Kranke Welt?

Das Kalenderjahr 2012 neigt sich dem Ende entgegen und der Weltuntergang erscheint wie Schnee von gestern. Man hat allerhand gute Vorsätze für das neue Jahr und sieht der rosigen Zukunft entgegen. Doch der Schein trügt. Nicht umsonst haben die Vereinten Nationen das jetzige Jahrzehnt zum Jahrzenht der Biodiversität ernannt. Der Klimawandel scheint sich unaufhaltsam vortzusetzen und die biologische Vielfalt nimmt immer weiter ab.

Natürlich fragt man sich: "Was hat das mit mir zu tun?" Eine umfassende Antwort auf diese Frage würde den Rahmen dieses Artikels sprengen, darum sei hier nur ein kleiner Aspekt der weitreichenden Auswirkungen beleuchtet.
Ein simples Beispiel hilft bei der Darstellung des Problems: Eine an Brustkrebs leidende Frau bekommt von ihrem Arzt Medikamtene verschrieben, die ihr bei der Genesung helfen sollen. Wie 35% aller heute auf dem Markt erhältlichen Medikamente, ist auch diese Arznei natürlichen Ursprungs. Ihr Wirkstoff enstammt der Pazifischen Eibe und ist seither ein fester Bestandteil der Pharmazie.

Zieht man nun in Betracht, dass bisher nur circa fünf Prozent aller gut 250.000 Arten höherer Pflanzen auf Wirkstoffe untersucht worden sind, lässt sich der uns bevorstehende Verlust erkennen. Was mag noch in den tropischen Regenwäldern Südamerikas versteckt sein, dass noch ubekannt und doch vielleicht lebensrettend ist? Mit unserer heutigen Einstellung zur Bedeutung der Biodiversität werden wir es bestimmt nie erfahren. Und es sind nicht nur die Regenwälder, in denen dieses unglaubliche Potential steckt. Auch Flüsse, Seen, Meere, nahezu alle Landschaften sind potentielle Apotheken.

Auch wenn es schwer zu glauben scheint, aber die Effizienz der Wirkstoffsuche bei Naturstoffen übersteigt die bei synthetischen Substanzen signifikant. Bei einer Untersuchung von 10.000 synthetischen Substanzen kann im Schnitt ein neues Medikament auf den Markt gebracht werden, während auf der Basis von 10.000 Naturstoffen fünf neue Medikamente den Einzug in die Regale finden.

Wenn nun alle diese Heilmittel dem Klimawandel und der Waldrodung zum Opfer fallen, sehen wir mit großer Wahrscheinlichkeit einer kranken Welt entgegen, die durch Unachtsamkeit und Ignoranz die Zukunft auf dem Krankenbett verbringen wird. Noch gibt es Chancen auf Heilung und hierfür bedarf es ausnahmsweise keines Naturstoffes, sondern nur gesundem Menschenverstand.

 

Informationen zum Beitrag

Titel
Kranke Welt?
Autor
Mattis Gierschner
Schule
Ursulaschule, Osnabrück
Klasse
Politikkurs Stufe 12 von 2012/2013
Quelle
Frankfurter Allgemeine Zeitung
Projekt
Jugend recherchiert 2012
Kategorie
Print

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