ganz besonders beschäftigt sich das BioFrankfurt Institut mit der Frage über die Biodiversität. 2004 wurde es gegründet, mittlerweile arbeiten 30 Mitglieder aus 20 verschiedenen Verbänden und Instituten, um den Menschen Informationen über die Biodiversität zu vermitteln. Das Wissen und die Erfahrung verschiedener Einzelinstitutionen, unter anderem der Palmengarten, das Grünflächenamt, das Senckenberg-Institut und der Zoo Frankfurt, zu binden und durch Kooperation und Informationsaustausch einen effizienten Erfolg zu erzielen, gehört zu einem der Ziele des BioFrankfurt Instituts.

 Das Jahr 2012 wurde von den Vereinigten Nationen zum internationalen Jahr für "Nachhaltige Energie für alle" erklärt. Aus diesem Anlass präsentiert das Institut BioFrankfurt ein Jahresprogramm mit vielseitigen Bildungsangeboten rund um das Thema "Biologische Vielfalt". Zu den Angeboten zählen Ausstellungen, Symposien, Vorträge, Führungen und Exkursionen. Ebenfalls bietet das Institut speziell für Schulen entwickelte Informations- und Schulungsangebote an.
Eins dieser Angebote nutzte die Klasse E1 der Begemann Schule. Zwei Referentinnen des BioFrankfurt Instituts, Stephanie Lehrian und Johanna Kiefer, besuchten die Schule am 14.11.2012, um den Schülerinnen und Schülern das Thema Biodiversität in einem Workshop näher zu bringen und das besondere Engagement der Region Frankfurt in den Bereichen Forschung, Schutz und Bildung stärker zu positionieren.

Ebenfalls will man durch die Workshops die Bedeutung und Erhaltung der Biodiversität stärker in das Bewusstsein, in diesem Fall der Schüler, und sonst der Medien und Öffentlichkeit, rücken. Denn oft wird die Problematik der Biodiversität nur oberflächlich erwähnt.

Doch was versteht man eigentlich unter dem Begriff "Biodiversität"? "Vielfalt des Lebens" – heißt es auf den meisten Webseiten. Nur wenige Menschen wissen, dass man unter der Biodiversität das gesamte Spektrum des Lebens auf der Erde bezeichnet. Damit schließt er nicht nur die Vielfalt aller natürlich vorkommenden sowie der gezüchteten Tier- und Pflanzenarten, Mikroorganismen und Pilze ein, sondern auch die genetische Vielfalt innerhalb jeder Art. Auch die Vielfalt der Lebensräume auf der Erde mitsamt ihren komplexen ökologischen Prozessen und Wechselwirkungen gehören zur Biodiversität. Für die Menschen ist die Vielfalt der Lebensräume eine der wichtigsten Lebensgrundlagen und Garant für Lebensqualität, von dem wir auf vielseitige Weise abhängen und profitieren.

Die biologische Vielfalt bietet uns viele "Dienstleistungen der Natur" wie Nahrung, Medizin und Rohstoffe, ohne die wir nicht überleben könnten.
Aber die Natur wird durch menschliche Lebensweisen, wie der Lebensstil und  Lebensstandard der westlichen Welt, ausgebeutet und, wenn nicht umgesteuert wird, zerstört.

Der Ablauf des Workshops  gestaltete sich an der Begemann Schule folgendermaßen: Zu allererst überlegten sich die  Schülern selbstständig, was der Begriff Biodiversität bedeutet und sammelten diese Informationen anschließend an einer Pinnwand. Daraufhin wurde ein kurzes Video über das Wissen bzw. Nichtwissen der Deutschen zum Thema Biodiversität gezeigt. Mit Hilfe einer Mindmap wurde dann den Schülern die Bedeutung der Biodiversität vermittelt. Im Anschluss wurden die Schüler in Arbeitsruppen eingeteilt, um folgende Themen zu bearbeiten: Aufbau des Regenwaldes,  Monokultur der Eukalyptusplantagen, bevölkerungsarme und –reiche Länder im Zusammenhang mit Biodiversität sowie  Biodiversität Hotspots. Unter anderem gab es eine Gruppe, die sich mit der Geschichte eines Jungen namens Ilmo beschäftigt hat, der mit seiner Familie immer weiter in den Regenwald hineinziehen musste, aufgrund der unfruchtbaren Böden, die durch die Abholzung des Regenwaldes zustande kommen.

Alle Themen wurden ausführlich bearbeitet, die zentralen Infos auf Plakaten dargestellt und anschließend in der Klasse besprochen. In einer kurzen, aber produktiven Denkpause für die Schüler, bauten die Referentinnen einen Tisch mit verschiedenen Heilpflanzen auf. Die Schüler konnten die Heilpflanzen mit  verschiedenen Sinnen erfassen und zuordnen.  Anschließend konnten die Schüler diese Pflanzen näher kennenlernen. Das Lernziel war die Bedeutung der homöopathische Naturpflanzen schätzen zu lernen und zugleich mehr über die Anbauweise der Heilpflanzen in Monokulturen zu erfahren.

