Ölpest im Golf von Mexico

Eine Explosion auf einer Ölplattform des Ölriesens BP im Golf von Mexico sorgte für eine Umweltkatastrophe von historischem Ausmaß.

Im Golf von Mexico, südlich von New Orleans befand sich bis zum 22.April 2010 noch die ,2001 erbaute, Ölplattform Deepwater Horizon des Mineralölkonzerns BP, auf dem 126 Arbeiter beschäftigt waren. Am 20. April 2010 kam es nach Ausströmung von Erdgas aus dem Bohrloch zu einer gewaltigen Explosion, die elf Arbeiter in den Tod riss. Zwei Tage später versank die gesamte Bohrplattform nach zahlreichen Löschversuchen im Golf von Mexico. Man vermutete, dass die Abdichtung des Bohrlochs, trotz Warnungen seitens Fachleute bewusst einer kostgünstigeren, mit größerem Risiko von Gasaustritt verbundende Methode, vorgezogen wurde.
 

Wenige Tage später verkündet die US-Küstenwache, dass rund 160 000 Liter Öl pro Tag aus dem Bohrloch selbst und aus einer Rohrverbindung ins Meer gelangten. Die gesamte Ölmenge, die während der Ölkatastrophe ausgetreten ist, wird auf insgesamt 800 Millionen Liter geschätzt.

Ende April verkündete die Küstenwache, sie wolle vier ferngesteuerte Unterwasserroboter auf den 1,5 km tiefen Grund vom Golf von Mexico herablassen um den Ölfluss schnellstmöglich zum Stillstand zu bringen. Die Roboter sollten ein gigantisches 450 t-schweres Sicherheitsventil aktivieren. Allerdings war diese Methode erfolglos.

"Zum einen wissen wir nicht wie es nach der Explosion in dem Sicherheitsventil, dem sogenannten Blow-out-preventer aussieht. Zum anderen sei es enorm schwierig bei 1500m Tiefe mit ferngesteuerten Robotern zu arbeiten. Wir wissen nicht welche Technik letztlich erfolgreich sein wird und deshalb setze man parallel auf verschieden Möglichkeiten. Doch alle Alternativen zum Wasserroboter haben einen entscheidenden Nachteil; sie stoppen den Ölfluss frühestens in einigen Wochen, unter Umständen erst in einem Viertel Jahr ...", so ein BP- Experte gegenüber dem Nachrichtensender CNN.
 

"Es ist nur eine Frage der Zeit ,bis sich der Wind dreht und den gigantische Ölteppich von der fast doppelten Fläche Berlins an die Küste Louisiannas und der angrenzenden Bundestaaten treibt. Wale, Seeschildkröten, Pelikane, Korallen und große Fischbestände im Golf von Mexico sind in akuter Gefahr." - Ralf Sina , ARD-Korrespondent in Washington über die Lage am 27.4.10.

Inzwischen erreichte das Öl schon die Küste und das Mississippidelta. Nun machte Obama deutlich, dass der Konzern BP für die Kosten der Aufräumarbeiten aufkommen werde.
Am 5. Mai 2010 wurden die Chemikalie Corexit eingesetzt, die das Öl verklumpen sollte, und letztendlich in der Tiefsee verteilen sollte, wo es nicht an Land geschwemmt werden konnte. Zu dem Zeitpunkt wurde auch eine 98t schwere Auffangbox auf den Meeresgrund herabgelassen. Diese sollte das austretende Öl nach oben auf riesige Tankschiffe pumpen. Nach einigen Tagen stellte sich jedoch heraus, dass auch dieser Versuch keinen Erfolg hatte. Laut des BP- Manager Doug Suttles, hätten sich Kristalle an der Innenseite der Kuppel gebildet, die ein Absaugen des Öls verhindern würden.

