Der "Nerz" – eine gefährdete Art?

Wer kennt nicht den Nerz? Viele verbinden mit dem Nerz fälschlicherweise den Amerikanischen Mink, der als Pelztier zu tausenden auf Farmen gezüchtet wird. Seit 2006 wird der Europäische Nerz im Saarland wiederangesiedelt. Dieses erscheint merkwürdig, da es doch tausende von "Nerzen" in Deutschland gibt. Jedoch ist der Europäische Nerz nicht vergleichbar mit dem Amerikanischen Mink. Bei dem Europäischen Nerz handelt es sich um eine gefährdete Art, die vom Aussterben ähnlich stark bedroht ist wie beispielsweise der Schneeleopard.

Aussterben des Europäischen Nerzes

Der Europäische Nerz ist eine Marderart, seine äußerlichen Merkmale sind sein braunes,  dichtes Fell und seine weiße Schnauze. Dass der Nerz heute zu den gefährdetsten Arten gehört steht im Zusammenhang mit dem Amerikanischen Mink. Dieser ist größer und konkurrenzstärker als der Europäische Nerz und bedroht diesen in seinem Lebensraum.  In der Öffentlichkeit ist der Begriff des "Nerzes" häufig nur bekannt in  Verbindung mit dem Amerikanischen Mink. Diese Faktoren führten dazu, dass es zu einem unbeachtet vorrückenden Aussterben des Nerzes kam. "Erst 1900-1910 entstand die Idee, dass es sich bei dem "Nerz" um zwei verschiedene Arten handelt", erklärt Dipl. Biologe Christian Seebass, der 2.Vorsitzende des Vereines "EuroNerz e.V.". Ab dem 17. und 18. Jahrhundert begann die Zerstörung des speziellen Lebensraumes des Nerzes, indem man dicht bewachsene, naturnahe Ufer von Fließ- und Stilgewässern, sowie Sümpfe und Bruchwälder rodete und trocken legte. "Darüber hinaus gab es von 1880 bis 1900 eine starke Verfolgung des Europäischen Nerzes, die zum Aussterben dieser Art beitrug", berichtet Seebass.

Verein "EuroNerz e.V."

Der Verein "EuroNerz e.V." wurde 1998 zur Erhaltung des Europäischen Nerzes ins Leben gerufen, durch eine Arbeitsgruppe "Verhaltensforschung" der Universität Osnabrück. Die Arbeitsgruppe hatte 1997 mit der Züchtung von Nerzen erste Erfolge erzielt, wodurch die Idee des Vereines entstand. Seit 2006 wird nun der Nerz im Saarland wiederangesiedelt im Naturschutzgebiet "Täler der ILL und ihrer Nebenbäche". Seebass erklärt überzeugt: "Dieses Naturschutzgebiet ist ideal für die Wiederansiedlung des Nerzes, da es dort Bäche und Flüsse mit »Gewässerrandstreifenschutz« gibt." Durch die naturnahe Uferstruktur werden dem Nerz Schutzmöglichkeiten geboten, die ihn besonders vor Feinden schützt. Dies ist von existentieller Bedeutung wie Seebass verdeutlicht: "Man kann dem Nerz nicht beibringen, dass er sich vom Fuchs fernhalten soll." Da der Nerz durch die Zucht nicht naturnah aufgezogen wird, kennt der Nerz seine natürlichen Feinde nicht. Damit die Wiederansiedlung des Nerzes gelingt, versucht man wie Seebass beschreibt: "Dem Nerz seine Feinde zu zeigen; durch ausgestopfte Tiere, Geräusche- und Gerüche des Tieres." Zudem leben die Nerze zunächst in der Natur in einem Gehege, um sich langsam an die naturnahen Bedingungen zu gewöhnen. Dies darf jedoch nur als vorübergehende Maßnahme ergriffen werden, da sich der Nerz sonst zu stark abhängig vom Menschen macht. Die Wiederansiedlung des Nerzes ist zudem problematisch, da der Nerz in der Öffentlichkeit zu wenig bekannt und der Kenntnisstand über ihn zu gering ist. Darüber hinaus ist die Züchtung des Nerzes schwierig, da dieser von Natur aus ein Einzelgänger ist. Seebass erklärt weiterhin: "Der Nerz ist eine gefährdete Tierart, die spezialisiert ist auf einen gefährdeten Lebensraum."

Zukunftsaussichten des Vereines "EuroNerz e.V."

Der Verein "EuroNerz e.V." möchte durch die Wiederansiedlung im Saarland mehr Kenntnisse über den Nerz gewinnen, um ihn erfolgreich auch in anderen Teilen Deutschlands anzusiedeln. Seebass begründet dies damit: "Wenn man wartet bis der beste Zeitpunkt gekommen ist den Nerz wiederanzusiedeln, ist der Nerz vielleicht schon ausgestorben." Dies zeigt, dass die Erhaltung der Artenvielfalt, der "Biodiversität" für den Verein von besonderer Bedeutung ist. Zudem möchte der Verein mit seiner Arbeit die Öffentlichkeit für die Bedrohung des Nerzes sensibilisieren. Dies geschieht mittels Infoheften, Berichten über den Nerz, Wanderausstellungen und Vorträgen, sowie der Züchtung des Nerzes im Zoo.

Ob die Wiederansiedlung des Nerzes in Deutschland weiterhin von Erfolg ist, hängt von verschiedenen Faktoren ab. Zum einen ist eine gesicherte Finanzierung notwendig, da das Projekt ohne Gelder, Spenden und Sponsoren nicht existieren kann. Zunächst ist das Projekt auf fünf Jahre befristet. Eine Verlängerung des Projektes ist abhängig von den Kooperationspartnern EuroNerz e.V., Zweckverband Illrenaturierung, Zoo Neunkirchen und NABU Saarland e.V. Das Projekt wird zudem wissenschaftlich begleitet von Dr. E. Peters und der IZW Berlin. Darüber hinaus wird es vom Ministerium für Umwelt des Saarlandes, Saartoto und der HIT-Umweltstiftung unterstützt. Zum anderen steht die Wiederansiedlung des Europäischen Nerzes in den nächsten Jahren vor weiteren Herausforderungen. "Man müsse weitere Maßnahmen im Saarland durchführen, da das Naturschutzgebiet noch zu wenig naturnah ist", so Seebass.

Über die Zukunftsaussichten kann Seebass keine genauen Informationen geben, da er selbst hinzufügt: "Dieses Projekt ist nur ein Experiment - der Ausgang ist offen."
 

Informationen zum Beitrag

Titel
Der "Nerz" – eine gefährdete Art?
Autor
Larissa Weisemöller
Schule
Ursulaschule, Osnabrück
Klasse
Politikkurs Stufe 12 von 2012/2013
Quelle
Frankfurter Allgemeine Zeitung
Projekt
Jugend recherchiert 2012
Kategorie
Print

Beruf und Chance

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