Locker in der Hüfte

Eine Frau huscht noch schnell ins Münsteraner Fitnessstudio. "Dies ist eine Party. Zu einer Party kommt man doch auch immer später", sagt Trainerin Beata Rauer lächelnd und stellt die Lüftung an. "Desto eher wir sie anstellen, desto länger halten wir durch." Eine Frau meldet sich unsicher aus der hinteren Raumecke: "Ich bin heute das erste Mal dabei." "Schön! Ich bin Beata, und ich freue mich, dass du bei unserem Zumbakurs mitmachst. Versuch einfach, so gut wie möglich mitzukommen und locker in der Hüfte zu sein." Lateinamerikanische Musik dröhnt aus den Lautsprechern. Die 30 Teilnehmerinnen und Teilnehmer stellen sich vor die große Spiegelwand in Position. Sie beginnen mehr oder weniger gekonnt, aber enthusiastisch ihre Hüften zu kreisen und werfen dabei einen prüfenden Blick in den Spiegel. Die Bewegungen sind schnell und fließend und immer auf das jeweilige Lied abgestimmt.

Die Zumbatänzer grätschen die Beine und drehen abwechselnd den rechten oder linken Arm seitlich nach außen. Den Oberkörper nehmen sie zur jeweiligen Seite mit. Nach dieser Übung, speziell für die Rücken- und Bauchmuskulatur, folgt mit dem nächsten Move die Entspannung für die Schulter- und Nackenmuskulatur. Alle drehen ihren Körper jeweils so weit zur rechten Seite, bis sich der linke Fuß automatisch aufstellt. Die Richtung ändert sich dann zum Takt der Musik.

Zumbakurse gibt es mittlerweile in mehr als 125 Ländern. Der Tänzer und Choreograf Alberto "Beto" Pèrez kam durch Zufall auf den Latinotanz mit Aerobicelementen, als er einmal die Musik zu einem Aerobickurs vergessen hatte. Er spielte stattdessen Latinomusik. Der Kurs etablierte sich schnell zur beliebtesten Stunde. "Der Name Zumba hat gar keine Bedeutung", lacht Beata Rauer, die aus Krakau stammt und Betriebswirtschaft studiert hat. "Es wurde nur nach einem gut klingenden internationalen Namen gesucht." Längst gibt es Aqua Zumba, Zumba Gold speziell für ältere Teilnehmer und Zumbatonic für Kinder.

Die schlanke schwarzhaarige Frau hat zum ersten Mal im Urlaub in Polen Zumba getanzt. Seit einem Jahr ist die Marketingleiterin auch Zumbalehrerin und seitdem "viel entspannter im Hauptberuf. Durch den Spaß und die Gruppendynamik sind die Kurse für mich eine ganz tolle Erholung." Die 35 Jahre alte verheiratete Frau unterrichtet in verschiedenen Fitnessstudios. "Eine Zumbastunde besteht aus 15 Liedern, zu denen es jeweils eine Choreografie gibt." Neben Aerobicelementen tauchen lateinamerikanische Schritte wie Mambo und Cha-Cha-Cha auf, die wie alle anderen Übungen aber nicht paarweise getanzt werden. Kursteilnehmerin Susanne Ameskamp sagt: "Am Anfang hat mir das Learning by Doing ohne die Vermittlung von Grundschritten nicht gefallen." Trotzdem würde die sportliche Blondine Zumba weiter empfehlen, "weil dieser Sport etwas Besonderes ist". Thomas Schlehufer ist einer der wenigen Männer im Kurs. "Andere Sportarten sind mir zu monoton und langweilig", sagt der Formationsweltmeister im Lateinamerikanischen Tanz von 1993.

Der Song ist zu Ende, die Tänzer klatschen begeistert, greifen zu Wasserflaschen und Handtüchern. "Viele Frauen, die meine Kurse besuchen, sind gar nicht so steif, wie sie eigentlich meinen", erklärt Beata Rauer. "Die Anstrengung kommt bei Zumba nebenbei, es ist hier nicht wie beim Krafttraining."

Informationen zum Beitrag

Titel
Locker in der Hüfte
Autor
Lara Szabó
Schule
Marienschule , Münster
Quelle
Frankfurter Allgemeine Zeitung, 22.08.2012, Nr. 195, S. N6
Projekt
Jugend schreibt
Kategorie
Print

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