Der Luchs kehrt zurück

Werningerode. Am 17. März 1818 wurde das letzte freilebende Exemplar des Eurasischen Luchses bei Lauterthal erschossen. Eine groß angelegte Jagd führte dazu, dass der Luchs in Mittel- und Westeuropa in weiten Teilen ausgerottet wurde. Gut 180 Jahre später, im Sommer 2000, wurde das "Luchsprojekt Harz" zur Wiederansiedlung der scheuen Pinselohren vom niedersächsischen Umwelt- und Landwirtschaftsministerium sowie der Landesjägerschaft ins Leben gerufen. Heute ist die Nationalparkverwaltung stolz über die eigenständige Fortpflanzung der Tiere.

"Die Situation ist folgende: Die Gründertiere für die Luchspopulation haben sich im Harz gut etabliert", erklärt Ole Anders, der zuständige Projektkoordinator und Leiter des Forschungsbereiches des Artenschutzprojekts. Von 2004 bis 2006 wurden insgesamt 24 Luchse ausgewildert. Nach der Kontaktaufnahme mit Tierparks wurden Tiere aus diesen in den Harz transportiert. In Auswilderungsgehegen und -flächen auf noch relativ engem Raum wurden sie kontrolliert, beobachtet und an den neuen Lebensraum eingewöhnt. Entsprach das Tier gesetzten Kriterien wurde es in die freie Wildbahn entlassen. Seit 2006 wurden keine weiteren Exemplare mehr ausgewildert, denn seit 2002 reproduzierten sich die Tiere eigenständig. Um den Fortbestand der Tiere müsse man sich also keine Sorgen machen. "Von ehemals ausgewilderten markierten Gründertieren wurde kein einziges mehr gesichtet. Wir gehen davon aus, dass es schon zum kompletten "Turn Over" gekommen ist, sprich die Population nur noch aus schon im Freiland geborenen Luchsen besteht", macht Anders deutlich.

Wie viele Tiere mittlerweile den Harz durchstreifen sei unklar, da sich die scheuen Tiere nicht oft blicken ließen. Bei einer so heimlich lebenden Art könne man nur durch Schätzverfahren einen Überblick gewinnen, oder durch Hinweise von Förstern, privaten Jägern und Waldbesuchern.

Der Eurasische Luchs ist nach dem Europäischen Naturschutzrecht eine Art von gemeinschaftlichem Interesse. Nach der sogenannten "FHH Richtlinie", der Naturschutz-Richtlinie der EU, ist jeder Mitgliedsstaat aufgefordert, für den Erhalt dieser Tierart Maßnahmen zu ergreifen. Doch gerade in Mittel- und Westeuropa sind die vorhandenen Vorkommen außerordentlich klein und ein Austausch der einzelnen Tiere verschiedener Vorkommen existiert nicht. "Die Erhaltung des Luchses ist langfristig nur zu gewährleisten, wenn entsprechend große Räume zur Verfügung gestellt werden bzw. eine Vernetzung der Vorkommen realisiert wird. Dafür sind Auswilderungsprojekte, um eine Verbreitung des Luchses zu begünstigen, ein gutes Mittel", erklärt Anders. Zudem sei das Luchsprojekt ein großer Schritt zur Erhaltung der europäischen Artenvielfalt.

Auch die Tourismusbranche profitiert vom Harzer Auswilderungsprojekt. "Verschiedene Kommunen – allen voran Bad Harzburg - setzen die Tierart im Rahmen ihres Marketingkonzeptes an sehr prominenter Stelle auf Websites etc. ein", berichtet Anders. "Somit kann hohe öffentliche Aufmerksamkeit erreicht werden." Heute gibt es öffentliche Luchsfütterungen und ein Luchs-Schaugehege sowie ein Luchsticket, dass alles miteinander verknüpft. So locke man Touristen an und mache den Harz populärer.

Konflikte des Luchses mit landwirtschaftenden Menschen sind jedoch nicht auszuschließen. So kann es zu Nutztierrissen und auch jagdbaren Wildrissen kommen. In den letzten 12 Jahren seien solche jedoch nur in seltenen Fällen eingetreten. Die wirtschaftlichen Schäden von seit jeher etablierten Tierarten wie beispielsweise Schwarzwild seien bedeutend höher und würden von Landwirten und Jägern geduldet werden.
Anders schließt: "Ich persönlich bin davon überzeugt, dass auch große heimische Tierarten in unserer Kulturlandschaft eine Daseinsberechtigung haben, sofern der entsprechende Lebensraum für sie noch vorhanden ist. Beim Luchs ist dies eindeutig der Fall."
 

Informationen zum Beitrag

Titel
Der Luchs kehrt zurück
Autor
Nico Waldmann
Schule
Ursulaschule, Osnabrück
Klasse
Politikkurs Stufe 12 von 2012/2013
Quelle
Frankfurter Allgemeine Zeitung
Projekt
Jugend recherchiert 2012
Kategorie
Print

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