Enthusiastische Gitarrenklänge

Die drei Studenten der namenlosen Kölner Band kommen aus Zimbabwe, Sri Lanka und Pakistan. Sie machen Musik und vielen Freude. Langsam zieht es sich über dem Hügel am Aachener Weiher in Köln zu, und der Himmel ist wolkenbedeckt. Drei junge Männer sitzen schlicht gekleidet auf einer Bank. Takadiyi Joseph Chanaiwa ist der Erste, der sein Instrument, eine Westerngitarre, auspackt. Nach dem Stimmen beginnt er enthusiastisch mit seinem Stück, ein Gitarrenlied mit Perkussiv- und Tapping-Einflüssen. Der zielstrebige 22-jährige Medizinstudent stammt aus Zimbabwe, lebt seit vier Jahren hier und spricht fließend Deutsch. Seine erste Begegnung mit einer Gitarre hatte er im Alter von sieben Jahren durch seinen Onkel. Darauf folgten drei Jahre klassischer Gitarrenunterricht, den Taka nicht sehr bereichernd fand, da er sich "nicht ausleben" konnte. Vielmehr bestimmten Begegnungen wie etwa mit einem alternativen Reggaemusiker seine Musik. Wenn er nicht für das Studium lernt, liebt er es, mit Freunden zu jammen. Durch seine Musik verdient er außerdem Geld für die "angenehmen Dinge", die er sich allein vom Bafög nicht leisten könnte, sagt er. "Ich habe seit ich 18 bin, nie was anderes gemacht, um Geld zu verdienen, entweder Straßenmusik oder Klavierspielen auf Hochzeiten, in Kneipen und Restaurants." Der 29-jährige Leadsinger des Trios, Priantha Kamaladiwela Arachige, hat völlig andere Wurzeln. Seine Eltern stammen aus Sri Lanka, er wurde in Deutschland geboren. Er ist kurz davor, sein Studium der Geologie und Paläontologie abzuschließen. Der für ihn wichtigste Faktor seiner musikalischen Entwicklung war neben seiner Mutter sein älterer Bruder, der früh in Metal-Bands spielte. Durch diesen Einfluss gründete er seine erste Band, die "Death-Metal" spielte. Und er entwickelte eine wunderschöne Stimme. Lange fühlte er sich nicht als richtiger Musiker, bis er irgendwann anfing, Gitarre zu lernen: "Es kostet immer Überwindung, sich ins Rampenlicht zu stellen, aber am schönsten ist es einfach zu beobachten, dass die eigene Musik die Menschen berührt. Das macht sich dann bemerkbar, wenn die Leute stehen bleiben und ihre kostbare Zeit opfern, um zuzuhören." Im Gegensatz zu Taka ist es für ihn nicht so leicht und selbstverständlich, mit der Musik sein Geld zu verdienen. Er ist erst spät zur Straßenmusik gekommen. "Wenn man Lead-Sänger einer Band ist, muss man sein einziges Instrument, seine Stimme, auch zum Klingen bringen. Das geht nun mal am besten, indem man sie mit Worten kleidet. Die Straßenmusik ist ein zweites Paar Schuhe. Mit ihr hab ich erst in jüngster Zeit, durch den Einfluss von Taka, angefangen." Über die realistischen Chancen, von der Musik zu leben, spricht er nüchterner als sein Kollege: "Ich denke, es ist und bleibt in erster Linie ein diffuser Traum. Es ist nicht leicht, sich seinen Lebensunterhalt mit Musik zu verdienen. Ich denke, dass es dazu einer ernsthafteren Entscheidung bedarf und viel, viel Glück." Das dritte Mitglied des Trios ist Khalid Arif Hayat. Der 23-Jährige ist in Deutschland geboren, stammt aus Pakistan und ist zweiter Gitarrist. Wie die anderen zog auch ihn sein Studium nach Köln, er studiert Englisch und Deutsch. Seit er sich mit 16 Jahren die Gitarre seines Nachbarn geliehen hat, ist er, wie er sagt, "süchtig". Seine musikalischen Wurzeln sind verankert im Blues und den großen Helden der Gitarre wie Hendrix, Clapton, John Frusciante. Er hat in der Musik etwas gefunden, wodurch er die Möglichkeit hat, sich auszudrücken und sich stetig fortzubilden: "Ich liebe Musik und versuche immer etwas Neues zu machen, egal ob etwas Gutes oder Schlechtes dabei rauskommt, zumindest ist es immer ehrlich." Über die Straßenmusik denkt Khalid ähnlich wie Priantha: "Es ist auf jeden Fall möglich, von seiner Musik zu leben, aber dafür bedarf es der nötigen Entscheidung und Motivation, seinen Fokus auf das Musik-Machen zu legen. In erster Linie ist uns allen unser Studium am wichtigsten." Einen Bandnamen hat das Trio nicht. An diesem Freitagnachmittag gelingt der Einstieg nicht ganz, da jeder der drei noch seinem eigenen Impuls folgt. Als sie endlich die ersten Songs angestimmt haben, wird die Runde schnell größer. Nach einiger Zeit kommen zwei Jugendliche der Hip-Hop-Szene auf die Band zu. Mit ihren viel zu langen T-Shirts und viel zu großen Hosen, stellten sie sich mit verschränkten Armen in die Gruppe: "Lasst mal was hören." Gesagt, getan. Die drei spielen einen Song, und es dauert nicht lange, bis die beiden Hiphopper zur Musik mit dem Kopf nicken. Auf die Gegenfrage, ob die beiden auch was zu bieten haben, lassen diese sich nicht lange bitten und fangen an zu rappen. Das Trio ist begeistert und unterlegt den Rap mit seinen Gitarren. Allen macht es sichtlich großen Spaß, wieder mal stellt die Musik das Band dar, das alle miteinander verbindet. Auf der Straße läuft es ähnlich. Menschen fühlen sich positiv von Takas Musik angesprochen: "Ich mache seit drei Jahren Straßenmusik und hab nur vier Mal negative Reaktionen erlebt. Fast immer werde ich von jemandem angesprochen, dem meine Musik gefällt. Menschen bleiben stehen, manchmal bildet sich eine Menschenmasse." Gibt es auch negative Aspekte an der Straßenmusik? Manch einer leide darunter, "sich zur Schau zu stellen", und traue sich nicht. Weil die Straßenmusik oft mit Drogensüchtigen, "Schnorrern" oder Obdachlosen in Verbindung gebracht werde, führe das mitunter zu einer Abwertung. Manche Menschen realisierten nicht, dass eben auch Studenten auf die Straße gehen, um Geld zu verdienen. Gitarrist Khalid Arif Hayat lässt sich davon nicht beeindrucken: "Musik ist eine kreative Schöpfung, die jeder überall entdecken und weiterentwickeln kann. Musik spielt nicht nur im Leben eines Musikers, sondern in jedem Leben eine wichtige Rolle. Meist ohne, dass man es bemerkt."

Informationen zum Beitrag

Titel
Enthusiastische Gitarrenklänge
Autor
Aurelia Brands. Freie Waldorfschule, Bergisch Gladbach
Quelle
Frankfurter Allgemeine Zeitung, 28.07.2010, Nr. 172 / Seite N6
Projekt
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