Warum nicht einfach Erdwärme

Vom Weihnachtsmarkt in den Osnabrücker Dom sind es nur ein paar Schritte. Ein ruhiger Ort in der sonst so hektischen Advents- und Weihnachtszeit, der Stille und Wärme für eine kurze Auszeit spendet. Kaum jemand macht sich Gedanken darüber wie so eine riesige, steinerne Kathedrale auch im Winter ihre ca. 15°C beibehält. Die Frage ist einfach zu beantworten: Erdwärme.

Seit Anfang 2008 ist die Erdwärmeheizung in Betrieb, die nicht nur den Dom beheizt. Im Zuge der Sanierungsarbeiten am Domforum hat man die Gebäude gedämmt und eine neue, zentrale Heizungsanlage für die gesamte Liegenschaft eingerichtet. Rund ein Viertel des gesamten Wärmebedarfs wird nun durch Erdwärme gedeckt. "Wir als Kirche setzen dadurch ein Zeichen für  Klimaschutz und Bewahrung der Schöpfung", sagt Projektleiter Andreas Reinartz vom Bistum Osnabrück.

Drei Wärmepumpen heizen die Bistumsgebäude, die bei voller Auslastung von einem zusätzlichen Gaskessel unterstützt werden. Dies sei jedoch nur in den kalten Jahreszeiten bei Temperaturen um den Gefrierpunkt und tiefer nötig, so Reinartz. Die unterschiedliche Nutzung der Gebäude war bei der Planung der zentralen Heizungsanlage kein Hindernis. Die Büros des Seelsorgeamtes, sowie der Chorsaal werden vorzugsweise unter der Woche genutzt, der Dom eher an Sonn- und Feiertagen. Aus diesem Grund entschied man sich für eine zentrale Anlage, um Kosten und Energieverbrauch gering zu halten. Durch ein spezielles System wird das Heizen der Büros, des Chorsaals, des Museums und der Kirche nach Bedarf abgestimmt. Wenn die Büros ab Freitagnachmittag nicht mehr besetzt sind, wird der Dom für das Wochenende und die Gottesdienste beheizt.

Erdwärme bietet darüber hinaus noch weitere Vorteile für die Liegenschaft des Bistums. Durch die Wärmepumpen kann das Forum am Dom mit dem Diözesanmuseum auch klimatisiert werden, um große Hitzeschwankungen, gerade im Museum mit seinen empfindlichen mittelalterlichen Ausstellungsstücken zu vermeiden.

So viele Vorteile die neue Anlage auch bringt, unerwartete Probleme stellten die Projektplaner vor Schwierigkeiten. Geplant waren 10 Bohrungen mit einer Tiefe von etwa 100 Metern, nach der Hälfte war jedoch Schluss. Man traf auf zerklüftetes Gestein, das ein Weiterbohren unmöglich machte. Daraufhin wurde entschieden, 20 Erdsonden mit einer Tiefe von jeweils 50 Metern zu bohren. Auch die Steuerung der Anlage brachte Probleme mit sich. Technik wird immer komplexer und bedarf intensiven Aufwands und guter Kenntnisse. Nach mehreren Jahren Betrieb in den Gebäuden des Bistums, weiß man nun, dass das Heizungssystem anfangs nicht korrekt abgestimmt wurde, da die Wärmepumpen teilweise Defekte aufwiesen. Das soll jetzt durch eine Computersteuerung verbessert werden.

Auch an einem Freizeitbad in Osnabrück, dem Nettebad, wird demnächst mit Erdwärme geheizt. Der Betreiber, die Stadtwerke Osnabrück, sahen die Lage als geeignet an, das Schwimmbad mit Erdwärme zu versorgen und dabei langfristig Energie zu sparen. "Wir stehen kurz vor der Inbetriebnahme", sagt Marco Hörmeyer, Sprecher der Stadtwerke Osnabrück.

Geplant war eine mitteltiefe Bohrung von über 800 Metern, um dann etwa 20 Prozent des Energiebedarfs des Nettebads durch Erdwärme aufbringen zu können. Wie am Osnabrücker Dom verlief das Projekt anders als geplant. Nach der Hälfte, in etwa 360 Metern Tiefe stieß man auf Thermalsole mit einer Temperatur von 20°C. "Durch diesen Fund haben sich ganz andere Möglichkeiten ergeben", sagt Marco Hörmeyer. Man sei nun in der Lage mehr als 60 Prozent des Wärmebedarfs abdecken zu können. Auch die Amortisationszeit verkürzt sich von ursprünglich geplanten 8 Jahren auf etwa 4 Jahre. Um die Sole nutzen zu können, musste die ursprüngliche Planung jedoch verändert werden. Dazu Marco Hörmeyer: "Wir haben ein zweites Rohr gebohrt und zapfen diese wasserführende Schicht an, leiten das Wasser nach oben, machen es für uns nutzbar und geben das Wasser dann über das zweite Rohr wieder in diesen Kreislauf zurück." Aufgrund des Salzgehalts musste zudem die Anlage verändert werden, da Sole sehr aggressiv ist und Schläuche und Wärmepumpe sonst zerstört würden. "Technisch mussten wir schon umdisponieren. Alles in allem ist das für uns aber auf jeden Fall ein Lottogewinn, " fügt Hörmeyer hinzu.

Trotz mehrerer beispielhafter Projekte, wie hier in Osnabrück, gibt es keine klare Linie für die Nutzung der Erdwärme. Auf die Frage, ob es in Zukunft noch weitere Geothermieprojekte gebe, antwortet Marco Hörmeyer: "Absehbar ist da erst mal kein Projekt, aber wir wollen nicht ausschließen, dass man vielleicht noch in näherer Zukunft weitere Projekte findet, wo es sich rentieren könnte." Man sei auf der Suche nach weiteren Orten und führe Probebohrungen durch. "Geothermie lohnt sich erst dann wirklich, wenn man die Wärme, die anfällt auch sofort nutzen kann", fügt Hörmeyer hinzu. Erdwärme ist eine langfristige Investition, die aufgrund hoher Kosten und geringer Erfahrung noch nicht sehr häufig angewendet wird. Auch Andreas Reinartz meint: "Die Geothermie ist noch in der Entwicklungsphase."
 

Informationen zum Beitrag

Titel
Warum nicht einfach Erdwärme
Autor
Andreas Kaiping
Schule
Ursulaschule, Osnabrück
Klasse
Politikkurs Stufe 12 von 2012/2013
Quelle
Frankfurter Allgemeine Zeitung
Projekt
Jugend recherchiert 2012
Kategorie
Print

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