Gefährdete Lebensräume

"Nur noch kurz die Welt retten" – dieser Satz lief noch vor kurzem auf und ab im Radio, spielte sich in unser Ohr und setzte sich dort fest. Doch was wäre, wenn man diesen leicht daher gesagten Satz nicht nur als Melodie in seinem Kopf hört, sondern ihn in die Tat umsetzt?

Seit dem Jahre 1983 zeigt die Entwicklung der Waldschäden in der Bundesrepublik eine erschreckende Tendenz. Allein bis in das Jahr 2006 hinein hat sich die Schädigung aller Baumarten verdoppelt, die einzelner Baumarten wie der Eiche sogar versiebenfacht. Der Flächenanteil an gesunden Bäumen in einem Wald liegt durchschnittlich gerade einmal bei 25 %. Was auf den ersten Blick wie die Aufzählung beliebiger Zahlen aussieht, erscheint bei genauerem Hinsehen wie ein Wink mit dem Zaunpfahl, der als Warnung verstanden werden muss.

Der Wald. Laut Kosmos Wald- und Forstlexikon ist ein Wald ein "vernetztes Sozialgebilde und Wirkungsgefüge seiner sich gegenseitig beeinflussenden und oft voneinander abhängigen biologischen, physikalischen und chemischen Bestandteile, das praktisch von der obersten Krone bist zu den äußersten Wurzelspitzen reicht." Schäden kann dieses Sozialgebilde durch viele Ursachen nehmen. Beispielsweise findet sich eine in der forstwirtschaftlichen Übernutzung. Diese stellt sich so dar, als dass der Mensch in vermeintlich guter Absicht Tot- sowie Altholz aus dem Wald entfernt. Doch gerade dieses ist entscheidend für das Fortbestehen eines Waldes: Als Ökosystem findet sich hier ein Energiefluss, der durch sogenannte Trophieebenen aufrechterhalten wird. Beginnend bei den produzierenden Pflanzen über konsumierende Fleisch- oder Pflanzenfresser bis hin zu den Destruenten herrscht ein Kreislauf von energiereichen Stoffen. Das Tot- und Altholz bietet dabei den Destruenten die Chance, das tote organische Material für sich und die anderen Bewohner des Waldes wieder nutzbar zu machen. Wird es entfernt, fehlt ein Glied in der Kette, das den Kreislauf ins Stocken bringt.

Einen weiteren Aspekt bildet der Flächenverlust durch zu hohen Rohstoffabbau aber auch den Ausbau von Infrastrukturen. Auf der Suche nach den schnellsten Verkehrswegen greift der Mensch oftmals in die natürliche Entwicklung eines Waldes ein, was ihn nicht nur flächentechnisch verkleinert, sondern auch die Verschmutzung der Luft erhöht. Die Stickstoffbelastung beispielsweise führt zu einer Überdüngung durch Stickstoff; die Zusammensetzung des Holzes und der Blätter zeigt folglich einen deutlich höheren Anteil an Stickstoff als an anderen wichtigen Nährelementen. Die Dichte sowie die Stabilität verringern sich – der Baum wird anfälliger gegenüber Frost, Austrocknung, Infektionen und Sturmschäden. Ähnliche Folgen zeigt die Überdüngung aus der landwirtschaftlichen Tierhaltung, die das Baumwachstum derartig beschleunigt, dass Stützsubstanzen ungenügend ausgebildet werden. Je höher dann der Baum, desto instabiler.

Die Folgen sind schwerwiegend. Einst stabile Wälder gehen in sich kaputt, der Lebensraum zahlreicher Tier- und Pflanzenarten ist bedroht, wenn nicht sogar zerstört. Krankheiten, Parasiten, Schädlinge, für die die Bäume anfälliger werden, ziehen weite Kreise und zerfressen wortwörtlich ganze Ökosysteme.

Doch was bedeutet das alles für uns? Es wird nötig sein, auf zahlreiche Protestaktionen, beispielsweise gegen den gravierend hohen Rohstoffabbau am Hambacher Forst, zu hören. Gute Investitionen in Organisationen wie "Plant For The Planet" sind nützlich. Es muss sensibilisiert werden, denn solange die Qualität, die Gesundheit und das Fortbestehen des Waldes nicht im Mittelpunkt stehen, gibt es keine Entwarnung.

Informationen zum Beitrag

Titel
Gefährdete Lebensräume
Autor
Wiebke Hengelbrock
Schule
Ursulaschule, Osnabrück
Klasse
Politikkurs Stufe 12 von 2012/2013
Quelle
Frankfurter Allgemeine Zeitung
Projekt
Jugend recherchiert 2012
Kategorie
Print

Beruf und Chance

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