Fürs Dauerlächeln bezahlt werden

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Fünf Monate lang arbeitet Iris Verlegh auf Rhodos. Die niederländische Tourismus- und Freizeitmanagementstudentin macht hier ein Praktikum als Animateurin. Zusammen mit zwölf anderen Animateuren aus den Niederlanden, Belgien, Tunesien, Griechenland, Schweden und Italien hält sie von morgens bis abends die Gäste bei Laune. "Es ist manchmal etwas hart, aber es ist nicht so schlimm, weil du Spaß hast", sagt die 19-Jährige und lächelt, als ein braungebrannter Urlauber an den Handtuchverleih tritt, um ein Handtuch abzugeben. Er wird am nächsten Tag abfahren, und Iris hält noch charmant Smalltalk mit ihm. "Du musst mir nachher mit den Handtüchern helfen", sagt sie zu ihrer griechischen Kollegin.  

Das Programm der Animateure geht über Wassergymnastik, Boccia, Dart und einige andere Sportaktivitäten bis hin zu den allabendlichen, wechselnden Shows, wie "Moulin Rouge" oder "Saturday Night Fever". "Es ist kein Job für jeden", sagt Gabriella Ioime, Chefassistenz-Animateurin aus Belgien. Denn obwohl der Beruf viel Spaß für sie bedeutet, ist er oft sehr anstrengend. Lange von der Familie und der Heimat getrennt zu sein sei schon eine Herausforderung. Außerdem bedeutet es viel Organisation. Was passt zu wem, wer kann gut mit Kindern, wem liegen Wasser- oder Volleyball, wer übernimmt welche Rolle in den Shows am Abend? Das alles sind Fragen, die von ihr und Sousou, ihrem tunesischen Chef, geklärt werden müssen. Da die Gäste aus verschiedenen Ländern kommen, müssen die Animateure oft zwischen Englisch, Französisch, Deutsch oder Italienisch hin- und herspringen. Bei den Shows am Abend werden die Zuschauer oft in fünf verschiedenen Sprachen unterhalten.  

Besonders anstrengend sei es auch, die Choreographien im Kopf zu behalten. Sie werden zwei Wochen vor Saisonbeginn im April einstudiert, und dann müssen die zwölf Animateure sie können. Um das zu schaffen, trainiert die Gruppe hart. "Damit der Sommer als Animateur nicht langweilig wird, rotieren die Aufgaben", erklärt Gabriela. Die 23-Jährige aus Antwerpen ist seit fünf Jahren hauptberuflich Animateurin. Nach Korfu und Kreta ist sie nun hier, um Urlauber für Sport, Spiel und die Shows zu begeistern. Die Auswahl der Sketche hängt von den Gästen ab. "Engländer und Russen sind oft leichter zu motivieren als die Deutschen. Die deutschen Urlauber bevorzugen meistens höfliche, ungezwungene Animation, während Italiener es am liebsten sehen, wenn ein Animateur ins Mikro schreit und sie auf die Bühne zerrt." Als Animateur muss man diese Unterschiede kennen, wissen, wer gerne den "Club Dance" mittanzt und wer den Klängen der Grand-Prix-Hits lieber aus dem Weg geht.  

Einmal in der Woche, am Montag, haben die Animateure ihren "day off", an dem sie sich entspannen können. Nur zwei müssen dableiben, denn Mini Club und Handtuchverleih bleiben geöffnet. Meist unternehmen sie etwas gemeinsam. "Es ist wie eine Familie", schwärmt Iris. Am besten gefallen der blondgelockten Niederländerin die Poolspiele, vor allem, wenn die Sonne vom Himmel knallt. Besonders genießt sie das Essen, denn die Animateure dürfen das Büfett nutzen. Auch die Unterkunft ist frei, zu zweit wohnen sie in einem Zimmer.  

Um Animateur werden zu können, dürfe man keine Hemmungen haben, auf Leute zuzugehen. "Wenn die Gäste ankommen, ist es gut, erst ein bisschen Smalltalk zu halten; woher sie kommen, ob es ihnen gefällt und so weiter. Dann erwähnt man die Aktionen, meistens merkt man, wer lieber in Ruhe gelassen werden möchte und wer Lust hat mitzumachen. Und sonst gilt: Wenn du nicht die ganze Zeit lächeln kannst, ist es kein guter Job für dich." 

Informationen zum Beitrag

Titel
Fürs Dauerlächeln bezahlt werden
Autor
Pia Carina, Gerzmann Gymnasium Oedeme, Lüneburg
Quelle
Frankfurter Allgemeine Zeitung, 05.05.2010, Nr. 103 / Seite N6
Projekt
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