Regenwaldschutz? Wie und warum?!

Etwa die Hälfte aller Tierarten leben in tropischen Regenwäldern. Hört man den Begriff tropische Regenwälder, denkt man zuerst an die ausgeprägten Pflanzen- und Tiervielfalt. Doch wie lange existiert diese noch?

Der amerikanische Zoologe Edward O. Wilson geht davon aus, dass allein an einem Tag 70 Arten aussterben. Andere Schätzungen sind diesbezüglich weitaus pessimistischer und gehen von bis zu 500 Arten pro Tag aus. Glaubt man den Schätzungen vom "National Science Board" der USA, werden in 20 Jahren ein Viertel aller Arten ausgestorben sein. Dabei sind noch nicht einmal annähernd alle entdeckt und erforscht. Doch was sind die Gründe für die rasche Abnahme der Biodiversität des Regenwaldes?

Die Ursache dafür ist leicht zu benennen: der Mensch. Sein Verhalten, insbesondere seine Habgier nach Profit und sein Desinteresse an der Erhaltung der Natur, sorgt für die weitgehende Zerstörung des Regenwaldes. Allein während Sie ihre morgendliche Tasse Kaffee trinken, werden eineinhalb Quadratkilometer Regenwald unwiderruflich zerstört. Dies entspricht in etwa einer Größe von 150 Fußballfeldern. Viele Teile des durch die Zerstörung erschlossenen Gebiets werden zu Viehweiden und Sojaplantagen umgewandelt, von denen jedoch nicht die arme, einheimische Bevölkerung profitiert, sondern wir in den Industriestaaten. Glaubt man mancher Behauptung, ist die Zerstörung des Regenwaldes auf die starke Bevölkerungszunahme der einheimischen Bevölkerung zurückzuführen. Dies entspricht jedoch nicht der Wahrheit! Nimmt man als Beispiel Brasilien, so gehören von den 80 Prozent des fruchtbaren Landes nur 5 Prozent der Bevölkerung. Abgesehen von einer brasilianischen Firma ist die Produktion von Soja in den Händen ausländischer Unternehmen. Die einheimische Bevölkerung zieht also aus der Abholzung des einzigartigen Regenwaldes den geringsten Nutzen.

Doch was haben wir Europäer mit dem Regenwald zu tun? Wieso sollten wir uns um seinen Erhalt kümmern? Sollte uns der Verlust des Regenwaldes überhaupt interessieren? Und ob!
Der Regenwald ist  die grüne Lunge unserer Erde. Er versorgt uns mit überlebenswichtigem Sauerstoff und ist somit auch für uns Menschen in Europa von großer Bedeutung. Zudem speichert ein Quadratkilometer Amazonasregenwald ungefähr 20 000 Tonnen Kohlenstoff. Der gesamte Amazonasregenwald enthält somit 85 Milliarden Tonnen gespeicherten Kohlenstoffs. Bei der Verbrennung wird dieser Kohlenstoff als Kohlenstoffdioxid (CO2) in die Umgebung freigesetzt. Deshalb ist die Brandrodung in großem Maße auch so verheerend für unser Weltklima. Stoppte man die Brandrohdung gänzlich, würde der weltweite Treibhauseffekt um 10 bis 20 Prozent reduziert. Dies hätte beachtliche Auswirkungen auf den weltweiten Klimawandel und der damit verbundenen Erderwärmung. Davor sollten wir nicht unsere Augen verschließen!

Ein weiterer Aspekt ist auch die Nutzung von Pflanzen aus dem Regenwald zu medizinischen Zwecken. Schon heute finden sich in 25 Prozent aller Arzneimitteln Stoffe aus den 5000 bisher untersuchten Regenwaldpflanzen. Doch das Potential der Pflanzen ist damit noch nicht erschöpft, im Gegenteil. Es warten über 200 000 weitere Pflanzen darauf uns Fortschritte in der Medizin zu bringen.

So enthält beispielsweise, das zunächst unscheinbar wirkende Madagaskar-Immergrün (Catharantus roseus), Stoffe, die gegen die Hodgkin-Krankheit und lymphatische Leukämie helfen. Durch diese Entdeckung wurde die Chance auf eine Heilung bei den beiden Leukämie-Formen von 20 auf 80 Prozent gesteigert. Der tropische Regenwald ist im Grunde eine richtige Goldgrube. Abgesehen vom Nutzen für die kranken Menschen bringt allein diese eine Medizin, mit den Wirkstoffen des Madagaskar-Immergrüns, jährlich weit mehr als 100 Millionen Dollar ein. Dies ist nur eins von vielen Beispielen, das zeigt, dass der Regenwald die Forschung in medizinischer Hinsicht meilenweit vorangebracht hat und noch viel weiter bringen kann.

