Such und hilf!

Kathrin Tobin und ihre Schäferhündin Meggie engagieren sich in einer Rettungshundestaffel. Auf Anruf zieht die Zahnärztin los und durchkämmt mir ihrem Vierbeiner das Einsatzgebiet. Meggie macht eifrig mit, weil auf jeden Fall eine Belohnung wartet. Nur dann sieht der Hund in der Arbeit einen Sinn.

Dies ist ein Einsatz für die Rettungshundestaffel Badenhausen. Einsatzort ist Mainzlar. Vermisst wird ein fünfjähriges Mädchen." Nach diesem Anruf zählt jede Sekunde. Zahnärztin Kathrin Tobin regelt blitzschnell das Nötigste in ihrer Praxis in Frankfurt am Main, schnappt ihre Sachen und rauscht los. Sie fährt nach Hause, holt ihre Schäferhündin Meggie und fährt zum angegebenen Einsatzort, immer im Bewusstsein, dass irgendwo da draußen ein kleines Kind allein umherirrt. Im Einsatzgebiet angekommen gibt es Informationen über den gesundheitlichen Zustand des Mädchens und die Zuteilung des Gebietes, das Kathrin Tobin mit ihrem Hund absuchen muss. Dem Tier wird die Kenndecke mit einem roten Kreuz und einer lauten Glocke angezogen. Dann schickt Tobin den Hund mit dem Kommando "Such und hilf!" los.

Durch dichtes Geäst und unebenes Waldgebiet bahnen sich Hundeführerin und Hund einen Weg. Nach einer halben Stunde der erfolglosen Suche atmen alle Beteiligten auf: Das Mädchen, das sich bei einem Ausflug des Kindergartens in den Wald von der Gruppe entfernt hatte und nicht mehr aufgetaucht war, hatte den Weg zu einem Wanderweg gefunden und wurde dort von Spaziergängern gesehen, die die Polizei informierten.

"Bei solchen Einsätzen, bei denen wir nach vermissten Kindern suchen, bin ich immer besonders erleichtert, wenn der Einsatz abgebrochen wird, weil das Kind wiederaufgetaucht ist." Die meisten Einsätze werden abgebrochen, weil die vermisste Person in der Zwischenzeit schon wieder nach Hause gefunden hat oder auf irgendeine andere Weise gefunden wurde. Doch für den Hund ist eine erfolgreiche Suche wichtig, deshalb wird noch schnell ein "Opfer" versteckt, damit er nicht ohne Belohnung durch einen Ball oder Futter aus dem Einsatz geht. "Es ist ganz wichtig für meine Meggie und für alle anderen Hunde, dass sie nie oder nur ganz selten ohne Bestätigung aus der Suche gehen, damit die Motivation, immer wieder aufs Neue loszurennen und zu suchen, erhalten bleibt." Sobald die fünf Jahre alte Schäferhündin das Opfer gefunden und erreicht hat, fängt sie lauthals an zu bellen, bis ihre Hundeführerin angekommen ist. Dann endlich bekommt Meggie von der versteckten Person ihren heißgeliebten Ball, ihr Lieblingsspielzeug. Andere Hunde freuen sich über Wurst oder Käse. Über diese Bestätigung wird die gesamte Ausbildung, die meistens zwei Jahre dauert, aufgebaut, denn darin sieht der Hund einen Sinn, zu arbeiten. Auch Frauchen Kathrin macht die Rettungshundearbeit viel Spaß. "Es ist nicht nur das Leuchten in den Augen von Meggie, sondern auch das tolle Gefühl, wenn man mit seinem Hund zusammenarbeitet", sagt sie.

Das Hobby ist zeitintensiv. Die Rettungshundestaffel, die dem Deutschen Roten Kreuz angehört, trainiert zweimal die Woche jeweils fünf Stunden. Dazu kommt die nicht immer kurze Fahrtzeit ins Trainingsgebiet, das jedes Mal woanders ist, damit die Hunde nicht immer das Gleiche absuchen. "Das ist relativ kostspielig. Wir arbeiten ehrenamtlich und kommen für alle Kosten selbst auf", erläutert die Medizinerin. Viele Interessierte, die zwei bis drei Monate mitmachen, merken dann, wie viel Arbeit wirklich dahintersteckt, und geben auf.

Die Zahnärztin findet in der Arbeit mit dem Hund einen Ausgleich zum Beruf. Da sie ihr eigener Chef ist, kann sie während der Arbeitszeit sofort zu einem Einsatz eilen. Nicht alle Chefs spielen da mit. "Man muss dafür leben und es genießen. Bei Wind und Wetter und bei jeder Temperatur muss man trainieren, um die Hunde einsatzfähig zu halten. Das ist nicht jedermanns Sache. Aber wir Hardcore-Leute machen uns daraus nichts", lacht sie, und wie zur Bestätigung bellt Meggie kurz auf und schaut ihr Frauchen auffordernd an. Das liebe sie an ihrem Hund, diese ständige Bereitschaft und den Willen zu arbeiten. Genau diese Eigenschaft sollte ein angehender Rettungshund auch mitbringen, denn ohne einen gewissen Anreiz rennt kein Hund durch ein 30 000 Quadratmeter großes Gebiet und sucht Vermisste.

Mit dem Trainieren und Ausbilden des Hundes ist es noch nicht getan. Kathrin Tobin absolvierte, bevor sie im August 2009 ihre erste Prüfung bestand, einen Erste-Hilfe-Kurs, einen Sanitätslehrgang, einen Funklehrgang und einen Kurs zur Ersten Hilfe am Hund. Das Team, bestehend aus Hundeführer und Hund, wird alle 18 Monate erneut geprüft. Erst im Juni bestanden Kathrin Tobin und Meggie ihre insgesamt dritte Prüfung: "An diesem Tag war es sehr heiß, wir waren beide schon von der Hitze geschafft. Gerade bei diesen Temperaturen ist es für den Hund schwer, Witterung zu finden, da die Luft sehr trocken ist. Doch mein tolles Mädchen hat sich durchgebissen.

Informationen zum Beitrag

Titel
Such und hilf!
Autor
Jasmin Nicolai
Schule
Weidigschule , Butzbach
Quelle
Frankfurter Allgemeine Zeitung, 27.02.2013, Nr. 49, S. N6
Projekt
Jugend schreibt
Kategorie
Print

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