Schöne Aussichten

Die Arbeit in einem Hotel ist sehr erfüllend. Man hat immer wieder mit neuen Leuten zu tun, und alle sind gut gelaunt, da sie im Urlaub sind." Das Sport- und Familienhotel Klausen liegt, umgeben von Bergen und Wäldern, im Dorf Klausen zwischen Kirchberg und Kitzbühel in Tirol. Seit drei Jahren verbringen Lisbeth Hauser, ihr Mann und die drei Kinder hier den Großteil ihrer Zeit.

Das war nicht immer so, denn mit 22 Jahren hatte die schlanke, blonde Frau noch ganz andere Pläne. Sie hatte gerade ihre Fotografenlehre abgeschlossen und bekam die Möglichkeit, ein Fotogeschäft zu übernehmen. "Das war eine große Chance für mich. Ich war noch so jung. Also habe ich meinen Fotografenmeister gemacht, das Geschäft übernommen und auf ,Foto Lisbeth' umgetauft." Bald danach lernte die damals 25-Jährige ihren gleichaltrigen Mann Andreas, der im Hotelgewerbe tätig ist, kennen und bekam kurze Zeit später Tochter Anna. Wenige Jahre später folgten die Geschwister Lara und dann David.

"Mein Mann hatte nicht sehr viel Zeit für die Kinder, denn er hat in dem Hotel seiner Eltern als Koch gearbeitet und es schließlich mit 34 Jahren übernommen. Also blieb viel an mir hängen. Da habe ich große Unterstützung von meiner Mutter und einer Mitarbeiterin bekommen. Ohne sie hätte ich das Geschäft aufgeben müssen", berichtet sie. Dennoch wurde die Arbeit im Fotogeschäft immer schwerer mit dem Leben als Mutter vereinbar. Mit der Einführung der digitalen Fotografie wurde die Arbeit aufwendiger, da die Kunden wollten, dass ihre Bilder perfekt werden. "Ich hatte das Gefühl, nicht genug Zeit mit meinen Kindern verbringen zu können, und wollte nicht mehr ständig zwischen meinen Kindern und dem Geschäft hin- und hergerissen sein."

So gab sie das Geschäft im Winter 2008 an ihre Mitarbeiterin weiter und begann im Hotel ihres Mannes als Rezeptionistin. "Ich habe das nie bereut. Ich konnte im Hotel meinen Mann unterstützen und gleichzeitig mehr Zeit mit meinen Kindern verbringen, da ich meistens nur noch halbtags arbeitete." Da ihre Eltern ebenfalls eine Pension geführt haben, kannte sie das Gastgewerbe gut.

Obwohl die 42-Jährige nun mehr Zeit für ihre Kinder hat, sind diese auch oft im Hotel und wachsen damit auf, dass die Gastronomie eher familienfeindlich ist. "Es gibt aber auch gute Seiten", erzählt der siebenjährige David, "wir lernen ganz viele andere Kinder kennen, die hier Urlaub machen und die mit uns spielen können." Seine zehn Jahre alte Schwester Lara ergänzt: "Unsere Eltern haben trotzdem oft Zeit, wir unternehmen an freien Tagen Ausflüge wie zum Beispiel Biketouren, und im Winter gucken sie uns bei Skirennen zu." Und es gibt auch andere Vorteile. "Nicht jeder hat einen Swimmingpool mit Saunalandschaft, eine Liegewiese zum Sonnen oder jeden Nachmittag diverse Kuchen zur Auswahl, wir schon", sagt die sechzehnjährige Anna lächelnd.

Doch gerade im Winter haben die Eltern wenig Zeit, da in dem Sport- und Familienhotel viele Skibegeisterte Urlaub machen. "Hier befindet sich zum Beispiel keine hundert Meter vom Hotel die Fleckalmbahn, die fast bis zur Bergspitze, dem Pengelstein, hinauffährt. Das zieht viele Skiurlauber an, was für uns natürlich ein gutes Geschäft verspricht", sagt Lisbeth Hauser. Im Sommer reisen viele Biker an.

Im Sommer findet das KitzAlpBike-Festival direkt in den Hängen des Bergs hinter dem Hotel statt. "Das ist immer ein riesiger Trubel, die Biker laufen ständig durch das Hotel. Da müssen wir auch echt aufpassen, dass da nichts wegkommt und zum Beispiel immer die Tür zur Rezeption abschließen, wenn diese gerade nicht besetzt ist", erklärt Lisbeth Hauser. Aber egal. "Wir haben jeden Tag die wundervollen Aussichten über schöne Landschaften und Berge, und gleich ob Sommer oder Winter, in den Bergen gibt es immer etwas zu erleben. Das möchte ich nicht mehr missen."

Informationen zum Beitrag

Titel
Schöne Aussichten
Autor
Laura Struve
Schule
Städtisches Gymnasium , Bad Segeberg
Quelle
Frankfurter Allgemeine Zeitung, 24.10.2012, Nr. 248, S. N6
Projekt
Jugend schreibt
Kategorie
Print

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