Neuland für Arten – Der Markkleeberger und Störmthaler See

Einleitung

Neuland für Arten – Der Markkleeberger See und Störmthaler See – ein sehr interessantes Thema. Darum haben wir es auch für das Projekt "Biodiversität in der Stadt" gewählt.  Die Zeit in den Wochen, die uns zur Verfügung stand, haben wir sinnvoll genutzt und jeweils ein Interview zum den Störmthaler und zum Markkleeberger See geführt. Unsere Interviewpartner waren nett, offen und sehr an unserem Thema interessiert. Sie haben versucht uns ihr Wissen sehr genau und verständnisvoll zu übermitteln.

In den nachfolgenden Seiten haben wir versucht dieses Wissen zusammenzufassen.

Der Störmthaler See – Interview

Interviewer: Thea Kösler und Charlotte Stephani

Interviewpartner: Detlev Richter

Beruf: Bauamtsleiter der Gemeinde Großpösna

Eigener Bezug zum See:
Ich finde, dass der See eine interessante Form hat, so dass man ihn nie komplett sehen kann.   In Nähe der Magdeborner Insel ist der See 450m tief. Das ist die tiefste Stelle im gesamten See. Ich habe 1990, als der See noch nicht die heutige Tiefe erreicht hatte, diesen selbst mit einem Boot überquert.  Mir liegt die Entwicklung dieses Sees sehr am Herzen, denn ich habe die meiste Zeit meines Leben in Großpösna und Umgebung verbracht.

Thea Kösler und Charlotte Stephani: Hallo! Wir sind Charlotte Stephani und Thea Kösler vom Evangelischen Schulzentrum Leipzig. Im naturwissenschaftlichen Unterricht behandeln wir gerade das Thema Biodiversität in der Stadt! Zu diesem Thema wollen wir sie heute befragen! Hätten sie kurz Zeit für uns?

Detlev Richter: Gut, dann fangt mal an!

Der Störmthaler See entstand als wir noch gar nicht lebten. Können sie uns mehr dazu sagen?

Der See entstand aus einem ehemaligen Tagebau in Espenhain. Dafür mussten viele Dörfer umsiedeln. Zum Beispiel der Ort Magdeborn. Die Vineta, eine auf dem Wasser schwimmende Kirche, symbolisiert diesen Ort und dessen Kirche, die sich am gleichen Platz, wie die heutige Vineta befand. Außerdem wurden viele Böden bei der Entstehung des Störmthaler Sees verlagert und sind heute noch auf der Halde Tragis, eine Deponie für Tagebaureste, abgelagert. Das Tagebaurestloch füllte sich zuerst auf natürliche Weise und später ab dem 13. 9. 2003, mit Hilfe des Menschen. Durch die Flutung wurde auch das Grundwasser Großpösnas verwendet. Der Stand des Grundwassers wird sich voraussichtlich erst 2050 wieder normalisieren.

Nun haben wir einige Fragen zur Biodiversität um den Störmthaler See! Bezeichnen sie die Gegend eher als artenarm oder artenreich?

Der Störmthaler See ist ein Landschaftssee. Wir werden in Zukunft versuchen nicht in die Natur einzugreifen und dieser viele Flächen überlassen. Dort wirkt die Sukzession – das heißt Flächen werden sich selbst überlassen und entwickeln sich ohne Eingriff des Menschen.

Allerdings entwickeln sich diese immer weiter, so dass bestimmte Tiere auftauchen und "verschwinden". Zum Beispiel der Wachtelkönig. Er lebte südlich des Störmthaler Sees. Doch eines Tages verschwand er, weil sich seine Lebensbedingungen veränderten. Die Vegetation verändert sich oft und Natur und Tiere entwickeln sich weiter. So kommen viele Tiere und Pflanzen, die für die Gegend untypisch sind, dort vor. Beispiele für solche Tiere sind Schwarzkehlchen oder Sommergoldhähnchen und auch Pflanzen wie Roteichen. Östlich des Tagebausees befinden sich eine Schlumperbachaue und eine Orchideenwiese. Auch auf der Göhrener Insel haben sich Pflanzen gebildet. Auf dem südlichen Teil der Insel findet man Sanddorn und auf der nördlichen Seite Laub- und Mischwälder.

