Abenteuer Triathlon

Die 18, bitte lass es die 18 sein!", schreit es in seinem Kopf. Er setzt alles auf diese Zahl, und das Rad dreht sich weiter und weiter. Dann plötzlich: Die 17. Was nun? Soll das wirklich alles gewesen sein? Definitiv nicht! Hinter der nächsten Kurve geht Yves aus dem Sattel und kurz darauf zeigt der von einem Schweißtropfen getroffene Tacho schon wieder die 18 an. Es muss weitergehen, denn bis zum Coll dels Reis sind es noch gute sechs Kilometer.

Der Coll dels Reis, auch bekannt als der Calobra-Pass, ist einer der Touristen-Highlights auf Mallorca. Die Insel hat sich über Jahre hinweg einen guten Ruf abseits des Ballermanntourismus erworben. Jährlich reisen Tausende Sportbegeisterte nach Mallorca, unter ihnen mehr als 85000 Radtouristen.

Für den 19 Jahre alten Yves Hackenbruch und seinen Vater Frank hieß es pünktlich um 7.30 Uhr: rein ins Wasser und drei Kilometer schwimmen. Alltag für Triathleten. Diesen Ablauf kennt der aus der Nähe von Aachen stammende Schüler schon fünf Jahre. Was zunächst nur nach einer kleinen Herausforderung aussah, ist heute eine große Leidenschaft, die aus den Sportarten Schwimmen, Radfahren und Laufen besteht. Und für diese investiert er viel: 20 Stunden in der Woche an Training sind keine Seltenheit.

Nach einer ordentlichen Kohlenhydrat-Schlacht geht es auf das Rennrad, um die Berge der Insel zu erkunden. In gefühlten einhundert Kurven schlängelt sich die Straße von Sa Calobra endlos den Berg hinauf. Ohne einen Blick nach rechts oder links zu wagen und die atemberaubende Aussicht zu genießen, kämpft sich Yves Kurve für Kurve den Berg hinauf. Auch der nette ältere Herr, den Yves gerade zügig überholt und dessen Rad bei jedem kleinsten Kraftaufwand des linken Beines ein leichtes Knarren von sich gibt, kann ihn mit einem freundlichen "Hallo" nicht aufmuntern.

Der Grund für all die Sportler auf der Baleareninsel liegt auf der Hand: Schon nach zwei Stunden Flug findet man bei angenehmen Temperaturen ein ideales Straßennetz vor, das weiter ausgebaut wird. Dabei hat man die Wahl zwischen flachen oder anspruchsvollen Strecken, wie beispielsweise entlang der Küste im Nordwesten der Insel. Wer sich nach einer Pause sehnt, ist gut aufgehoben. Zahlreiche Cafés lassen ein Gefühl von Urlaub aufkommen.

Nun geht es um die letzten 100 Meter. Hinter der steinigen Küste und der sich harmonisch schlängelnden Straße ist das Meer zu erkennen, auf dem ein rotes Schiff mit weißen Streifen in die Bucht hineinfährt. Auf der Spitze des Passes ist Yves angekommen, aber aus sportlicher Sicht ist das Ende noch lange nicht in Sicht. Denn in diesem Jahr naht eine weitere Herausforderung. Dann heißt es: 1,9 Kilometer Schwimmen, 90 Kilometer Radfahren und einen abschließenden Halbmarathon laufen. Eine ganz neue Distanz für ihn, nachdem er bisher nur auf den Sprintdistanzen unterwegs war.

Jetzt heißt es aber erst einmal auf seinen Vater warten, der sich gerade in der vorletzten Kurve befindet. Mit seinen 53 Jahren steht der Steinmetzmeister seinem Sohn jedoch in nichts nach. Schließlich ist er schon 35 Jahre aktiv und hat in seiner Laufbahn dreimal die volle Ironman-Distanz hinter sich gebracht. Heute teilen Vater und Sohn die Leidenschaft des Abenteuers Triathlon und haben weitere Pläne. Erst mal gibt es einen Powerriegel. Später geht es zum Zehn-Kilometer-Lauf.

Informationen zum Beitrag

Titel
Abenteuer Triathlon
Autor
Yves Hackenbruch
Schule
Inda-Gymnasium , Aachen
Quelle
Frankfurter Allgemeine Zeitung, 06.02.2013, Nr. 31, S. N6
Projekt
Jugend schreibt
Kategorie
Print

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