Sprunghafte Truppe

Die Mädchen der Leistungssportgruppe Pink Candy Steppers des TV Leer stehen zur Abfahrt bereit. Es ist Samstagmorgen, sechs Uhr. Aufgeregt warten sie auf ihre Trainerin Katja Meyer, die sie zum Wettkampf nach Osnabrück abholt. Sie sind gut im Rope-Skipping. Anders als in Amerika kämpfen die Sportlerinnen in Deutschland gegen das Vorurteil, dass es sich hierbei um einen reinen Mädchensport handelt, den man sich als das vom Schulhof bekannte Seilhüpfen vorstellt. Obwohl es bis jetzt nur wenige Vereine gibt, die diese Sportart anbieten, werden dennoch Wettkämpfe ausgetragen.

Bei einem Wettkampf werden die Disziplinen Speed und Freestyle geprüft. Bei Speed geht es vor allem darum, möglichst viele Sprünge in einer halben oder in zwei Minuten zu schaffen. Im Freestyle sind der Kreativität keine Grenzen gesetzt. Je hochwertiger und schwerer die Sprünge, je abwechslungsreicher die Choreographie und je flüssiger die Sprungfolge ist, desto besser ist die Bewertung.

Im Winter wird das "Rendez-Vous der Besten" ausgetragen, an dem die Pink Candy Steppers bis jetzt immer erfolgreich teilnahmen. Mit ihrer Show Disco überzeugten sie die Jury beim Vorentscheid und beim niedersächsischen Landesfinale und qualifizierten sich für das "Feuerwerk der Turnkunst", Europas größte Turnshow.

Am Wettkampftag warten die ersten Pink Candy Steppers ungeduldig, um ihren Teamkolleginnen die Startreihenfolge zu sagen. "Du musst als Erstes", freut sich Allegra. "Oh nein . . . Mein erster Wettkampf und als Erste starten? Ich fahr' wieder nach Hause", scherzt Wiebke. "Wir fahren oft zu Wettkämpfen, um uns mit anderen zu messen und unsere Fortschritte zu sehen", erklärt Katja Meyer. Die Pink Candy Steppers sind die erste ostfriesische Rope-Skipping-Gruppe. "Wir sind schon richtig gut geworden", sagen die 10- bis 19-Jährigen, wenn sie sich die Videos von ihren Anfängen angucken.

"Noch vor drei Jahren war für uns unvorstellbar, Sprünge wie Triple Under zu schaffen. Heute wird in jedem Freestyle der Mädchen mindestens ein Triple zu finden sein", bestätigt die Trainerin stolz. Ein Triple Under ist ein Sprung, bei dem das Seil so schnell gedreht wird, dass es dreimal unter den Füßen durchgezogen werden kann. "Für mich ist vor allem wichtig, dass die Mädchen mit ihrer Leistung zufrieden sind", sagt Katja Meyer.

Als die Frisuren gemacht und die Startnummern aufgeschrieben sind, beginnt der Wettkampf. Die Speed-Disziplinen sind nach Altersklassen geordnet. Nur selten ist eine Springerin mit ihrer Leistung zufrieden. Es folgt eine kurze Pause, in der die Tische für das Wettkampfgericht umgebaut werden.

Konzentriert steht Marie auf der Wettkampffläche, das Seil fest in der Hand. Sie ist bereit, wartet darauf, dass die Musik losgeht. Im Kopf geht sie noch einmal die Schrittfolge ihres Freestyles durch. Als die Musik ertönt, ist alles um sie herum vergessen, der Stress der vergangenen Wochen, die verbrauchte Luft in der Halle und die Angespanntheit. 75 Sekunden lang dauert ihr Freestyle. Was bleibt, ist das Gefühl, es endlich hinter sich zu haben, auch wenn nicht alles perfekt gelaufen ist. Solange die Kampfrichter ihr Ergebnis nicht verkündet haben, bleiben die Aufregung und die quälende Frage, ob es für die Qualifikation gereicht hat.

Bei der Siegerehrung fließen Tränen. Mit einem so schlechten Ergebnis hatte keiner gerechnet. Zwar waren die Plätze gleich verteilt, die Punktzahlen aber für eine Qualifizierung zu den Landesmeisterschaften zu gering. Die Erleichterung kommt erst wenige Tage später. Das Computerprogramm hatte einen Defekt und ein Drittel der Freestyle-Punkte wurden bei der Bewertung einfach vergessen: Viele Springerinnen haben sich für die Landesmeisterschaft qualifiziert.

Informationen zum Beitrag

Titel
Sprunghafte Truppe
Autor
Wiebke Koenen, Ineke Pfeiffer
Schule
Ubbo-Emmius-Gymnasium , Leer
Quelle
Frankfurter Allgemeine Zeitung, 18.07.2012, Nr. 165, S. N6
Projekt
Jugend schreibt
Kategorie
Print

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