In Schuluniform auf Affenjagd

Monkey, Yasmin, there's a monkey in your room!" Ein paar junge Mädchen in braunen Uniformen mit weiß-hellbraunen Karos rennen gehetzt in den Raum. Yasmin Ströhl beobachtet mit ihren tiefbraunen Augen wachsam das Zimmer. Die 17-Jährige aus Karlsruhe hat dunkelbraune Locken, die in ihrem Nacken zu einem Dutt zusammengebunden sind, und hält in der Hand einen Hockeyschläger. Ihr Schreibtisch ist verwüstet, die Hefte sind zerfetzt, eine Blumenvase ist umgefallen, und in der Weste über dem Stuhl sind Risse. Neben dem Mülleimer sitzt ein kleiner brauner Pavian, der sein Maul fletscht und seine spitzen Zähne zum Vorschein kommen lässt, als er die bewaffneten Mädchen sieht. Die anderen halten außer Hockeyschlägern noch einen Baseballschläger, Tennisschläger und einen Besen in den Händen. Vorsichtig stupsen sie den Affen damit Richtung Fenster. "Es kommt oft vor, dass einer der Affen sich in unser Zimmer verirrt. Sie schleichen sich durch ein Fenster und fallen über alles her, was nach Essen aussieht. In Deutschland hat man vielleicht mal eine Wespe im Zimmer, hier in Südafrika ist es dann eben mal ein Affe oder eine große Spinne."

Yasmin geht seit zwei Jahren auf das Woodridge College in Port Elizabeth in Südafrika, das von Schülern aus der ganzen Welt besucht wird. Jetzt im Januar macht sie ihren Abschluss. Yasmin wollte dorthin, um ihr Englisch zu verbessern und neue Erfahrungen zu sammeln. Am Anfang habe ihr der Gedanke, weit weg von zu Hause zu sein, Angst gemacht. Längst hat sie sich gut eingelebt. "Man bekommt viel Unterstützung von Lehrern, Freunden oder der Hausmutter. Ich fliege auch fast in jeden Ferien, die alle drei Monate sind, nach Hause. Mein Vater zahlt die Flüge und die Schulgebühren, was ich sehr zu schätzen weiß. Ich weiß mein Zuhause hier sehr zu schätzen, nicht wegen dem Internat, sondern weil in Südafrika viel Armut herrscht."

In Südafrika ist der Unterschied zwischen Reich und Arm groß. Es herrscht eine Arbeitslosenquote von mehr als 60 Prozent. Die Städte sind gefährlich. Hier werden mehr Menschen im Jahr umgebracht, als bei Verkehrsunfällen sterben. Trotzdem liebt Yasmin das Land. Sie findet, dass der eher langsame südafrikanische Rhythmus sie selbst geduldig gemacht habe.

Auf dem Woodridge Campus sind die Häuser im holländischen Stil erbaut, davor wachsen üppige Büsche und süß riechende Blumen. Um sieben Uhr tapst Yasmin verschlafen ins Bad. Sie hat mittlerweile ein Einzelzimmer, weil sie nun "Senior" ist und Privilegien genießt. Schnell springt sie unter die Dusche und zieht ihre Schuluniform an. Heute nur die weiße Bluse und den braunen Rock ohne den Pulli. Sie bindet sich einen Pferdeschwanz und steckt ein paar widerspenstige Locken fest. "Haare, die deine Schultern berühren, müssen zusammengebunden und aus deinem Gesicht sein. Wenn du einen Pony hast, muss dieser so kurz sein, dass er oberhalb der Augenbrauen endet. Die Haare der Jungs dürfen die Ohren nicht berühren, aber sie dürfen auch keine Glatze haben." Yasmin lacht laut auf. "Ach, und die Haare darf man auch nicht färben. Wir sollen ordentlich aussehen, damit wir die Schule gut repräsentieren." Ärgerlich betrachtet sie ihr Spiegelbild. Sie ist der Meinung, dass ihre Nase glänzt, doch mit Make-up dürfen die Schüler nicht nachhelfen, da dies nicht natürlich sei. Um halb acht läuft Yasmin mit den anderen aus ihrem Wohnheim an Palmen vorbei über sandsteingepflasterte Wege zur Dining Hall, in der alle ihre Mahlzeiten einnehmen. Es gibt zwei Mädchen- und zwei Jungenhostels. Um 7.55 Uhr beginnt der Unterricht. Eine Schulstunde dauert vierzig Minuten, ein Schultag besteht aus acht Schulstunden. Alle zwei Tage haben sie Sport. Yasmin hat Schwimmen gewählt. Der blau gekachelte Außenpool hat acht Bahnen und ist mit einem hüfthohen Maschendrahtzaun umgeben. "Damit dort keine Tiere baden." Yasmin lacht laut auf und berichtet von ein paar Affen, die in die Anlage eingebrochen waren und ihren Spaß hatten.

Die Nachmittage sind frei. "Oft unternehmen meine Freunde und ich etwas." Am Wochenende können die Schüler hier bleiben oder mit zu Freunden nach Hause gehen, denn viele leben in der Nähe, zum Beispiel in Port Elizabeth. "In der Schule gibt es oft Rugby-Spiele, wir feuern die Spieler an und singen zusammen. Die Lehrer sind auch fast immer dabei." Yasmin findet, dass die Lehrer anders als in Deutschland seien. "Sie sind netter und auch irgendwie persönlicher."

Informationen zum Beitrag

Titel
In Schuluniform auf Affenjagd
Autor
Danielle Tempel
Schule
Gymnasium Karlsbad , Karlsbad
Quelle
Frankfurter Allgemeine Zeitung, 02.01.2013, Nr. 1, S. N6
Projekt
Jugend schreibt
Kategorie
Print

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