Pferde hält sie auf Abstand

Auf weiten Rasenflächen weiden Pferde. Ab und zu klickt der Elektrozaun. Ein Leben auf einem Pferdehof, der Traum eines jeden Mädchens? Fast jedes Mädchens! Lena Hitzenberger ist wohl die Ausnahme von der Regel. "Ich bin keine große Pferdeliebhaberin. Unser Pferdehof ist also nicht gerade mein Lieblingswohnsitz", sagt die 18 Jahre alte Abiturientin, die mit ihrer Familie auf dem Johanneshof in Euskirchen-Schweinheim im Rheinland lebt. Seit zwei Jahren wohnt die 1,63 Meter große Jugendliche mit den schulterlangen blonden Haaren in dem großen Haus mitten im Feld.

Ihr Stiefvater baute es vor einigen Jahren für die Familie. "Er leitet den Pferdehof hauptberuflich und hat ein großes Herz für Tiere. Er kümmert sich gerne um sie, wenn er auch nicht selbst reitet", sagt Lena. Ihre Mutter und ihre fünf Jahre alte Schwester lieben das Leben auf dem Pferdehof. Nur Lena kann sich nicht so richtig damit anfreunden. "Als ich 11 Jahre alt war, bin ich auch reiten gegangen. Meine Mutter war stolz auf mich. Obwohl ich wirklich ein Naturtalent bin, hat mir das Reiten nie richtig Spaß gemacht. Nachdem ich diese typische Pferdephase hinter mir hatte, habe ich mit den Reitstunden wieder aufgehört." Heute spielt sie in ihrer Freizeit Gitarre und Volleyball. Dem Sport verdankt sie ihre gute Figur. Sie verbringt gerne Zeit mit Freunden, solange die Familienunternehmungen, die allen wichtig sind, nicht zu kurz kommen. Die ungeliebte Abgeschiedenheit des Hauses rückt immer mehr in den Hintergrund. "Wenn man 18 Jahre alt wird und Auto fahren kann, lernt man, sich damit zu arrangieren und den Pferden aus dem Weg zu gehen", sagt sie schmunzelnd.

Um Sakramento und Nadino, die beiden eigenen Pferde der Familie, kümmert sich hauptsächlich ihre Mutter. "Mama schwärmt für diese Tiere, seit sie ein junges Mädchen war. Sie fühlt sich den Pferden einfach nah." Draußen auf dem Hof unterhält sie sich mit dem Besitzer eines Pensionspferdes. Der Johanneshof ist für Lenas Mutter ein abwechslungsreicher Vollzeitjob. Irgendetwas steht immer an, sei es das Ausmisten der Ställe, das Füttern der Pferde oder die Organisation eines "Tag des offenen Hofes". 60 Pferde verschiedener Einsteller müssen versorgt werden. Auch das Streitschlichten gehört zu den Aufgaben von Lenas Mutter. "Auf unserem Hof sind fast nur weibliche Pferdeliebhaberinnen vertreten. Da bleibt der ein oder andere Streit, beispielsweise um den besten Platz in der Reithalle, nicht aus. Mama hat ein offenes Ohr für alle, weshalb solche Auseinandersetzungen meistens nicht von langer Dauer sind."

Lena distanziert sich lieber von dem ganzen Trubel um den Hof. "Das ist alles Mamas Ding, sie weiß, dass ich Pferde nicht so gerne mag. Meine Mutter versteht mich." Was genau stört Lena an Pferden? "Pferde sind so große und starke Tiere", sagt sie nachdenklich. "Sie sind immer unberechenbar, so wie jedes andere Tier. Auch Pferde haben ihre trotzigen Phasen, und ich habe in den letzten zwei Jahren einige Unfälle miterlebt." Lieber genießt Lena die gute Luft, die das Landleben mit sich bringt. "Eigentlich ist es gar nicht so schlimm, hier zu wohnen. Und die Aussicht ist wirklich atemberaubend."

Informationen zum Beitrag

Titel
Pferde hält sie auf Abstand
Autor
Annika Schröder
Schule
Marienschule , Euskirchen
Quelle
Frankfurter Allgemeine Zeitung, 06.02.2013, Nr. 31, S. N6
Projekt
Jugend schreibt
Kategorie
Print

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