Artenschutz bedeutet Lebensraumschutz, deshalb pflegen die Mitarbeiter der Ökostation die Biotopstrukturen, also zum Beispiel Feuchtwiesen, Streuobstwiesen oder Offenlandflächen.     Im Winter werden zum Beispiel die Kopfeichen gekürzt. Dort können Steinkauz, Grünspecht und der Gartenrotschwanz brüten. Daran erkennt man, dass der See zum Europäischen Vogelschutzgebiet gehört.

Der See wurde geflutet. Wie gelangen dann die Fische in den See?

Gruppen von nordischen Saat- und Blessgänsen wurden am Störmthaler See bei ihrer Rast gesichtet. Auch Kraniche, welche schon aus ihren Winterquartieren zurückgekehrt sind, leben dort. Solche Zugvögel, die am See rasten transportieren Fische von anderen Gewässern in den See.

Was ist für die Zukunft des Sees geplant?

Der Störmthaler See soll natürlich auch weiterhin ein Landschaftssee bleiben. Trotzdem haben wir Zukunftspläne: Besonders wichtig wird die Instandhaltung von Feuchtgebieten und Wanderwegen sein. Auf der Magdeborner Halbinsel entsteht ein Hafen mit Fährverbindungen zur Vineta. Weiterhin sind viele touristische Einrichtungen, wie ein Hotel, Ferienhäuser, Bootsausleihe oder ein Surfstrand für Mitte 2014 vorgesehen. Außerdem werden wir die Vineta als Platz für Hochzeiten oder Feste vermieten. Dieses genannten Vorhaben werden von der Ökostation Borna schon während der Planung und  auch im Bau überwacht. So bleibt der Artenschutz des Störmthaler Sees weiterhin erhalten.
 

Der Markkleeberger See – Interview

Interviewer: Thea Kösler und Charlotte Stephani

Interviewpartner: Dipl. Ing. Volker Krobitzsch

Beruf: Mitarbeiter der Stadtverwaltung Markkleeberg: Bauamt, Bauverwaltung

Eigener Bezug zum See:
Mit dem Markkleeberger See bin schon seit seiner Entstehung verbunden. Ich arbeite schon 22 Jahre hier und habe miterlebt, wie ganze Dörfer für die Entstehung des Sees umsiedeln mussten.  Ich persönlich finde die Pflanzen sehr interessant. Für mich ist der Markkleeberger See das Gewässerherz Leipzigs, ein einzigartiges Erholungsgebiet mit einer wunderbaren Kunstlandschaft und außerdem ein sehr bekannter See.

Charlotte Stephani und Thea Kösler:  Wie wir hörten, kennen sie sich sehr gut mit dem Markkleeberger See aus. Da wir gerade im Unterricht das Thema Biodiversität in der Stadt behandeln hätten wir einige Fragen an sie: Wie sie schon vorher sagten, kennen sie den Markkleeberger See sozusagen schon seit seiner "Geburt". Wie ist das damals alles passiert?

Volker Krobitzsch: Auch wie andere Seen im Raum um Leipzig ist der Markkleeberger See aus einem Tagebaurestloch entstanden. Böden aus dem Tagebau wurden ausgebaggert, um an Kohle zu gelangen.  Danach wurden sie allerdings vermischt. Das ist sehr schlecht für die Natur und die Auswirkungen  sind noch heute zu spüren, da der Boden nicht sehr humusreich ist.

Diese Böden werden heute auf der Halde Tragis gelagert. Das ist eine große Deponie zwischen Markkleeberger und Störmthaler See. Ich persönlich empfinde diese Halde als eine Fehlplanung, da sie die ganze Landschaft der Seen zerstört.

Am 20.7.1999 begann die Flutung des Tagebaurestloch und es füllte sich nach und nach mit Wasser. So entstand aus dem Tagebaurestloch ein toller Badesee.
 

Können sie uns auch etwas zur Biodiversität um den Markkleeberger See sagen?

Biodiversität und Landschaft um die Leipziger Seen wird von einem regionalen Planungsverband festgelegt. Dieser sorgt dafür, dass die Seen in verschiedene Flächen eingeteilt werden. Ein Drittel soll intensiv genutzt werden und der Rest der Natur überlassen werden. Außerdem sorgt der Planungsverband dafür, dass nicht an jedem See das gleiche Angebot von Aktivitäten vorhanden ist.