Indes driftete das Öl immer weiter auseinander. Zwar wurde die Gesamtfläche kleiner aber nur weil der Wind zunächst Teile des Ölteppichs an die Oberfläche wirbelte. Am 10. Mai 2010 seien nach US-Medienberichten schon 13 Millionen Liter Öl nach dem Unfall ins Meer gelangt.

Anschließend wollte BP ein neues Ventil einsetzten. Zunächst sollte mithilfe der Unterwasserroboter das Steigrohr abgesägt werden, was hochriskant war, denn so konnte noch mehr Öl herausströmen. Danach kam die Kappe und sollte den Ölfluss kanalisieren, allerdings stoppen konnte sie den Ölfluss auch nicht.

Mit heftigen Regenfällen und Orkanböen bis zu 200 Stundenkilometern war am 4. Juni Hurrikan "Alex" über Mexiko hinweg gezogen. Auch das Katastrophengebiet im Golf von Mexico war in Form von meterhohen Wellen, die den Kampf gegen die Ölpest behinderten, betroffen.

Nach Monaten und zahlreichen erfolglosen Versuchen war es dem Konzern BP gelungen, das Ölleck mit dem "Static Kill" im Golf von Mexico endgültig zu verschließen. Der Spezialschlamm wurde 1500m in die Tiefe gepumpt und mit hohem Druck in das Bohrloch gepresst. Das Öl wurde so förmlich nach unten gedrückt. Im zweiten Schritt wurde dann weiter an den beiden Nebenzugängen gebohrt. Bei dieser Methode wurden die Bohrleitungen zusätzlich von unten in 5,5 km Tiefe versiegelt. Zudem wurde das Loch zementiert.

Nach alldem waren 800 Millionen Liter Öl ausgetreten, was verheerende Auswirkungen für verschiedene Ökosysteme, Lebewesen, den Tourismus an der Golf Küste und die Fischerei hatte und immer noch hat.

"Das ist wohl der Preis für das Bohren nach immer mehr Öl in immer größeren Tiefen." Ralf Sina , ARD-Korrespondent in Washington

Auswirkungen der Ölkatastrophe im Golf von Mexiko auf die Umwelt

Aufgrund des tagelang ausgelaufenen Öls und die zur Bekämpfung der Ölpest verwendeten Chemikalien wurde das gesamte Ökosystem der betroffenen Region geschädigt. Sowohl die Pflanzen,- als auch die Tierwelt ist in verheerendem Ausmaß betroffen.

Trotz der errichteten Öl-Barrieren, die dazu dienen sollten, die Küstenabschnitte vor dem Ölteppich zu schützen, mussten viele Tiere unter den Folgen leiden. Nachdem der Ölteppich Inseln und Küstenabschnitte erreicht hatte, waren Seevogelkolonien, Fisch- und Austernbestände der Region, dem Öl schutzlos ausgeliefert, darunter z.B. auch vier vom Aussterben bedrohte Meeresschildkröten und 29 Meeressäugerarten.  Vor allem Küstenvögel wie Braunpelikane und Rötelreiher, die sich gerade in der Zeit des Brütens befanden erlitten erhebliche Schäden. Ihre Federn waren von Öl verschmiert welches Wasser in das Gefieder der Tiere eindringen lässt. So sind sie Hitze und Kälte schutzlos ausgeliefert. Bei sommerlichen Temperaturen können die Tiere dann nun an Überhitzung sterben. Auch legte sich das Öl über die Kiemen der Fische, sodass ihnen das Atmen unmöglich war. Der Lebensraum vieler dieser Tiere, das Mississippi-Delta, wird von Umweltschützern als massiv gefährdet bezeichnet. Bis zum 27. August 2010 wurden 5.169 tote Vögel, 549 tote Schildkröten, 79 tote Delphine und ein toter Wal gefunden.

