Stuttgart 21 überrollt Zauneidechse

Der Stuttgarter Zoo gibt jährlich 5000$ für den Schutz von Okapis im Wildlife Reserve im Kongo aus. Warum ist der Schutz bedrohter Tiere aus anderen Ländern so bedeutend? Der Aufwand für den Schutz heimischer Tierarten in Deutschland, welcher selten großgeschrieben wird, wäre wesentlich geringer. In Stuttgart werden Millionen Euro für das derzeit größte Bahnprojekt in Deutschland verwendet, doch welchen Preis müssen bedrohte Arten dafür bezahlen?

Aufgrund des benötigten Raumes für das Projekt Stuttgart 21 wurden viele Bäume im Schlossgarten gefällt. Diese Habitate waren ausschlaggebende Ruhe- und Fortpflanzungsstätten für Jachtenkäfer, sowie einige Fledermäuse.

Ein weiteres bedrohtes Tier, welches sich auf der roten Liste der streng zu schützenden Tiere befindet, ist die Zauneidechse. Jene Art hat sich auf den Gleisanlagen etabliert. Bei Arbeiten zur Erneuerung und Verlegung der Gleise in den Untergrund, wurden ebenfalls Habitate der Zauneidechse zerstört, wodurch etliche Tiere starben und Weitere dem Tode geweiht sind.

Um das zerstörte Ökosystem zu regenerieren, ergreift die Bahn unterschiedliche Maßnahmen. Zum einen plant die Deutsche Bahn eine Umsiedelung in die Stadt Steinheim an der Murr, die ein Areal mit ca. 1,3ha Fläche bietet. Dort befinden sich zwei Steinbrüche, sowie ehemalige Weinbergflächen, die zahlreiche Sonn- und Versteckmöglichkeiten bieten. Ein idealer Lebensraum für die Zauneidechsen setzt sich aus niedrigen Sträuchern, Schotterflächen, Holzhaufen und sandigen Stellen für die Eiablage zusammen. Alle diese Komponenten werden in diesem Areal erfüllt.

Doch soll die Umsiedelung der betroffenen Arten erst im Frühjahr dieses Jahres vollzogen werden. In der näheren Umgebung stehen weitere Habitate zur Verfügung. Damit diese genutzt werden, sind verschieden Maßnahmen ergriffen worden um die Eidechsen aus ihrer ursprünglichen Heimat zu vertreiben. Dazu gehört das Auslegen einer Folie auf bestimmten Schotterflächen, um das Einnisten der Eidechsen auf Baustellenflächen zu verhindern.

Negativ zu bewerten ist, dass die Folie in einem zu großen Bereich ausgelegt wurde. Durch diesen schwerwiegenden Fehler ist die Anzahl der Tiere weiter gesunken. Des Weiteren ist nicht davon auszugehen, dass sich die Zauneidechsenpopulationen in den Ausweichhabitaten eingenistet haben.

Daraus lässt sich schließen, dass viele Tiere aufgrund des mangelnden Artenschutzes und der Unverantwortlichkeit der Deutschen Bahn, ihr Leben lassen mussten. Der Artenschutz für heimische Tiere sollte deshalb ebenfalls groß geschrieben werden!
 

Informationen zum Beitrag

Titel
Stuttgart 21 überrollt Zauneidechse
Autor
Alena Gläser, Alina Jakobs und Pia Rückels
Schule
Städt. Gymnasium Leichlingen, Leichlingen
Klasse
Q2 bio1 von 2012/2013
Quelle
Frankfurter Allgemeine Zeitung
Projekt
Jugend recherchiert 2012
Kategorie
Print

Beruf und Chance

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