Exotische Bäume in deutschen Wäldern

Schon lange diskutieren Wissenschaftler darüber, fremdländische Gehölze in deutschen Wäldern anzupflanzen. Durch den Klimawandel hat sich das Problem in den letzten Jahren verschärft. Er bewirkt, dass sich die Bedingungen für die Pflanzen in den deutschen Wäldern ändern. "Fremdländer" könnten besser mit den zukünftigen klimatischen Verhältnissen in Deutschland zurechtkommen.

In der Radiosendung "Exotische Bäume in hessischen Wäldern" in "hr2-Wissenswert" zählt der Autor Karl-Heinz Wellmann zuerst die Probleme für die Tier- und Pflanzenwelt auf, wie eine auf Dauer gravierende Temperaturerhöhung. Schon heute gibt es hitzebdingte Schäden wie Käferbefall bei Fichten. Die Bäume müssen grundsätzlich, wegen der langen Zeit, die sie zum Wachsen benötigen, immer vorrausschauend gepflanzt werden, auch wenn der Klimawandel nicht genau vorhersehbar ist. Jedoch können fremdländische Baumarten auch Probleme verursachen. Umweltschützer setzen sich gegen die "nicht-einheimischen Baumarten" in den hessischen Wäldern ein, da zum Beispiel nordamerikanische Baumarten nicht gegen bestimmte Pilze resistent sind. Ebenso besteht die Gefahr, dass sich die Nahrungsgrundlage der Vogelwelt verringert, weil die einheimischen Vögel andere Nahrung gewohnt sind und die gewohnten Nahrungsquellen dann abnehmen würden.

Dr. Stefan Nehring vom Bundesamt für Naturschutz sagt in der genannten Sendung, dass exotische Baumarten in hessischen Wäldern die biologische Vielfalt schädigen, da er biologische Vielfalt als natürliche Vielfalt definiert.
Gebietsfremde Arten profitieren vom Klimawandel und breiten sich daher stärker aus. Die übermäßige Ausbreitung könne man zwar durch chemische Stoffe endämmen, dies dauere jedoch mehrere Jahre. Deshalb müsse man sich vorher gut überlegen, was man anpflanzt, warnt Professor Ingo Kawarik, Professor für Ökosystemkunde und Pflanzenökologie an der Technischen Universität Berlin, in der Sendung.

Ein Beispiel für die erfolgreiche Anpflanzung neu eingeführter Arten, so genanner Neophyten, ist die Douglasie. Diese Baumart war vor der Eiszeit in Mitteleuropa heimisch, ist während der Eiszeit jedoch ausgestorben. Ihr natürliches Verbreitungsgebiet ist der Westen Nordamerikas. Im 19. Jahrhundert hat dann der schottische Botaniker David Douglas den Baum wieder nach Europa gebracht. Seitdem werden Douglasien in großem Umfang in Mitteleuropa wieder angepflanzt, sodass die Douglasie inzwischen die wichtigste nicht-heimische Forstbaumart ist. Sie wächst schnell, ist immergrün und breitet sich von selbst  stark aus. Auch der Nutzen, den man von der Douglasie beziehen kann, ist hoch. Das Holz dient als Furnierholz, für Ausstattungsmöbel, als Konstruktionsholz für mittlere Belastung und gilt als das beste Holz für den Bau von Dachstühlen. Außerdem ist die Douglasie trockenzeitresistent und kann somit dem zu erwartenden Ausbleiben von Regenfällen standhalten. Obwohl sich die Douglasie in Mitteleuropa gut in das Öko- und Wirtschaftssystem einfügt, scheinen die Wachstumsbedingungen in ihrem ursprünglichen Verbreitungsgebiet noch immer günstiger zu sein. Dort wird sie fast doppelt so hoch.

Auch wenn die Wälder vom Klimawandel stark betroffen sein werden: In den Städten wird sich die Klimaerwärmung vermutlich früher bemerkbar machen. Darauf weist Karl-Heinz Wellmann in der genannten Radiosendung hin. Deshalb können dort auf kleinen Flächen neue Pflanzen erprobt werden. Dies geschieht zum Beispiel in Würzburg, wo ein für Deutschland besonders warmes Klima herrscht. Am bundesweit umfangreichsten werden fremdländische Bäume in Wuppertal angebaut, wie im Artikel "Die ganze Welt der Bäume in einem einzigen Waldgebiet" vom 9. Juni 2012 in der "Welt" berichtet wird. Dort befinden sich auf einer Fläche von etwa 250 Hektar mehr als 100 Laub- und Nadelwaldarten aus aller Welt.

Susanne Böll, Biologin bei der Bayrischen Landesanstalt für Wein und Gartenbau, erwartet für den Wald trotz allem äußerlich keine großen Veränderungen. Die meisten "Fremdländer" sähen den heimischen Baumarten ähnlich.
Die Zukunft der Exoten hängt schließlich nicht zuletzt auch vom Willen des Gesetzgebers ab, wie Anja Sokolow deutlich macht ("Welt", 15.08.11). Die Pflanzung der Exoten sei ohnehin eingegrenzt, da nach dem Bundesnaturschutzgesetz ab 2020 in der freien Landschaft nur noch gebietsheimische Gehölze erlaubt seien.
 

Informationen zum Beitrag

Titel
Exotische Bäume in deutschen Wäldern
Autor
Judit Stolla
Schule
wöhlergymnasium, Frankfurt
Klasse
LK10 von 2012/2013
Quelle
Frankfurter Allgemeine Zeitung
Projekt
Jugend recherchiert 2012
Kategorie
Print

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