Aber nicht nur im medizinischen Bereich profitiert die Forschung von den Lebewesen aus dem Regenwald. So haben auch die Tiere und Pflanzen aus diesen Gebieten großen Einfluss auf die Bionik, das Bindeglied zwischen Biologie und Technik. Als ein Beispiel hierfür zeigt sich die fleischfressende Kannenpflanze aus Indonesien. Sie dient als Vorbild für ein neues Material, das fast alles spurlos an sich abgleiten lässt. Die Pflanze besitzt eine poröse, mit einer Flüssigkeit überzogene Oberfläche, an der weder Wasser, noch Öl oder Blut haften bleiben. Das neue Material funktioniert auch hervorragend unter hohem Druck und Kälte und kann somit auch in Sanitärbereichen eingesetzt werden.
Das sind nur wenige Gründe, die zeigen dass es sich lohnt für den Regenwald zu kämpfen. Doch wie können wir die Zukunft des Regenwaldes gewährleisten? Und was kann jeder Einzelne dafür tun?

Zuallererst die offensichtlichen Dinge: auf Möbelgarnituren aus exotischen Tropenhölzern wie Mahagoni oder Teak sollte man verzichten. Es schont nicht nur den Geldbeutel, sondern auch den Regenwald. Sinnvoll ist auch Papier zu sparen und zusätzlich Recyclingpapier zu verwenden. Denn wer will schon, dass ein über hundert Jahre alter Baum für Toilettenpapier gefällt wird? Was zunächst nicht offensichtlich erscheint, jedoch ein Großteil dessen ausmacht, warum der Regenwald abgeholzt wird, ist der Konsum von Fleisch. Nun kann man sich die Frage stellen, was ein Steak mit einem Baum zu tun hat. Fakt ist jedoch, dass große Flächen des Regenwaldes für Weideflächen gerodet werden. Außerdem sollte man nicht außer Acht lassen, dass auch unsere Rinder den Regenwald dezimieren. Ohne Import von Futtermitteln aus Soja wäre die heutige Massentierhaltung in der EU gar nicht möglich. Die EU alleine wäre gar nicht in der Lage genügend Fläche für diese Masse an Futtermitteln zu stellen. Für die Futtermittel werden große Sojaplantagen benötigt, die zum größten Teil auf Kosten des Regewaldes entstehen. So stehen auch wir als Verbrauer in der Verantwortung. Deshalb sollten wir unseren Fleischverbrauch einschränken, wenn nicht sogar zum kollektiven Vegetarismus übergehen.

Eine weitere Möglichkeit um gegen die unnötige Zerstörung des Regenwaldes vorzugehen und gleichzeitig für faire Arbeitsbedingungen in Entwicklungsländern zu sorgen, ist der Erwerb von Fair-Trade-Produkten. Diese sind in unseren Supermärkten heute schon weit verbreitet. Eine Alternative wären Produkte aus lokalem Anbau, welche eine weit geringere CO2 Belastung für die Umwelt darstellen. Am Ende ist es jedoch jedem selbst überlassen, ob und wie man sich für den Regenwald und seine Erhaltung einsetzt. Bevor jeder Einzelne für sich diese Entscheidung trifft, sollte er sich die Gründe für den Erhalt des Regenwaldes bewusst machen, denn wir alle sind ein Teil der Natur.
 
 

Informationen zum Beitrag

Titel
Regenwaldschutz? Wie und warum?!
Autor
Sheljana Barth und Jana Landsinger
Schule
Rosenstein-Gymnasium Heubach, Heubach
Klasse
10 von 2012/2013
Quelle
Frankfurter Allgemeine Zeitung
Projekt
Jugend recherchiert 2012
Kategorie
Print

Beruf und Chance

Zeitungszustellung während des Projekts

Probleme bei der projektbezogenen Zeitungslieferung?
Wenden Sie sich unter Angabe Ihrer Auftragsnummer per E-Mail oder per Fax an:vertrieb@faz.de
069-7591-2180

Jugend recherchiert ausgezeichnet!

Jugend recherchiert - Biodiversität ist als Projekt der UN-Dekade Biologische Vielfalt 2013 ausgezeichnet worden. Die UN-Dekade ist ein Programm der Vereinten Nationen zum nachdrücklichen, weltweiten Schutz von biologischer Vielfalt. › Mehr