Das „größte Loch Europas“

Der Braunkohletagebau Hambach wurde im Jahre 1978 in der Niederrheinischen Bucht bei Köln durch die RWE Power AG begonnen. Bis zum Jahre 2040 sollen dort bis zu 2,4 Milliarden Tonnen Braunkohle abgebaut werden. Auf 85 Quadratkilometern, zwischen Bergheim und Jülich, dringen Bagger 450 Meter in den Boden vor. Auch wenn Braunkohle ein wichtiger Energieträger der heutigen Zeit ist, ist es jedoch einer der größten Beiträge Deutschlands zum Klimawandel. Der Verlust der Artenvielfalt und die Vernichtung großflächiger unzerstörter Naturräume ist ebenso eine Folge des Braunkohletagebau Hambachs.

Während Nordrhein-Westfalen für den Erhalt der Biodiversität wirbt, ist die Realität verherrend. Die Gewinnung von Braunkohle weißt die meisten Defizite im Bereich Biotop- und Artenschutzes auf. Auch die bestehenden Gesetze für den Schutz von Lebensraum und Arten werden für den Braunkohleabbau außer Acht gelassen.

Im Beispiel Hambach wird bis zum Jahre 2040 der Hambacher Forst, der zu einer der größten Eichen-Hainbuchwaldfläche gehört, komplett zerstört. Dieser Wald ist von großer Bedeutung, da er für unzählige geschütze Tierarten Lebensraum bietet. Diese Tierarten sind zum Beispiel die Gelbbauchunke, die Kreuzkröte, der Springfrosch, die Zwergfledermaus, so wie noch viele weitere geschützte Arten. Der Hambacher Forst besitzt einen hohen Anteil an Totholz, dieser ist von großer Bedeutung des FFH Lebensraum. Der FFH Lebensraum gliedert sich in F (Flora), F Fauna) und H (Habitat), diese drei Arten stehen unter besonderem Naturschutz und gehören zur Natura 2000. Natura 2000 ist ein zusammenhängendes Netz von Schutzgebieten, gegründet von der Europäischen Union 1992. Der Hambacher Forst gehört zwar der Natura 2000 an, jedoch unternimmt die Landesregierung nichts gegen den Braunkohleabbau. Die Bürger forderten zwar eine Umweltverträglichkeitsprüfung, jedoch scheiterte diese bislang, da die Landesregierung die Umweltverträglichkeitsprüfung ablehnte.

Um den Verlust der Naturfläche auszugleichen wurde bis 2007 bereits 1.168 Hektar Tagebaufläche wiederhergestellt, dies ist jedoch nicht vergleichbar mit dem unersetzbaren Altwald (Hambacher Forst). Des Weiteren soll nach Abschluss des Tagebaus in dem Restloch ein See entstehen, dieser droht aber durch den Schadstoffaustrag der Baggerarbeiten zu versauern. Das Wasser könnte auch nur über eine Pipeline herbeigeführt werden, was jedoch zu langfristig und kostenspielig wäre. Außerdem werden unzählige Lebensräume aus dem Bereich Fauna und Flora zerstört, sodass viele Tierarten und Pflanzen umgesiedelt werden müssen. Jedoch wird die Tagebaufläche sowie der künstlich angelegte See nicht ausreichen, um die Masse von Tieren und Pflanzen abzudecken.

Auch wenn der Bereich Flora und Fauna wieder hergestellt werden könnte, würde dieser niemals sein Ursprungszustand wieder annehmen, da es tausende von Jahren gedauert hat bis der Hambacher Forst sich zu dem Naturphänomen entwickelt hatte, wofür er in der Vergangenheit stand. Wenn also die Braunkohlegewinnung nicht eingestellt wird, hat dies langfristig eine Auswirkung auf den Klimawandel, sodass die Veränderung der Temperatur und der Niederschlagverhältnisse direkten Einfluss auf die Biodiversität haben. Demnach stellt sich doch jedem die Frage, ob der Preis für die Energiegewinnung nicht zu hoch gegriffen ist?
 

Informationen zum Beitrag

Titel
Das „größte Loch Europas“
Autor
Gina-Lisa, Carolin, Jacqueline
Schule
Städt. Gymnasium Leichlingen, Leichlingen
Klasse
Q2 bio1 von 2012/2013
Quelle
Frankfurter Allgemeine Zeitung
Projekt
Jugend recherchiert 2012
Kategorie
Print

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