Ali ist auf Sprengstoff spezialisiert

Bei den Hunden ist das schwarz-weiß, denen muss man zeigen, was sie machen dürfen und was nicht", sagt Ulrich Hömig. Der 53 Jahre alte Mann ist bei der Polizei in Rheinland-Pfalz, vorwiegend in Koblenz, als Hundeführer beschäftigt. Bisher besaß Hömig zwei deutsche Schäferhunde. "Carlo wurde 14 Jahre alt, das war ein Rauschgiftspürhund." Seit sechs Jahren arbeitet er nun mit Ali, der für die Sprengstoffsuche ausgebildet ist. Beide Hunde kaufte er aus Tschechien: "Das Land gibt dabei bis zu 2000 Euro dazu." Für Ali, mit dem er seit sechs Jahren arbeitet, bezahlte er selbst zusätzlich 600 Euro: "Das war es mir definitiv wert." Auch andere Rassen, wie Rottweiler, Riesenschnauzer oder Boxer, sind für den Polizeidienst zugelassen.

Nach der Polizeiausbildung und des dreijährigen Studium zum Diplom-Verwaltungswirt entschied sich Hömig für die Sondersparte des Hundeführers. Der schmale, dynamische Mann mit kurzen schwarzen, leicht ergrauten Haaren berichtet, dass die Suche von Vermissten, die Verfolgung von Straftätern und der Schutz von Kollegen im Vordergrund stehen. Die allgemeine Ausbildung zum Schutz- und Fährtenhund dauert neun Wochen. Danach schließt sich die Weiterbildung des Tieres an, die beim Sprengstoffspürhund beispielsweise drei Monate dauert. Es gibt viele weitere Hundearten im Polizeidienst, beispielsweise Leichenspür- oder Rettungshunde. In Hömigs Fall fand die Ausbildung seiner Hunde bei der Dienst- und Ausbildungsstelle Rheinland-Pfalz in Kaiserslautern statt. "Das Wichtigste ist die Beschäftigung mit dem Tier." Ali lebt mit ihm und seiner Familie zu Hause in Leubsdorf, der Polizist hat einen großen Zwinger im Garten errichtet, in seiner Garage befindet sich ein zweiter. Seine drei Söhne und seine Frau kommen gut mit dem Tier zurecht. Hömig kümmert sich mindestens zwei Stunden am Tag um den Hund.

Beachtet werden muss, dass der Hund aus Spieltrieb handelt, so wird er stets mit dem Werfen eines Stockes oder Ähnlichem belohnt. Häufig zeigt der Hund seinen Fund passiv an, indem er schlicht die Platzlage annimmt. Andere Hunde kratzen an ihrer Beute. "Das geht beim Sprengstoff natürlich nicht, das würde unter Umständen explosiv enden", sagt Hömig.

Sein Hund ist bei Durchsuchungen, auf politischen und anderen Veranstaltungen im Einsatz. So war Hömig beim Besuch des Papstes in Erfurt oder beim Auftritt eines Innenministers in Lahnstein im Dienst. Die Hunde suchen die Räumlichkeiten und die Außenanlage nach Sprengstoff ab.

Sein verstorbener Rauschgiftspürhund war unter anderem bei "Rock am Ring" im Einsatz. Der Polizist zählt auf: Haschisch, Heroin, Kokain, Amphetamin und Ecstasy, alle diese Stoffe lassen sich am Geruch erkennen, da sie dieselbe Grundsubstanz enthalten, die er lieber nicht nennt, schließlich könnten Verbrecher von der Information profitieren. Der Polizist erzählt: Bei Kontrollen während der "Rock am Ring"-Konzerte fand er vor einigen Jahren 1200 Gramm Haschisch in Form von Platten in der Handtasche einer Frau. "Damit hätte ich nicht gerechnet. Verstecke gibt es wirklich an allen erdenklichen Stellen", lacht er. Beispielsweise haben er und Kollegen bei einer Hausdurchsuchung Marihuana innerhalb der Dusche unter dem Hahn sicherstellen können.

Der Duft der Grundsubstanz und weitere einzelne Stoffe müssen dem Hund zuvor im Training vermittelt werden. Hierbei wird ein Spielzeug mit dem Geruch solch einer Substanz belegt und dann vom Hund gesucht. Diese Übung wird trainiert und immer schwieriger gestaltet. "Die Hunde können natürlich nicht pausenlos suchen", berichtet Hömig. Gewöhnlich sind sie 30 Minuten im Einsatz, danach folgt eine ebenso lange Pause.

Informationen zum Beitrag

Titel
Ali ist auf Sprengstoff spezialisiert
Autor
Maren Paegert
Schule
Martinus-Gymnasium , Linz
Quelle
Frankfurter Allgemeine Zeitung, 27.02.2013, Nr. 49, S. N6
Projekt
Jugend schreibt
Kategorie
Print

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