Seltene Pflanzenarten in der Kühlkammer

In der Kammer ist kalt. Minus 20 Grad Celsius zeigt das Thermometer.  Auf Regalen,  entlang der Wände  befinden sich beschriftete silberne Tütchen.  Sie sind aus Alu-Verbundfolie. Vakuumverschweißt bewahren sie ein wertvolles Erbe. Nikolai Friesen, Kustos des Botanischen Gartens Osnabrück, bewahrt hier Pflanzensamen auf, die vor dem Aussterben bedroht sind. Viele der Samen stehen auf der Roten Liste.

"Wir verlängern hier den Winterschlaf der Pflanzen", erklärt Friesen. Eine Pflanze sei eigentlich nur zirka 15 Jahre keimfähig. Die Kälte konserviert ihr Keimvermögen.  Das  gesammelte Saatgut wird gereinigt. Jede Pflanze bekommt eine Registrierungsnummer. Dann werden die Samen getrocknet bis nur noch acht Prozent der Feuchtigkeit enthalten ist, bevor sie in die Tiefkühlkammern  kommen. Trotzdem müssen die Pflanzen regelmäßig geprüft werden, damit gesichert ist, dass die Keimfähigkeit  vorhanden bleibt.

Die nach Loki Schmidt, der 2012 verstorben Frau von Altkanzler Helmut Schmidt, benannte Genbank enthält mehr als 1.500 Saatgutproben von zirka 400 Wildpflanzen. Rund die Hälfte davon hat Loki Schmidt mit ihren Helfern selbst gesammelt. Die Samen stammen aus dem norddeutschen Tiefland und von den Küstenregionen.

"Das Wattenmeer ist eines der bedrohten Gebiete für Wildpflanzen. Hier haben wir besonders viel gesucht" berichtet Friesen. Wissenschaftliche Mitarbeiter und Studenten suchten nach  Exemplaren gefährdeter Arten, um die Genbank zu erweitern. 2003 wurde sie Genbank von ihrer Namensgeberin Loki Schmidt in Osnabrück eingeweiht. Die Genbank verfolgt das Ziel, die Biodiversität in Deutschland uns somit die Ökosysteme zu erhalten, da durch das Artensterben wertvolle Potentiale der Natur verloren gehen, die  in der Zukunft noch eine hohen Nutzen haben können.

Auch deshalb treibt man die Forschung in Osnabrück voran. Auf Initiative des Botanischen Gartens wurde 2009 die "Genbank Wildpflanzen für Ernährung und Landwirtschaft" (WEL)  als ein Netzwerk gegründet, um die Nutzung wildlebender pflanzengenetischer Ressourcen in Deutschland zu sichern. Diese Genbank beinhaltet Pflanzenarten, die einen Nutzwert für den Menschen haben. Zum Beispiel  Arznei- und Gewürzpflanzen oder Pflanzen, die  Eiweiß und Kohlenhydrate liefern.  Beteiligt  sind die Botanischen Gärten Osnabrück, Berlin, Karlsruhe und Regensburg sowie die Pädagogische Hochschule Karlsruhe. Geld geben das Bundesministerium für Ernährung, Landwirtschaft und Verbraucherschutz und die Bundesanstalt für Landwirtschaft und Ernährung. Die für das Projekt wichtigen Kühlkammern wurden von dem Niedersächsischen Ministeriums für Wissenschaft und Kultur  finanziert. Die Loki Schmidt Genbank wird zudem noch von der Wattenmeerstiftung gefördert.

Die Gefahr, dass die Monokulturen der industrialisierten Landwirtschaft schließlich ihre eigenen Ursprünge vernichten, scheint erkannt: "Wir konsumieren meistens nur vier bis fünf Arten einer Pflanze, die dann am meisten angebaut werden und die anderen Arten verdrängen", erklärt Friesen in der Tiefkühlkammer der Genbank.  Die Pflanzensamen, die in den Genbänken gesammelt werden, stehen der Forschung, Naturschutz- und Züchtungsprogrammen zur Verfügung, damit so der Erhalt der Biodiversität vorangetrieben werden kann.

Informationen zum Beitrag

Titel
Seltene Pflanzenarten in der Kühlkammer
Autor
Marielle Gödecker
Schule
Ursulaschule, Osnabrück
Klasse
Politikkurs Stufe 12 von 2012/2013
Quelle
Frankfurter Allgemeine Zeitung
Projekt
Jugend recherchiert 2012
Kategorie
Print

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Jugend recherchiert - Biodiversität ist als Projekt der UN-Dekade Biologische Vielfalt 2013 ausgezeichnet worden. Die UN-Dekade ist ein Programm der Vereinten Nationen zum nachdrücklichen, weltweiten Schutz von biologischer Vielfalt. › Mehr