Auch, so sagen ansässige Fischer und Wissenschaftler, ist von gravierenden Missbildungen, Fischen mit Deformationen, Geschwüren und veränderten Kiemen, sowie Garnelen mit fehlenden Augen zu reden. Schlimm ist das nicht nur für das Ökosystem, sondern auch für die Menschen, denn im Golf von Mexiko werden 40 Prozent aller Meeresfrüchte für den US-Markt gefangen. Die Chemikalien gelangen also in die Nahrungskette und somit sind auch Menschen von der Katastrophe betroffen. Der sogenannte Killifisch gilt als besonders gefährlich, er speichert nämlich die giftigen Stoffe und vielen Speisefischen dient er als Ernährungsgrundlage.

Doch nicht nur das ausgelaufene Öl sorgt für nachhaltige Probleme, auch die, wie eben schon erwähnt, verwendeten Chemikalien, die im Kampf gegen die Ölpest in rauen Mengen eingesetzt wurde,  tragen dazu bei. Dieses Lösemittel ist ein toxischer Schadstoff, der nachhaltig erbgutschädigend und erbgutverändernd wirkt. Er lagert sich zudem auf dem Meeresboden, dessen Lebewesen noch völlig unbekannt sind, ab und setzt sich dort fest. Der Sauerstoffgehalt des Wassers lag zwischenzeitlich bei 30 Prozent unter dem Normalwert, was das Überleben der Tiere zunehmend erschwert. Die Wasserverschmutzung ist so groß, dass die Region noch lange damit zu kämpfen haben wird. Auch zu erwähnen sind die zahlreichen Korallenriffe vor der Küste Louisianas, Alabamas und Floridas, die in Mitleidenschaft gezogen worden sind.

Natürlich ist die Pflanzenwelt von dem Unglück nicht ausgelassen worden. Entlang der US- amerikanischen Golfküste sind mehr als 30 Naturparks betroffen, ebenso wie die Mangrovenwälder. Ein Großteil der Küstenregion ist nun umgeben von angeschwemmten klebrigen Ölklumpen, deshalb sind zahlreiche Pflanzen und Wurzeln gestorben, sodass die Künstenlinie stark geschwächt war, dies hatte Erosionen zur Folge. Auch 95 Prozent der Rhizome – die unterirdischen Teile der Pflanze – waren hier ohne Leben.

Eine Methode, um die Ölkatastrophe zu stoppen, war es damals, durch kontrolliertes Abfackeln den Ölteppich zu begrenzen. Wieder wurde die Umwelt stark geschädigt, denn die Methode führt zu einer großen Luftverschmutzung, die krebserregende Rückstände in der Luft zurück ließ. Aufgrund dessen, und natürlich auch wegen der giftigen Gase und Dämpfe, wurden viele Menschen in Krankenhäuser eingeliefert, denn ist das Gift einmal im Blutkreislauf eingenommen, kann es zu Schwindelgefühlen führen und langfristig Gehirn, Leber und Nieren schädigen.
 

Prozess gegen BP

Viele Bürger glauben, dass BP die Regierung und Öffentlichkeit zu lange über das Ausmaß der Katastrophe im Dunkeln gelassen hat. Aufräumarbeiten zogen sich und Betroffene warten noch heute auf Geld aus dem 20 Milliarden Dollar schweren Entschädigungsfonds, denn erst die Hälfte davon ist bislang ausgezahlt worden. Der Konzern musste sich in den letzten drei Jahren Hunderten von Klagen stellen und wurde mehrfach als schuldig befunden.

Am 25. Februar 2013 beginnt in Louisiana der bislang größte Prozess. "Wir sind so entschlossen wie nie, die Verantwortlichen zur Rechenschaft zu ziehen", sagt ein Sprecher des Justizministeriums. Die entscheidende Frage dabei ist jedoch ob BP nachgewiesen werden kann, vor und während der Explosion der Bohrinsel fahrlässig gehandelt zu haben.
Über ein Jahr hatte das britische Unternehmen mit der US-Regierung und mehreren Bundesstaaten bereits verhandelt, um den Prozess in New Orleans doch noch zu verhindern, obwohl BP im Mai 2010, zum Zeitpunkt der Katastrophe, noch Präsident Obama zugestimmt hatte, der BP für die Schäden verantwortlich machte. Es hieß damals: BP werde "alle legitimen Forderungen wegen Verlusten und Schäden bezahlen, die objektiv überprüft werden können und mit der Ölpest zusammenhängen".