Was genau versteht man unter intensive Nutzung?

Unter intensiver Nutzung versteht man Flächen, die genutzt werden. Zum Beispiel für touristische Zwecke, wie Wohnviertel, Hotels oder Strände. Außerdem spielt natürlich die Landwirtschaft eine Rolle. Viele Flächen um den See werden landwirtschaftlich genutzt. Allerdings leben dort kaum Tiere, weil diese von Traktoren und Dünger vertrieben werden.

Welche Tiere machen den See besonders?

Der See, an sich ist nicht sehr besonders, dafür aber umso mehr sein Umfeld. Auf der südlichen Seite des Markkleeberger Sees wurden Sukzessionsflächen geschaffen, damit sich Tiere und Natur entwickeln können. Früher lebten Schwalben in dieser Gegend, doch heute, wo die Gebiete nicht mehr besiedelt sind, sind dieser weiter gezogen.

Der See ist mit sehr vielen verschiedenen Tierarten besiedelt. Sehr seltene Tiere, wie der Singschwan im Stillhauer Becken zum Beispiel. Westlich des Markkleeberger Sees werden Rinder gehalten und die nördlich gelegene Aue ist ein besonderes Naturschutzgebiet im Raum Leipzig, denn dort leben geschützte Fledermäuse und außerdem Pferde und Rinder. Einige Teile des Tagebausees zählen zum Europäischen Vogelschutzgebiet. Ein bedeutender Platz für geschützte Tiere ist außerdem die Getzelauer Insel, denn dort können zum Beispiel Vogelarten brüten ohne von Raubtieren oder Menschen bedroht zu werden. Auch Freiflächen für Reh- und Schwarzwild wurden geschaffen.
 

Eigentlich ist der See doch schon ausgebaut. Ist trotzdem noch etwas für die Zukunft geplant?

Natürlich ist der See schon für das Baden freigegeben, anders als der Störmthaler See. Trotzdem ist eine Pferdefarm und Reitwege um den gesamten See geplant. Außerdem ein Hochseilgarten und Ferienhäuser. In Zukunft werden wir aber auch darauf achten, dass nicht zu viele touristische Angebote geplant werden, denn der Markkleeberger See soll ein Erholungssee bleiben. Darum werden wir auch Motorboote auf dem gesamten See verbieten. Diese Maßnahme schützt die Tiere im und um den See. Für uns ist ruhiger Wassersport von Bedeutung, wie zum Beispiel Kytsurfing, Paddeln oder Segeln.

Literatur- und Quellenverzeichnis

Störmthaler See:

  • Interviewpartner: Detlev Richter
  • Mitteldeutsche Seenlandschaft – Seenkatalog 2010; Regionaler Planungsverband Westsachsen
  • Wikipedia – Störmthaler See
  • http://www.oekostation-borna-birkenhain.de
  • http://blog.photographiedepot.de/2012/03/stormthaler-see-krysta-4-vineta-fahre/
  • http://www.vineta-stoermthal.de/
  • http://www.leipzig-am-wasser.de/2012/01/05/ferien-paradies-am-stormthaler-see/
  • http://www.leipzigseen.de/seenfakten/stoermthaler-see.html


Markkleeberger See:

  • Interviewpartner: Volker Krobitzsch
  • Mitteldeutsche Seenlandschaft – Seenkatalog 2010; Regionaler Planungsverband Westsachsen
  • Wikipedia – Markkleeberger See
  • http://www.landkreisleipzig.de/r-leipziger-neuseenland.html
  • http://www.fotocommunity.de/pc/pc/display/17901960
  • http://www.neue-harth.de/nh/entstehung/fluten/
  • http://www.markkleeberg.de/de/kultur_tourismus/Aktivitaeten/natur/Suedufer_.html
  • http://www.radioneuseenland.de/

Informationen zum Beitrag

Titel
Neuland für Arten – Der Markkleeberger und Störmthaler See
Autor
Thea und Charlotte
Schule
Evangelisches Schulzentrum Leipzig, Leipzig
Klasse
8. Klasse von 2012/2013
Quelle
Frankfurter Allgemeine Zeitung
Projekt
Jugend recherchiert 2012
Kategorie
Print

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