Elektriker hinter der Trafo-Bar

Ein junger Mann steht hinter einem großen Tresen. Hinter ihm stehen in einer beleuchteten Regalwand viele Schnäpse und Liköre. Die Bar ist gemütlich, aber modern eingerichtet. Von den dunkelroten Wänden heben sich schwarze Möbel ab. Der 31-jährige Besitzer ist ein großer, breitschultriger, freundlicher Mann. Seine Haare sind zu einem kurzen blonden Irokesenschnitt geformt. Er bereitet seine Bar alleine auf eine Geburtstagsfeier vor. Die Trafo-Bar ist eine beliebte und eine der bekanntesten Bars in Kiel. Seinen Namen verdankt der Club dem Ursprung des Gebäudes. In früheren Zeiten war es ein Transformatorhäuschen, das 2005 zur Bar umfunktioniert wurde.

Genau das hat sich Andreas Werner, der jetzige Besitzer, zum Motto genommen. Das spiegelt sich zum Beispiel in seinen Getränkekarten wider. Auf jeder zweiten Seite stehen Informationen zum Thema Elektrizität. Werner ist Elektriker. "Schon als ich klein war, habe ich mir immer gewünscht, später mal meinen eigenen kleinen Club zu besitzen." Als er seine Lehre machte, schien das unerreichbar. Aber er begann, in Clubs als Cocktailmixer zu arbeiten, probierte Mischungen aus. Durch große Bestätigung von Gästen entschied er sich dazu, sein Hobby zum Beruf zu machen. Zunächst arbeitete er als Angestellter in der Trafo-Bar, wurde dann 2008 zum Besitzer des Clubs, in dem er schon als Geschäftsführer gearbeitet hatte.

Werner nimmt an vielen Wettbewerben teil, um für seine Cocktailkreationen gelobt zu werden, aber auch als Werbung für die Bar. "So ein gewonnener Wettbewerb bringt natürlich immer viele neue Gäste mit sich, die die Bar ausprobieren wollen, vor allem die Cocktails, die gewonnen haben." Werner gewann die Kieler Cocktail Cups der Jahre 2008, 2009 und 2010. Dabei werden Eigenkreationen der Cocktailmixer miteinander verglichen. "Es ist sehr wichtig, bei Cocktails Qualität anzubieten und das durch solche Gewinne zu präsentieren. Denn inzwischen kann man fast überall Cocktails trinken, so dass die meisten Menschen den Blick für wahres Können verlieren." Werners Lieblingscocktail ist der Mai Tai. "Es gibt wahnsinnig viele verschiedene Variationen davon, und somit ist ein gelungener Cocktail dieser Sorte etwas echt Besonderes." Zudem ist die Trafo-Bar auch eine molekulare Cocktail Bar. So verändert Werner bei manchen Cocktails deren Konsistenz und lässt sie chemisch dichter oder flüssiger werden.

Trotzdem schreibt die Bar nicht jeden Monat schwarze Zahlen. Während seine zwei Angestellten von neun bis um zwei Uhr nachts arbeiten müssen, hat Andreas noch viele andere Dinge zu tun. "Insgesamt komme ich auf 16 bis 18 Arbeitsstunden am Tag. Da bleibt für eine Familie kein Platz." Er muss einkaufen, die Buchhaltung erledigen und eventuelle Reparaturen vornehmen. Er könnte sich vorstellen, später mehrere Bars als Unternehmer zu leiten und nur für die Buchhaltung zuständig zu sein. "Irgendwann verkauft sich ein Cocktailmixer auch nicht mehr. Ein zu alter Barkeeper ist, denke ich, nicht ganz so beliebt." Ab 40 Jahren werde ein Cocktailmixer zunehmend unbeliebter.

Manchmal muss Werner auch durchgreifen. Denn immer wieder kommt es bei alkoholisierten Gästen zu Konflikten und Zankereien. "Ich habe überhaupt kein Problem damit, auffallenden Gästen auch gerne sehr direkt meine Meinung zu sagen."

Die Jahreszeiten spielen eine große Rolle, was die Kundschaft angeht, erklärt der Kieler. Im Sommer ziehe es viele an die Strandpromenade, und seine Einnahmen sinken. Im Winter dagegen zieht es dann mehr Menschen in das Zentrum. Manchmal kommen Spieler vom THW Kiel, aber auch der Sänger James Blunt entspannte sich hier nach einem Auftritt.

Informationen zum Beitrag

Titel
Elektriker hinter der Trafo-Bar
Autor
Laura Struve, Birthe Dittberner
Schule
Städtisches Gymnasium , Bad Segeberg
Quelle
Frankfurter Allgemeine Zeitung, 16.01.2013, Nr. 13, S. N6
Projekt
Jugend schreibt
Kategorie
Print

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