Obama übte schon damals scharfe Kritik an BP, dem Plattform-Eigentümer Transocean und der Technologiefirma Halliburton, die sich gegenseitig die Schuld zuwiesen und nannte eine Kongressanhörung mit den Chefs der Konzerne ein 'lächerliches Schauspiel'. Außerdem prangerte er das Verhältnis zwischen Ölkonzernen und US-Behörden an, und Mitarbeiter der Behörden, die die Bohrlizenzen erteilen, wurden gefeuert. Auch demokratische Abgeordnete des US-Kongress hatten BP bei einer Anhörung im Juni 2010 schonungslos kritisiert und die Fehleinschätzungen des Konzerns über das Sinken der Plattform und das Ausmaß der Katastrophe bemängelt. In einer Fernsehansprache am 16. Juni 2010, sagte Präsident Obama, dass die Ölpest mit allen Mitteln bekämpft, BP zur Kassen gebeten und der Ausbau sauberer Energien zur nationalen Aufgabe gemacht werden soll. Allerdings wurde schon im Oktober 2010 das Verbot für Tiefseebohrungen im Golf von Mexiko wieder aufgehoben.

Das Management von BP weiß, dass viel auf dem Spiel steht und wehrt sich weiterhin gegen alle Vorwürfe. Trotzdem hat es bereits mehrere Raffinerien und Beteiligungen im Gesamtwert von 38 Milliarden Dollar verkauft, um künftige Forderungen überhaupt bezahlen zu können. Wie viel BP am Ende zahlen muss, wird jedoch erst in einer späteren Phase des Prozesses geklärt werden. Es wird jedoch über eine Summe von etwa 42 Millionen Dollar spekuliert. Dann wird es auch darum gehen, wie viel Öl tatsächlich in den Golf von Mexiko geflossen ist, denn BP behauptet es waren maximal 3,1 Millionen Barrel, während die US-Regierung von etwa 4,9 Millionen Barrel ausgeht.

Das Ende ist der Prozess für BP vermutlich nicht. Sollte es nicht zu einer Einigung mit der Regierung und jenen Klägern kommen, die sich nicht an der Sammelklage beteiligen, wird BP möglicherweise noch jahrelang Rechtsstreits führen. Gerechtigkeit erwarten ohnehin die wenigsten von dem Prozess und der Schaden für die Umwelt lässt sich möglicherweise nie beziffern.
 

Informationen zum Beitrag

Titel
Ölpest im Golf von Mexico
Autor
Carina Braun,Luisa Weikert, Nadja Gaisbauer
Schule
Städt. Gymnasium Leichlingen, Leichlingen
Klasse
Q2 bio1 von 2012/2013
Quelle
Frankfurter Allgemeine Zeitung
Projekt
Jugend recherchiert 2012
Kategorie
Print

Beruf und Chance

Zeitungszustellung während des Projekts

Probleme bei der projektbezogenen Zeitungslieferung?
Wenden Sie sich unter Angabe Ihrer Auftragsnummer per E-Mail oder per Fax an:vertrieb@faz.de
069-7591-2180

Jugend recherchiert ausgezeichnet!

Jugend recherchiert - Biodiversität ist als Projekt der UN-Dekade Biologische Vielfalt 2013 ausgezeichnet worden. Die UN-Dekade ist ein Programm der Vereinten Nationen zum nachdrücklichen, weltweiten Schutz von biologischer Vielfalt. › Mehr