Der nette Förster von nebenan

Der grün gekleidete Mann mit dem freundlichen Schnauzbart und Feder am Hut, so stellen sich die meisten Menschen einen 08/15 Förster vor. Doch auf den 60-jährigen Thomas Müntze, den Flughafenförster vom Frankfurter Flughafen, treffen diese Vorstellungen nicht zu, da er deutlich vielfältigere und abwechslungsreichere Aufgabenbereiche tätigt als ein normaler  Durchschnittsförster.

Dieser Mann, der mit großer Ambition an seine Arbeit schon seit Jahrzehnten herangeht, kümmert sich mit seinem 4-köpfigen Team um die Flora und Fauna des Frankfurter Flughafens. Der bei Fraport angestellte Förster arbeitet mit seinem Team spezifische Punkte, wie zum Beispiel die Sicherheit der Fahr- und Flugzeuge vor Tierschäden auf dem Rollfeld und dem Luftraum, ab. Das Team beginnt bereits morgens um 6 im Büro mit der Planung des Tages. Die größte Arbeitsbelastung hat das Team in den Morgenstunden, weil die Tiere zu dieser Zeit am aktivsten sind.

Um die Vielfalt der Tier- und Pflanzenwelt zu erhalten, wird das Vorfeld, das mit seiner mit 4000 Hektar umfassenden Grünfläche, so groß wie an keinem anderen Punkt in Hessen ist, für Tiere so unattraktiv wie möglich gestaltet. Das Gelände muss frei von Gewässern, hohen Wiesen und Pflanzen sein, damit keine Tiere auf der Roll- und Landebahn leben, herumlaufen oder sich neu ansiedeln können. Zur Erhaltung der Flughafensicherheit gehören also das Fernhalten jeglicher Säugetiere auf dem Roll- und Vorfeld, deshalb darf das Försterteam als einzige Abteilung der Fraport das Roll- und Vorfeld bewaffnet betreten. Nur im äußersten Notfall  werden Tiere getötet. Im Regelfall werden die Tiere eingefangen und anschließend umgesiedelt.  Dazu werden die vom Team des Försters in ein außerhalb des Flughafenareals liegendes Gebiet gebracht, in Gehegen untergebracht, dort mehrere Monate beobachtet und anschließend frei gelassen. Zum Schutz vor Tieren, die sich durch die Erde graben, wurde 2004 eine 40 Meter lange, ein Meter tiefe und 20 Zentimeter breite Schutzmauer errichtet, für deren Bau der Flughafenförster 250.000 Euro ausgeben musste. Bei dem Bau der neuen Start- und Landebahn im Nordwesten des Flughafens in diesem Jahr mussten besonders viele Tiere und Pflanzen in ein umliegendes Gebiet umgesiedelt werden. So wurden seltene Pflanzen, Frösche, Eidechsen, Ameisen und Heuschrecken eingesammelt und in neue Lebensräume gebracht. Vögel und Fledermäuse bekamen neue Nistmöglichkeiten in angrenzenden Waldgebieten. Verletzte Tiere, die das Team auffindet werden auf der Tiernotstation verpflegt und versorgt, bis sie gesund sind, dann werden sie später umgesiedelt.

Für die Ausführung dieser Aufgaben benötigte Thomas Müntze ein vierjähriges, forstwirtschaftliches Studium, das er in Göttingen absolviert hat. Nach seinem Studium arbeitete er zunächst zwei Jahre als Förster für das Land Hessen und war anschließend in Darmstadt bei der selbstständigen Forstdelegation beschäftigt. 1981 bekam er eine Anfrage eines verantwortlichen Flughafenmitarbeiters und begann einen Tag nach der Anfrage dort zu arbeiten. Aus vorerst geplanten zwei Jahren sind jetzt schon 31 Jahre am Flughafen geworden. Durch seine lang jährige Erfahrung ist Thomas Müntze nicht nur am Flughafen Frankfurt am Main tätig, sondern hilft auch bei schwierigen Aufgaben an anderen Flughäfen dieser Welt, unter anderem in Sankt Petersburg, Dubai und Athen.

Thomas Müntze und sein Team setzen sich  bei der Flugsicherheit  natürlich, auch mit dem Aspekt des Vogelschlages auseinander. Wenn es häufig zu einer Kollision zwischen einem Vogel und einem Flugzeug kommt, ist es ein Indiz dafür, dass das Försterteam nicht optimal gearbeitet hat. Da der Frankfurter Flughafen jedoch zu den  Flughäfen mit geringem Vogelschlag in Europa gehört, kann man sagen, dass Herr Müntze mit seinem Team eine sehr gründliche Arbeit leistet. So sind die Rollfelder aufgebaut, dass auch nach intensiven Regengüssen, das Wasser schnell in unterirdische Kanäle abfließt.

Zum Thema Naturschutz, Biodiversität und soweit sicheres Abheben und Landen des Flugzeuges garantiert wird, da die Vögel keine Möglichkeit zur Wasseraufnahme haben, ist es weiterhin wichtig, das empfindliche Ökosystem auf dem Flughafen nicht durch die Gabe von Chemikalien zur Bekämpfung von unerwünschter Flora und Fauna auf dem Vorfeld zu stören. Thomas Müntze und sein Team setzen deshalb konsequent auf naturnahe Bekämpfungsmaßnahmen. Diese Denkweise gilt als  richtungsweisend für die Flughäfen in der Bundesrepublik Deutschland.

Thomas Müntze wird vielleicht demnächst in Ruhestand gehen, aber jeder Tag ist ein Genuss. Vielleicht wird man ihn dann nebenan in den Wäldern der Rhein-Main-Region antreffen - grün gekleidet und mit einer Feder am Hut.

 

Informationen zum Beitrag

Titel
Der nette Förster von nebenan
Autor
Lea Borchert, Paulina Romatka, Mick Stommel, Henrik Trosien, Levana Wyrobnik
Schule
Begemann Schule, Frankfurt am Main
Klasse
E1 von 2012/2013
Quelle
Frankfurter Allgemeine Zeitung
Projekt
Jugend recherchiert 2012
Kategorie
Print

Beruf und Chance

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