Die Arnika Montana zum Beispiel ist eine bekannte einheimische Heilpflanze. Sie wirkt antibakteriell, entzündungshemmend und schmerzlindernd. Sie ist in über 100 verschiedenen Präparaten enthalten.
Die Teufelskralle hingegen hat abschwellende, blutverdünnende, entzündungshemmende und schmerzlindernde Wirkungen. Sie kann man als Tee, Tinktur oder in fertigen Präparaten anwenden.
Die Lavendelpflanze  wirkt antiseptisch, beruhigend, blähungsberuhigend- und harntreibend. So kann man zum Beispiel die getrockneten Blüten des Lavendels als Tee verwenden.  

Anis wird als Gewürz- und Heilpflanze gebraucht. Die Heilwirkungen agieren gegen Husten, Magendarmbeschwerden und gegen Erbrechen. Der Anis ist ein Bestandteil vieler Teemischungen.
Die Arbeitsgruppen informierten sich über die Heilkraft dieser Kräuter und über Anbaumöglichkeiten.  Anschließend ging jeweils ein Schüler in eine andere Gruppe, um die gewonnen Informationen zu präsentieren.
Später am Vormittag wurden Papierprodukte des Alltages, wie zum Beispiel Zeitungspapier, Klopapier, Taschentücher, Backpapier, Zigarettenpackung und Schuhkartons in die Mitte des Klassenraumes gelegt, um sie nach der Lebensnotwendigkeit zu sortieren. Die Schüler stellten fest, dass einige Produkte aus dem Alltag nicht lebensnotwendig sind. Die Trainerinnen erklärten, welche Papiere zum Wohle der Umwelt recycelt werden, zum Beispiel Zeitungspapier oder recycelbare Taschentücher. Nachdem über das Recyceln von Papier gesprochen worden war, erhielt die Klasse Arbeitsblätter über den biologischen Fußabdruck, um diese zu bearbeiten und den eigenen "Fußabdruck" zu berechnen. Unter dem ökologischen Fußabdruck wird die Fläche auf der Erde verstanden, die notwendig ist, um den Lebensstil und Lebensstandard eines Menschen dauerhaft zu ermöglichen. Die Berechnung setzt sich aus Fragen zusammen, wie zum Beispiel, wie viele Stunden man durchschnittlich in einem Jahr fliegt, welche Art von Papier man benutzt, welche Verkehrsmittel genutzt werden und wie viele Stunden man an technischen Geräten verbringt. Dabei stellte sich heraus, dass der Großteil der Klasse 3-4 Erden zum Leben benötigt. Das schließt Flächen ein, die man zur Produktion seiner Kleidung und Nahrung oder zur Bereitstellung von Energie, aber zum Beispiel auch zur Entsorgung oder Recyclings des erzeugten Mülls oder zum Binden des durch  Aktivitäten freigesetzten Kohlendioxids benötigt. Die Werte werden in Hektar pro Person und Jahr angegeben.

Auch nach Abschluss des Workshops beschäftigte sich die Klasse der Begemann Schule weiterhin mit dem Thema der Biodiversität. Am folgenden Tag sahen die Schüler einen Film zum Thema Artenreichtum im Rhein-Main-Gebiet.  
Dieser Film wurde von den Referentinnen für weitere Informationen zur Verfügung gestellt. In diesem Film wurden die vielfältigen Lebensräume von Tieren und Pflanzen  im Rhein-Main Gebiet gezeigt.


Die Klasse E1 der Begemann Schule in Frankfurt hat viel über das Thema Biodiversität gelernt und zählt sich nicht mehr zu den 25% der Bevölkerung, die mit dem Begriff Biodiversität nichts anfangen können.

 

Informationen zum Beitrag

Titel
Unsere Umwelt - an ihrem Ende angelangt?
Autor
Alexandra Gaidar, Luis Ostheimer, Ariane Schäfer, Eleonora Schwan, Paul Völker
Schule
Begemann Schule, Frankfurt am Main
Klasse
E1 von 2012/2013
Quelle
Frankfurter Allgemeine Zeitung
Projekt
Jugend recherchiert 2012
Kategorie
Print

Beruf und Chance

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Jugend recherchiert ausgezeichnet!

Jugend recherchiert - Biodiversität ist als Projekt der UN-Dekade Biologische Vielfalt 2013 ausgezeichnet worden. Die UN-Dekade ist ein Programm der Vereinten Nationen zum nachdrücklichen, weltweiten Schutz von biologischer Vielfalt. › Mehr