Handys sind auf der Highschool erwünscht

 
Die Highschool in Marietta, Georgia, ist riesig. Vor und neben dem weitläufigen Backsteingebäude befinden sich zwei große Parkplätze, hinter der Schule liegen unter anderem ein Football-, ein Baseball- und mehrere Tennisplätze. "Wir sind ungefähr 2000 Schüler, das sind gar nicht so viele", erklärt Georgia Beggs, eine Schülerin. "Aber die Schule ist groß, das stimmt." Betritt man das Gebäude morgens durch die große hölzerne Flügeltür, wird in der Eingangshalle Frühstück verkauft. 42 Flaggen verschiedener Länder zieren die sogenannte große Treppe. Unter anderem sind 48 Prozent der Schülerschaft dunkelhäutig, 26 Prozent weiß und 19 Prozent hispanisch. Während der Schulzeit sind stets Polizisten auf den Fluren positioniert. Zudem ist die Eingangshalle videoüberwacht.

Unterrichtsbeginn ist um 7.30 Uhr. Neben traditionellen Fächern können die Schüler auch Fächer wie Band, Drama oder Dancing belegen. Der Tag ist in vier Blöcke aufgeteilt, die je 90 Minuten dauern. Morgens steht für die elfte Klasse unter anderem "Broadcast Video" auf dem Stundenplan. Die Schule besitzt einen Raum mit Greenscreen und zwei Fernsehkameras, zudem stehen den Schülern in den fortgeschrittenen Kursen eigene Kameras zur Verfügung. Georgia Beggs hat währenddessen Band. Die 14-Jährige besucht die neunte Jahrgangsstufe und gehört somit zu den "freshmen", einige ihrer Kurse finden jedoch klassenübergreifend statt. Alle Jahrgangsstufen besitzen einen eigenen Namen. Die Schule beginnt mit der neunten Klasse, ihren Abschluss machen die "seniors" im zwölften Jahrgang. Die sympathische Chinesin findet sich gut zurecht. Sie spielt Klarinette im Blasorchester der Schule. "Erst spielen wir uns ein, dann lernen wir die Stücke, das ist ziemlich langweilig", erklärt sie nüchtern. Weit nach Unterrichtsbeginn schlendern die letzten Schüler in den Proberaum.

Alle Räume der Schule sind thematisch gestaltet: Den Saal hier zieren Pokale, überall hängen Poster. Jeder Raum ist mit einem Beamer und einem Whiteboard ausgestattet, die Lehrer unterrichten mit Hilfe ihres Laptops. In einigen Klassen findet sich zudem eine Touchscreentafel. Während des Unterrichts verwenden die Schüler ihr Handy genauso wie auf den Fluren. Es gibt ein Programm "Bring Your Own Technology": Die Verwendung der eigenen Elektronik ist ausdrücklich erwünscht. "Nur wenn der Lehrer uns bittet, das Handy wegzupacken, müssen wir das tun", sagt Georgia. Ihr nächster Kurs ist Mathematik, diesmal gibt es Arbeitsblätter mit Multiple-Choice-Fragen. Stellt die Lehrerin eine Frage, antwortet die Klasse murmelnd im Chor, Epochalnoten gibt es nicht. Im Drama-Unterricht machen die Schüler heute Pantomime. Als Unterrichtsraum dient der Theatersaal, der in seiner Höhe über zwei Stockwerke reicht. Die Atmosphäre ist locker. Insgesamt ist die Beziehung zwischen den Schülern und ihren Lehrern privater als an den meisten deutschen Schulen. Die Lehrer werden mit Vornamen angeredet, berichten von ihrer Familie und ihren Ferien. Das gesellschaftliche Leben ist eng mit der Schule verknüpft. Nach dem Unterricht um 14.30 Uhr verbringen viele Schüler ihre Zeit beim Training für die Schulmannschaften: "Die Jungs trainieren hier jeden Nachmittag mehrere Stunden", sagt der Baseballcoach. Direktorin Leigh Colburn ist mit vielen Familien ihrer Schüler befreundet und wird zu Partys eingeladen.

Nach jeder Stunde strömen die Schülermassen auf die Flure, vorbei an Schließfächern. "Die benutzt aber irgendwie nie jemand", sagt Georgia. Die Schule ist klimatisiert, es ist angenehm kühl. Während des Unterrichts werden die Lehrer manchmal über Lautsprecher angerufen. Sie antworten über die im Raum integrierte Freisprechanlage.

Nachmittags werden unter anderem Fremdsprachen unterrichtet. Die meisten lernen Spanisch, andere Deutsch. Insgesamt ist das amerikanische Schulsystem wenig auf Sprachen konzentriert: "Mein Spanisch ist nach fünf Jahren immer noch mies", meint eine Schülerin.

Am nächsten Tag wechselt der Stundenplan. Alle Schüler haben insgesamt acht Kurse, so dass es Tag A und B gibt, die sich je abwechseln. Dieses System lässt sich am besten mit einer Gesamtschule vergleichen. Die Schüler werden zu keinem Zeitpunkt nach ihrem Leistungsstand auf verschiedene Schulformen getrennt, allerdings gibt es unterschiedlich schwere Kurse, die nach eigenem Ermessen belegt werden können. "Ich habe jetzt nach der Mittelschule erst mal den leichten Mathekurs gewählt, wechsele aber nächstes Schuljahr", sagt Georgia.

Informationen zum Beitrag

Titel
Handys sind auf der Highschool erwünscht
Autor
Maren Paegert
Schule
Martinus-Gymnasium , Linz
Quelle
Frankfurter Allgemeine Zeitung, 02.01.2013, Nr. 1, S. N6
Projekt
Jugend schreibt
Kategorie
Print

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