Reden und verkaufen

Sammler

In Chatzis Laden am Stuttgarter Killesberg werden Stammkunden mit Namen begrüßt. Zeit für einen kurzen Schwatz bleibt immer.

Chatzis Laden ist super. Ein großes Lob von Ella und Robin." Das steht gegenüber der Brottheke auf einem gelben Wandzettel in Kinderschrift. Chatzis Laden verkauft fast alles, was der Mensch im Haushalt benötigt, zum Beispiel Obst und Gemüse, Blumen, frisch gebackene Brötchen, alle Arten von Lebensmitteln, Zeitungen, Getränke und Haushaltsprodukte wie Servietten, Seife und Shampoo. Der Laden liegt in einer mit kleinen Steinplatten belegten Straße für Fußgänger am Killesberg in Stuttgart.

Links neben dem Einkaufsladen befindet sich der Friseursalon Helen und rechts daneben gibt es einen Modeladen. Direkt vor dem Laden ist eine große grüne Wiese mit Bäumen, deren Blätter über das graue Gemüse- und Obstzelt, den grünen Sonnenschirmen, der gelb- grau gestreiften Markise im leichten Wind rauschen. Am Eingang der Einkaufsstraße befindet sich die Birkenwaldstraße, eine stark befahrene Straße, auf der in zehn Minuten Abstand ein Bus vorbeifährt.

Seit mehr als zehn Jahren existiert der Laden, und es macht nicht den Eindruck, dass es ihn bald nicht mehr geben wird. Vicky Mihu, eine Verkäuferin mit kurzen schwarzen Haaren, einer blauweiß gestreiften Schürze und einem freundlichen Lachen sagt: "Der Laden läuft gut und man ist zufrieden. Mein Chef, Efstathios Chatzigeorgiou, ist sehr nett und macht das Geschäft aus Leidenschaft. Ich mag es außerdem, mit den verschiedenen Menschen, die hier einkaufen, umzugehen." Das gefällt den Kunden, die meistens in der Nähe wohnen. Eine ältere Frau wirkt gestresst, als sie Gemüse in ihren Einkaufskorb legt, und sagt der jungen Verkäuferin: "Können Sie sich ein bisschen beeilen, weil ich den Bus bekommen muss." Eine andere junge Frau berichtet: "Ich habe meine zwei kleinen Kinder vorne an der Straße im Auto und habe vergessen, ein Brot zu kaufen. Deswegen bin ich hier."

In Chatzis Laden kommen Hausfrauen, Kinder, ältere Menschen, der Postbote, Arbeiter, Handwerker, die Verkäuferin aus der Apotheke nebenan, Angestellte der Bank vorne an der großen Straße oder Studenten, die an der Kunstakademie um die Ecke studieren. Leonie Hosoda, eine junge Studentin mit chinesischen Wurzeln, erzählt: "Dieser Laden ist der einzige in der Nähe der Kunstakademie. Man kommt hier schnell vorbei, wenn man etwas für zwischendurch braucht, oder kauft Dinge für zu Hause ein. Nach Ladenschluss bekommt man manchmal sogar noch etwas geschenkt."

Die Tür zu Chatzis Laden steht immer offen. Stammkunden werden mit dem Namen begrüßt. So hört man oft. "Hallo Frau Becker, hallo Herr Gübel, hallo Frau. . ." Links neben dem Eingang befindet sich eine Wurst- und Brottheke. Rechts ist eine kleine Kasse. An der Wand steht ein weißes Kühlregal mit Joghurt, Milch und Frischeprodukten. Es gibt eine Tiefkühltruhe, die ein lautes Summen und Rauschen von sich gibt. Im hinteren Teil des Ladens befinden sich mehrere weiße Metallregale mit Lebensmitteln und Haushaltsprodukten.

Im Hintergrund läuft Musik, und man hört bei weniger Kundschaft die Verkäuferin leise mitsingen. Rosa Agirmal, eine junge hübsche Verkäuferin, die ihre braunen Haare zu einem Zopf zusammen gemacht hat, sagt: "Mir gefällt an meinem Beruf alles, vor allem aber der Umgang mit den Menschen, und deshalb redet man auch oft über verschiedene Dinge mit den Leuten. Man bekommt viel positive Rückmeldung und das hört man einfach gerne." Vicky Mihu ergänzt: "Besonders die älteren Menschen brauchen Anerkennung, und mit denen redet man gerne." "Ich mag die Abwechslung an meinem Job und natürlich die Kunden", sagt auch Katharina Chatzigeorgiou.

Leute aus dem Umfeld, die sich kennen, treffen sich und reden beim Einkaufen über den neusten Klatsch. "War die Feier gestern gut?" oder darüber, wie man die neu eingekauften Blumen am besten pflegt. Für die Kinder ist der Ausflug in den Einkaufsladen ein Abenteuer. Ein kleines Schulmädchen mit blonden langen Haaren möchte Blumen für den Garten kaufen. Da kommt dann auch mal der Chef höchstpersönlich und erklärt ihr jede Blumensorte ausführlich. Er zeigt auf eine Pflanze: "Die hier bekommst du noch dazu geschenkt." Obendrauf gibt es zum Schluss noch einen Lutscher. Vielleicht schreibt sie auch einen Brief wie Ella und Robin.

Informationen zum Beitrag

Titel
Reden und verkaufen
Autor
Katharina Haasis
Schule
Hölderin-Gymnasium , Stuttgart
Quelle
Frankfurter Allgemeine Zeitung, 11.07.2012, Nr. 159, S. N6
Projekt
Jugend schreibt
Kategorie
Print

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