Nicht nur die Eltern der Kinder sind begeistert

Ein junger Mann spielt mit vielen kleinen Kindern. Mit Tüchern und Bällen wirbeln sie umher, während sie von einer Erzieherin und dem mittelgroßen Mann mit den kurzen dunklen Haaren unterstützt werden. "Als Erzieher ist man nicht nur einfacher Betreuer der Kinder, man gibt ihnen etwas mit, man unterstützt sie und bereitet sie auf ihren weiteren Weg vor." Der aus Krems II, einem Dorf in der Nähe von Bad Segeberg, stammende Jonas Kröning macht eine Ausbildung zum Erzieher.

Jonas fiel auf, dass er bei Familientreffen immer derjenige war, der sich mit den kleineren Kindern beschäftigte hat. "Wir haben viele Kinder in unserer Familie, und ich spiele immer sehr gerne mit ihnen. Dann habe ich einige Praktika gemacht, um den Beruf des Erziehers erst mal auszuprobieren. Zuerst eines von der Schule aus, doch dann entschloss ich mich auch zu freiwilligen Praktika in den Sommerferien, alle in Kindergärten", berichtet der 20-Jährige. "Es hat mir einfach so viel Spaß gemacht, den Umgang mit den Kindern finde ich unheimlich spannend. Zwei Mal war ich in meinem eigenen ehemaligen Kindergarten. Das letzte Mal wollte ich mir noch einen anderen Betrieb ansehen."

Dabei wollte Jonas lange Zeit Sportmoderator werden. Doch seine Eltern überzeugten ihn, das aufzugeben. Sie meinten, als echter FC-Bayern-Fan wäre er dazu viel zu parteiisch. "Wenn ich heute abends Sportschau sehe, bin ich auch sehr froh über diesen Hinweis", lacht er. Nach seinem Schulabschluss begann er zuerst mit einer Ausbildung zum Sozialpädagogischen Assistenten. "Da ich nur Realschulabschluss habe, musste ich diese Ausbildung vorher machen, um jetzt eine Ausbildung zum Sozialpädagogen zu machen. Das war gut, einfach, um zu sehen, wie so eine Ausbildung ist und ob es wirklich auch das Richtige ist. Aber das weiß ich jetzt." Inzwischen besucht er in Neumünster an der Berufsschule den Unterricht für die Ausbildung zum Sozialpädagogen. Die Schulzeit wird von drei Berufspraktika unterbrochen. Zwei davon sind zwölf Wochen, das letzte Praktikum 20 Wochen lang, wobei dieses zur Abschlussprüfung zählt. Diese Arbeit mit den Kindern macht ihm am meisten Spaß. Vor späterer Eintönigkeit dieses Berufes hat er keine Angst, denn das Feld, in dem man als Sozialpädagoge arbeiten kann, ist groß. "Bei dem Wort Erzieher denken alle sofort nur an den Kindergärtner, aber das ist viel zu eingeschränkt gedacht. Es gibt als Erzieher oder besser Sozialpädagoge viel mehr Möglichkeiten. Man kann in einer Krippe arbeiten, aber auch an einer Schule, in einem Hort, aber auch im Förderzentrum. Oder man arbeitet als Tagesmutter oder in meinem Fall Tagesvater", erklärt er grinsend. Denn die Erzieher in den Kindergärten sind überwiegend Frauen. Die Eltern der Kinder finden seine Berufswahl zwar ungewöhnlich, doch seien sie davon eher begeistert. "Ich habe noch nie Eltern erlebt, die mir negativ oder mit Vorurteilen begegnet sind. Im Gegenteil, sie finden das spannend, und für die meisten ist das absolutes Neuland, was ich schade finde. Männliche Erzieher sind meiner Meinung nach auch als Vorbild wichtig."

Bei seinen Praktika merkt er das immer wieder. "Es geht um die Vorbereitung der Kinder auf die Schulzeit, denn sie kommen in einen Kindergarten, um sich mehr mit der Umwelt und anderen Menschen zu befassen und zu lernen. Dort erleben sie einen wichtigen Abschnitt ihres Lebens."

In seiner Ausbildung spezialisiert sich Jonas auf Musikpädagogik, denn er spielt, seit er klein ist, Geige. Er weiß, wie gut Musik verbinden kann. Wie die Musik auf Kinder wirkt und sie begeistert, findet er spannend. "Kinder, die unter Gleichgewichtsstörungen leiden, werden zum Beispiel mit Musik therapiert, indem sie sich zum Rhythmus der Musik bewegen müssen. Wir stehen dann alle im Raum und produzieren entweder selbst einen Rhythmus oder spielen ihn ab. Dann müssen sich die Kinder dazu bewegen und lernen so, ihren eigenen Körper besser zu kontrollieren. Das hilft ihnen sehr."

Seine lockere, offene Art hilft Jonas, eine gute Beziehung zu den Kindern und den anderen Erziehern herzustellen. Er selbst findet nichts, was ihm an diesem Beruf nicht gefällt. Er habe keine Schwierigkeiten, alle Kinder gleich zu behandeln und niemanden zu bevorzugen. "Ich denke, es ist wichtig, alle Kinder gleich zu akzeptieren und ihnen gleich entgegenzukommen. Es gibt keine Kinder, die nerven. Ohne diese Einstellung geht man mit einer zu negativen Haltung an sie heran. Ich freue mich schon jetzt auf mein richtiges Berufsleben."

Informationen zum Beitrag

Titel
Nicht nur die Eltern der Kinder sind begeistert
Autor
Birthe Dittberner
Schule
Städtisches Gymnasium , Bad Segeberg
Quelle
Frankfurter Allgemeine Zeitung, 30.01.2013, Nr. 25, S. N6
Projekt
Jugend schreibt
Kategorie
Print

Beruf und Chance

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