Der Luchs scheidet die Gemüter

Der Eurasische Luchs ("Lynx Lynx") ist Europas drittgrößtes Raubtier. Sein Lebensraum breitet sich über die Gebiete Eurasiens aus. Allerdings wird der Gesamtbestand der in Europa lebenden Tiere auf nur ungefähr 7.000 geschätzt, während es weltweit etwas weniger als 50.000 Tiere gibt.

Seit vielen Jahren herrscht zwischen Befürwortern und Gegnern der Luchsauswilderung eine Debatte darüber, ob der Luchs in Deutschland nun endgültig wiederangesiedelt werden soll.

Während die Umweltschützer und die breite Bevölkerung sich dafür aussprechen, äußern sowohl Jäger als auch Bauern ihre Bedenken und Kritik an diesem Vorhaben. Doch wer hat nun Recht? Ist es sinnvoll, den Luchs in Deutschland wiederanzusiedeln?  Naturschützer setzen sich für eine Auswilderung von Luchsen ein, da eine natürliche Wiederansiedlung nicht zu erwarten sei.

Dies sei nicht möglich, da der geografische Anschluss an bestehende Luchspopulationen fehle und die Luchse so nicht zurückwandern könnten.

Allerdings sprechen die Richtlinien der "International Union for Conservation of Nature and Natural Resources" (IUCN) gegen die Auswilderung. Laut Artikel 22 der Flora-Fauna-Habitat-Richtlinien (FHH-Richtlinien)  soll eine Auswilderung erfolgen, wenn sie die Erhaltung einer Art fördert. Allerdings  gilt der Luchs laut der IUCN in seinem weltweiten Bestand als nicht gefährdet ("Least Concern")  und seine Population wird als stabil eingestuft. Darum gibt es für die Auswilderung von in Gefangenschaft aufgezogenen Tieren keine Rechtfertigung. Die Auswilderung solcher Tiere würde außerdem weitere Probleme mit sich bringen. Da das Ziel einer Auswilderung eine sich langfristig selbst erhaltene Population sein sollte, müssen zuerst Gebiete gefunden werden, in denen für eine Luchspopulation genügend Beute vorhanden ist.

In Gefangenschaft aufgezogene Tiere werden stets durch den Menschen gefüttert.  Dadurch sind sie sehr stark an den Menschen gewöhnt und haben keine Angst mehr vor ihm. Außerdem verlernen sie es oft, ihre Beute selbst zu jagen und zu erlegen, sodass eine autotrophe Lebensweise oft nicht möglich ist. Aus diesem Grund haben Landwirte die Bedenken, dass die Luchse ihre Tiere reißen.

Doch dies stellt nicht das Hauptproblem der Landwirte dar. Die FFH-Richtlinie stellt den Schutz und die Sicherheit von wildlebenden Arten und dessen Lebensräumen sicher. Außerdem soll eine natürliche Vernetzung dieser Lebensräume stattfinden, damit natürliche Wechselbeziehungen und Ausbreitungs- und Wiederansiedlungsprozesse gefördert werden. Aufgrund der FFH-Richtlinie müssten die Landwirte Rücksicht auf die Lebensräume der Luchse nehmen, wodurch ihre wirtschaftlichen Möglichkeiten stark beeinträchtigt werden.

Jäger befürchten, dass sich die Jagd auf andere Tiere deutlich erschweren werde, da die Luchse einem ganzjährigen Jagdverbot unterliegen würden. Dies muss allerdings kritisch betrachtet werden, denn der "Beuteneid" kann möglicherweise zu diesen Aussagen geführt haben. Der Luchs reguliert als oberstes Glied der Nahrungskette den Jagdbestand auf natürliche Weise. Dadurch verringert sich die Verfügbarkeit des Wildes für die Jäger. Grundsätzlich lässt sich sagen, dass sowohl die natürliche Rückwanderung als auch eine Wiederansiedlung durch den Menschen nur dann sinnvoll ist und langfristig Erfolg haben wird, wenn die Akzeptanz der ganzen Bevölkerung da ist.
 

Informationen zum Beitrag

Titel
Der Luchs scheidet die Gemüter
Autor
Svenja Nilsson
Schule
Ursulaschule, Osnabrück
Klasse
Politikkurs Stufe 12 von 2012/2013
Quelle
Frankfurter Allgemeine Zeitung
Projekt
Jugend recherchiert 2012
Kategorie
Print

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