Nur noch kurz die Welt retten

Und so saß ich dann mit 29 oder 30 in meinem Büro in Manama, Bahrein, und hatte eigentlich alles erreicht", sagt Fouad Hamdan, mittlerweile 53 Jahre alt mit mehr weißgrauem als dunklem Haar. Während der sympathische Deutsch-Libanese dies sagt, lacht seine ehemalige Schulfreundin Susanne Knop. "An Selbstbewusstsein hat es Fouad noch nie gemangelt", sagt sie. Heute berät Hamdan Aktivisten, Politiker und Journalisten in der arabischen Welt. Er hält Vorträge und organisiert Workshops, um Nichtregierungsorganisationen aufzubauen oder Journalisten fortzubilden. Und er arbeitet an Projekten zum Aufbau der jungen Demokratien in der arabischen Region. Es scheint, er sei öfter unterwegs als in Amsterdam, seinem Wohnsitz, den er mit seiner Lebensgefährtin teilt. Seine beiden Töchter, acht und 22 Jahre alt, leben in Brüssel und Berlin. Sie stammen aus zwei Ehen.

Der jetzigen Arbeit geht er seit Januar 2011 nach, seitdem die Revolutionen in der arabischen Region ihren Lauf nahmen. So arbeitete er an einem Projekt in Tunesien. Bei einer Kampagne in Ägypten ging es um den Schutz von bedrohten Tieren und um die wirtschaftliche Entwicklung einer Region im Süden. Nach den Workshops entwickelte man Kommunikationsstrategien. "Eine schlagkräftige Zivilgesellschaft und professionelle Journalisten, die gemeinsam Politiker quälen, sind nötig, um die arabischen Demokratien zu schaffen", sagt Hamdan. "Jetzt arbeite ich an einem Wahl-O-Mat in Libyen, für die Wahlen 2013."

Der Mann mit einem Faible für Motorräder verbrachte den Großteil seiner Kindheit im Libanon. Mit dem Ausbruch des libanesischen Bürgerkrieges 1975 änderte sich viel. "Die neunte Klasse hatte ich bereits in Beirut absolviert, aber wegen des Krieges machte im Mai 1975 alles dicht. Also fuhr ich ein Jahr Krankenwagen in West-Beirut. Keine appetitlichen Erinnerungen." Im Juni 1976 floh er mit seiner Mutter und seinen Geschwistern nach Uetersen. Sein Vater arbeitete weiterhin in leitender Funktion für die staatliche Krankenversicherung. Hamdan sprach kaum Deutsch und musste die neunte Klasse am Ludwig-Meyn-Gymnasium wiederholen.

Als 1977 im Libanon kurzfristig wieder Frieden herrschte, kehrte er zurück und schloss die zehnte Klasse ab. Im Sommer 1978 fuhr er mit dem neuen Motorrad von Beirut nach Uetersen. Später machte er in Beirut sein Abitur und studierte Politikwissenschaften in Hamburg, auch weil Uetersen in der Nähe liegt. Denn dort lebten Freunde und Verwandte. Er ging zur Deutschen Presse-Agentur und wurde 1989 Büroleiter in Manama. Politik mitgestalten war so nicht möglich. Schließlich musste er beim Schreiben der Berichte neutral bleiben. Er ging zu Greenpeace und baut später deren Büro in Beirut auf. Im Libanon entwickelte er Kampagnen zum Thema Müll und Industrieverschmutzung, das habe zwei Umweltministern die Karriere gekostet. "Bei Greenpeace habe ich insgesamt 13 Jahre lang nicht nur die Welt mit gerettet, sondern auch gelernt, wie politische Kampagnen gefahren werden. Es waren großartige Jahre, weil Greenpeace eine Schule für das Leben ist."

2005 leitete er für die Deutsche Post DHL die neue PR-Abteilung. Wirklich glücklich war er nicht. "Ich gehöre einfach nicht in die Unternehmenskultur. Ich bin zu sehr ein Produkt der Protestbewegung der siebziger und achtziger Jahre. Wir haben uns gütig getrennt." Zwei Jahre arbeitet er für die Organisation "Friends of the Earth Europe", dann wechselt er zum Arab Human Rigths Fund. Er zieht nach Amsterdam und wird unabhängiger Berater. Und er sagt: "Diktatoren stürzen geht schnell, eine stabile Demokratie aufbauen dauert 20 bis 40 Jahre. Nach dem Fall von Assad werde ich beim Aufbau einer freien syrischen Zivilgesellschaft dabei sein."

Informationen zum Beitrag

Titel
Nur noch kurz die Welt retten
Autor
Adrian Knop
Quelle
Frankfurter Allgemeine Zeitung, 08.05.2013, Nr. 106, S. N6
Projekt
Jugend schreibt
Kategorie
Print

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