Wie „grün“ baut Halle wirklich?

"Die fällen hier alle Bäume!" Diesen Satz bekommt man öfter zu hören, wenn man die Passanten im Wohngebiet Silberhöhe in Halle (Saale) nach ihrer Meinung über die Hallesche Wohnungsgesellschaft mbH, kurz HWG, befragt. Und tatsächlich kann man in der Hanoier Straße und auch Am hohen Ufer viele abgeschlagene Baumstümpfe entdecken. Ein paar Straßen weiter stößt man allerdings auf  eine neu angelegte Grünfläche mit zahlreichen einheimischen Bäumen. Da stellt sich doch die Frage, wie gut oder schlecht die HWG für die Umwelt ist und wie ernst sie die Biodiversität wirklich nimmt.

Wir haben uns einmal direkt an die Umweltbeauftragte des Unternehmens gewendet und wollten mehr über die Bemühungen der HWG erfahren. Schließlich hat die Stadt Halle eine Baumschutzsatzung, in der zum Beispiel geschrieben steht, dass  Laubbäume, Ginko und Eibe nicht gefällt oder beschnitten werden dürfen, wenn ihr Stammumfang mehr als 50cm beträgt. Hält sich die HWG an eine solche Vorschrift? Was passiert, wenn es unumgänglich ist, einen dieser Bäume für den Immobilienbau zu fällen?

Die Umweltbeauftragte antwortet auf diese Frage, dass in diesem Fall Ersatzpflanzen eingebracht werden müssen. Im besten Fall auf eben dem Grundstück, wo zuvor die Bäume gefällt worden.

Auch in der Querfurter Straße handelt es sich bei der neu angelegten Grünfläche um eine dieser Ersatzflächen. Hier wurden vor einigen Monaten 17 Bäume gepflanzt, da sie in der Hanoier Straße, Am hohen Ufer und auch auf eben diesem Gelände zuvor gefällt wurden. Natürlich nicht, ohne zuvor bei der Naturschutzbehörde der Stadt Halle einen Antrag auf Fällung zu stellen, da es sich bei den meisten Bäumen um die in der Baumschutzsatzung erwähnten Arten handelte. Die Bäume Am hohen Ufer mussten wegen Abrissarbeiten gefällt werden, da sich die HWG in der Silberhöhe für ein Projekt mit Namen "Waldstadt Silberhöhe" entschied. Dazu wurden erst einige Bäume gefällt um alte Häuser problemlos abzureißen. Jetzt werden zahlreiche neue Bäume gepflanzt mit dem Ziel, das Wohngebiet komplett zu begrünen.  Unsere Gesprächspartnerin gab außerdem Information, dass selbstverständlicher Weise vor der Fällung oder dem Schnitt jedes Baumes, unabhängig seiner Art, eine interne Prüfung stattfindet, bei der bewertet wird, ob die Abholzung der Bäume wirklich notwendig ist, oder ob sie durch Umbauungen vermeidbar sein könnte.

Zum Schutz der Umwelt werden außerdem im Zeitraum vom 1. März bis zum 30. September keine Hecken, Gebüsche und Bäume geschnitten oder gefällt.  
Damit soll verhindert werden, dass während des Zeitraumes, in dem die Fotosynthese am intensivsten stattfindet, der Pflanzenwachstum eingeschränkt wird und so eventuell der CO2-Pegel in der Erdatmosphäre noch weiter steigt. Des Weiteren betrifft es die Brutsaison der Vögel, welche ab dem 1.März beginnt.

Doch Biodiversität besteht nicht nur aus Pflanzen. Im Bundesnaturschutzgesetz ist auch als Ziel verankert, dass die lebensfähige Population wild lebender Tiere und Pflanzen und deren Lebensstätten erhalten werden sollen. Demnach ist der Bestand der Lebensräume der Tiere und dessen Aufrechterhaltung auch entscheidend. Die Umweltbeauftragte gibt Auskunft über das  Engagement der HWG bezüglich der Tierwelt. Sie informiert, dass bei Sanierungs- und Abbruchmaßnahmen die Gebäude immer gründlich auf Nist-, Brut- und Wohnstätten besonders geschützter Arten untersucht werden. Im Falle eines Fundes, wird für den entsprechenden Ersatz gesorgt. So wurden bereits Ersatznistplätze und Brutstätten für Haussperlinge, Meisen, Mauersegler und Fledermäuse geschaffen.

Die HWG engagiert sich zwar für den Umweltschutz, man kann allerdings feststellen, dass speziell für ein breites Artenspektrum jedoch nicht so viel getan wird, weil bevorzugt einheimische Bäume und Sträucher angepflanzt werden. Da aber auch vorrangig einheimische Bäume gerodet werden, vermindert die HWG die Biodiversität zumindest nicht. Die Umweltbeauftragte erklärt, dass das Anpflanzen anderer Baumarten nicht möglich sei, da Bodenbeschaffenheit und vor allem auch die klimatischen Bedingungen keine anderen Baumarten zulassen.

Auf die Frage nach dem größten Projekt der HWG bezüglich der Biodiversität entgegnete die Mitarbeiterin der HWG: "Bei dessen Benennung tuen wir uns schwer, da es sich bei den Unternehmungen nicht um ein Großprojekt handelt, sondern um die Vielzahl an Baum- und Strauchpflanzungen, aber auch um Schaffungen der Ersatznistplätze."

Zusammenfassend kann man sagen, dass die Hallesche Wohnungsgesellschaft mbH sich an alle gesetzlich verankerten Vorschriften hält, sich zusätzlich für Pflanzenreichtum engagieren, aber speziell bezüglich der Biodiversität keine Unternehmungen in Angriff nehmen.
 

Informationen zum Beitrag

Titel
Wie „grün“ baut Halle wirklich?
Autor
Lisa-Marie Küch, Marie-Theres Kassik, Antonia Sophia Mettin
Schule
Georg-Cantor-Gymnasium, Halle
Klasse
Wahlobligatorischer Unterricht Biologie Klasse 9 von 2012/2013
Quelle
Frankfurter Allgemeine Zeitung
Projekt
Jugend recherchiert 2012
Kategorie
Print

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