Vorfreude auf entspannten Unterricht

Als mein Arzt mir vom Sportstudium abgeraten hat, ist für mich eine Welt zusammengebrochen", erzählt Martina Schmitz mit leisem Lächeln. Doch ihren Traum aufzugeben kam für die sympathische Frau nie in Frage, denn schon seit dem Kindesalter war ihr der Sport wichtig. Besonders durch die Begeisterung fürs Schwimmen und für die Leichtathletik nahm Martina damals täglich lange Wege von Neubörger nach Papenburg in Kauf.

Umso härter trafen sie die Schmerzen im Lendenwirbelbereich, die ihr vor allem beim Hoch- und Weitsprung zum Verhängnis wurden. "Trotz zahlreicher Arztbesuche und vieler unterschiedlicher Diagnosen konnten die Ursachen für die Schmerzen nie richtig geklärt werden", sagt Martina geknickt. Auch jetzt während des Sportstudiums bleiben die Schmerzen nicht aus. Sie muss regelmäßig ihre Rückenmuskulatur aufbauen, damit diese den Belastungen im Sport standhält. Doch damit nicht genug. Ein gutartiger Tumor im Knie ließ ihren Traum vom Sportstudium in weite Ferne rücken. "An einigen Tagen konnte ich mein Bein nicht mehr richtig strecken", erklärt die 23 Jahre junge Frau und blickt auf ihr Knie. Der Arzt wies darauf hin, dass Martina, wenn sie das hohe Risiko des Sportstudiums eingeht, vielleicht ein neues Kniegelenk braucht. Und dies, obwohl der Tumor mit einer Arthroskopie entfernt worden war.

Doch selbst diese düsteren Aussichten konnten die attraktive Studentin nicht von ihren Plänen abhalten, die auch ihre Eltern unterstützen. "Meine Eltern haben immer gesagt, dass ich es einfach probieren soll, denn selbst wenn es nicht klappt, wird man immer einen anderen Weg finden", sagt Martina und streicht sich die langen blonden Haare aus dem Gesicht. Auf ihrem Weg zum Sportstudium musste sie zwei weitere Hürden meistern, zum einen die medizinische Untersuchung und zum anderen den allgemein gefürchteten Sporteignungstest. Beide Tests stellten für die selbstbewusste Sportlerin kein Problem dar, obwohl sie sich vor dem medizinischen Teil etwas gefürchtet hatte. Das Bestehen der sportlichen Prüfungen hatte Martina vor allem ihren exzellenten Vorbereitungen zu verdanken. Damit sie nicht alle Prüfungen an einem Tag absolvieren musste und somit einiges an Kraft sparen konnte, hatte sie die Prüfung im Schwimmen durch einen im Vorfeld erworbenen DLRG-Schein umgangen.

Nach diesem langen Weg kann Martina ihren Traum an der Uni Münster verwirklichen. Zurzeit hat sie neben fünf Theoriestunden auch vier Praxisstunden in der Woche, in denen sie die Pflichtsportarten wie zum Beispiel Turnen belegt, aber auch einige Mannschaftssportarten wie Fußball selbst auswählen kann. Dabei kommen auch Trendsportarten und Exkursionen nicht zu kurz. Dass man das Sportstudium nicht unterschätzen sollte, zeigt sich an dem hohen Aufwand, der in der Freizeit betrieben werden muss.

Neben der Teilnahme an den sogenannten AGs, die die Studenten in den jeweiligen Fächern auf ihre Prüfungen vorbereiten sollen, geht Martina regelmäßig joggen und fährt in der Woche ungefähr 20 Kilometer mit dem Fahrrad. Ihr Studium verläuft erfolgreich, denn trotz der negativen Vorwarnungen der Ärzte hat sie weder Probleme im Rücken noch im Knie. "Mein Studium hat mir sogar sehr geholfen. Durch das Schwimmen wurde zum Beispiel meine Rückenmuskulatur gestärkt, so dass die Schmerzen ausblieben und es mir besserging als vorher", erklärt die fröhliche Frau mit einem Augenzwinkern. Besonders lobt sie die tolle Gemeinschaft der Studenten und die gegenseitige Hilfe. Auch gefällt es ihr gut, dass man sich untereinander und auch die Dozenten duzt und eine familiäre, vertraute Atmosphäre schaffe. "Der praktische Teil im Sport war für mich immer ein Ausgleich zu meinem Zweitfach Mathe und hat für Entspannung und Abwechslung im Alltag gesorgt."

Dies ist neben den modernen und gut ausgerüsteten Sportanlagen ein Grund für die geringe Abbruchquote beim Sportstudium in Münster. Auch Martina hat nie daran gedacht, das Sportstudium abzubrechen, sondern würde eher all denjenigen, die Sport lieben, empfehlen, sich nicht von kleineren Handicaps abhalten zu lassen, sondern ihren Traum weiterzuverfolgen. "Kleinere Handikaps kann man immer ausgleichen, denn man braucht schließlich nicht überall eine Eins zu haben. Außerdem kann man das Risiko getrost eingehen, weil das meiste oft besser klappt, als man erwartet hat, und weil es sich einfach lohnt", schwärmt sie.

Martina Schmitz hat es fast geschafft. In wenigen Monaten wird sie ihr Studium sogar frühzeitig beenden und Lehrerin für Mathe und Sport am Gymnasium werden. "Sportlehrerin zu werden war schon immer mein Traum, denn es wird mir die tolle Möglichkeit geboten, lockeren und entspannten Unterricht zu geben", erklärt sie mit einem Anflug von Stolz und auch Vorfreude in ihrer Stimme.

Informationen zum Beitrag

Titel
Vorfreude auf entspannten Unterricht
Autor
Anne Mammes
Schule
Gymnasium Papenburg , Papenburg
Quelle
Frankfurter Allgemeine Zeitung, 16.05.2012, Nr. 114, S. N6
Projekt
Jugend schreibt
Kategorie
Print

Beruf und Chance

Zeitungszustellung während des Projekts

Probleme bei der projektbezogenen Zeitungslieferung?
Wenden Sie sich unter Angabe Ihrer Auftragsnummer per E-Mail oder per Fax an:vertrieb@faz.de
069-7591-2180