Arbeit voller Harmonie

Der Mann mit den kurzen, dunklen Haaren und dem Bart hält in der Hand den Teil einer Klarinette. Auf dem Tisch liegen Werkzeuge, Metall und ein Gasbrenner. Thorsten Köhler ist Instrumentenmacher und auf Reparaturen spezialisiert. Mit sieben Jahren bekam er in seiner Heimatstadt Trier Blockflötenunterricht, lernte zwei Jahre später Klarinette und spielte in Orchestern mit. Nach nur anderthalb Jahren Unterricht lud man ihn ins Kreisjugendorchester Trier/Saarland und später ins Symphonische Landesjugendblasorchester von Rheinland-Pfalz ein.

Eine Zeitlang wollte er zwar Pilot werden und machte den Segelschein, doch genau da suchte der Dirigent des Landesjugendblasorchesters, Lothar Breitmeier, einen Saxophonisten. So lernte Thorsten Köhler auch Saxophon. Schließlich nahm ihn Breitmeier, der selbst erster Klarinettist am Trierer Stadttheater ist, mit nach Düsseldorf zu seinem Holzblasinstrumentenmacher Harald Hüying. "Vom ersten Moment des Betretens dieser Werkstatt an war es um mich geschehen. In dem Moment wusste ich, dass genau das meine Bestimmung ist."

Nach dem Abitur bewarb er sich um eine Ausbildung und erhielt nur eine Zusage. Während seiner Ausbildung in Hamburg, die er mit dem Meistertitel abschloss, spielte er Saxophon, gab Unterricht und spielte in Bands mit. Seit 2004 besitzt er sein eigenes Holzblasinstrumentenstudio in Pinneberg in Schleswig-Holstein. Seine Frau hilft ihm im Büro. Er liebt an seiner Arbeit vor allem den engen Bezug zu den Kunden. Auch Instrumente behindertengerecht umzubauen gehört zu seinen Aufgaben. "Es ist immer wieder ein bewegender Moment, wenn ein Musiker mit einer Behinderung die Möglichkeit hat, ein Instrument zu spielen." Wenn zum Beispiel durch eine Behinderung bestimmte Klappen nicht erreicht werden können, findet Köhler eine Möglichkeit, das Instrument spielbar zu machen. Überdies macht er Generalüberholungen und Restaurationen. Dabei arbeitet er mit allen Holzblasinstrumenten, also Querflöten, Oboen, Klarinetten, Saxophonen, Fagotten und Blockflöten. Sein Arbeitstag beginnt um sieben Uhr, denn zusätzlich arbeitet er als Qualitätsprüfer für Profisaxophone, Querflöten und Fagotte bei Yamaha im Nachbarort Rellingen. Darauf ist er stolz. Und natürlich sei das auch Werbung für ihn. "Ich versuche immer, um neun Uhr wieder in der Werkstatt zu sein, aber das klappt eigentlich nie", erklärt er lachend.

Trotz drei Angestellter neben seiner Frau und einem Auszubildenen versucht er, so viel wie möglich selbst zu machen. "Am Ende einer Woche mit vielen Arbeitsstunden ist es für mich nicht das erfüllende Glück, wenn die Kasse prall gefüllt ist, auch wenn das natürlich wichtig ist, vielmehr ist es die Anerkennung und das Lob für eine gute Arbeit oder aber das Lachen eines Kindes, das mit einem verstümmelten Finger auf einmal doch Querflöte spielen kann."

Seine Selbständigkeit möchte er nicht mehr missen, auch wenn er dafür in vielen Dingen zurückstecken muss. "Würde dieser Beruf nicht meine Erfüllung bedeuten, dann wäre das in manchen Zeiten nicht tragbar." Zudem kommen immer wieder witzige Situationen vor, die ihn an schlechten Tagen aufheitern: So kündigte ein Kunde am Telefon an, er bringe ein Saxophon zur Reparatur, das er für seinen Sohn aus Tschechien mitgebracht habe. Köhler hatte schon schlimmste Befürchtungen, als er erfuhr, dass das Instrument nur 150 Euro gekostet hatte. Als der Kunde dann kam und Köhler den Koffer sah, fand er seine Befürchtung bestätigt. "Beim Öffnen des Koffers ist mir dann die Kinnlade heruntergeklappt. In dem Koffer befand sich ein altes hochwertiges Saxophon, und man kann sich vorstellen, wie der Kunde schaute, als ich ihm sagte, dass dieses Instrument einen Wert von etwa 6000 Euro hat."

Informationen zum Beitrag

Titel
Arbeit voller Harmonie
Autor
Birthe Dittberner
Schule
Städtisches Gymnasium , Bad Segeberg
Quelle
Frankfurter Allgemeine Zeitung, 21.11.2012, Nr. 272, S. N6
Projekt
Jugend schreibt
Kategorie
Print

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