Jennifer Anders, Tabea Knoblauch

Christian Hummel sitzt in einer Theologievorlesung über "Religionspädagogische Grundfragen" an der Pädagogischen Hochschule Ludwigsburg, und sein T-Shirt stellt die Frage: "Sind wir nicht alle ein bisschen Bluna?" Inzwischen finden seine Kommilitonen ihn als "wandelnde Werbesäule" nicht mehr befremdlich, da sie diese außergewöhnliche Art, das Studium zu finanzieren, bewundern. "Wenn Formel-1-Teams Sponsoren haben können, kann ich das auch", sagt Hummel. Vor etwa zwei Jahren hat er damit begonnen, 300 Briefe "oldschool per Post" an Unternehmen zu schicken, um diese als Sponsoren zu gewinnen. "Doch nur drei haben geantwortet."

Wider Erwarten brachten dagegen 644 E-Mails innerhalb von zwei Semestern ein deutlich besseres Ergebnis. Er konnte Bluna, Nokia oder die Kampagne "Don't drink and drive" als Sponsoren für sich gewinnen: Der 23-Jährige bietet den Kunden eine "Werbe-Woche" für einen Pauschalpreis von 99 Euro an. Nicht besonders viel, wenn man bedenkt, "wie viel eine Werbeanzeige in der Tageszeitung oder im Mitteilungsblatt unseres kleinen Kuhdorfes kostet", lacht der gebürtige Schlierbacher. Und genau diese Geschäftsidee hat eingeschlagen. Auf seiner Homepage www.sponsermystudium.de können Firmen seinen Kalender einsehen und ihn buchen, wenn denn noch eine Woche frei ist. Christian druckt das Firmenlogo auf ein T-Shirt und trägt es eine Woche lang rund um die Uhr und überall: in der Disko, beim Einkaufen und an der Uni. "Es gibt nichts Besseres, als für das, was mir Spaß macht, auch noch Geld zu bekommen." Lediglich bei Beerdigungen oder Vorstellungsgesprächen muss er für eine kurze Zeit aus seiner Rolle als "Werbeträger" schlüpfen. Doch für ihn ist diese Art von Studienfinanzierung kein Zwang.

"Die Grundidee des Projekts ist einfach eine finanzielle Beihilfe für mein Studium. Und der zweite Hauptgrund natürlich für mich: Spaß zu haben." So kann sich Christian auch in der Mensa, ohne zu überlegen, den Griff zum etwas teureren Bio-Essen leisten. Um seine Begeisterung über die Werbewoche mitzuteilen, stellt er Bilder auf Facebook, Twitter und seine Homepage, seine Kamera begleitet ihn.

Der schlaksige Student mit seiner aufgeschlossenen, temperamentvollen Art entspricht nicht dem Klischeebild eines "maulfaulen" Schwaben. Um als wandelnde Litfaßsäule perfekt gestylt zu sein, färbte er sich seine vorher blonden Haare schwarz, passend zu seiner Tom-Ford-Brille. Dazu trägt er eine blaue Adidas-Jacke, kontrastierend nun zu einem weißen T-Shirt, mit dem er einen Ausblick auf die kommende Werbewoche gewährt: "Missbraucht für Werbezwecke von tintenalarm.de." Die Hausschuhe von "Birkenstock bessergehen.com", die er auch als Werbegeschenk eines seiner "Topsponsoren" ergattern konnte, präsentiert er stolz.

Der angehende Grund- und Hauptschullehrer zeigt sich auch kreativ im Umgang mit modernen Medien und machte bei einem Video-Contest von Prinz Alexander von Anhalt mit. Dabei sollte der Prinz in seinem Musikvideo mit dem Slogan "Life is a Fight" neu interpretiert werden. Christian und Maximilian Unfried waren verblüfft, als der Prinz bei ihnen anrief und ihnen mitteilte: "Ihr habt gewonnen." Der Volltreffer: eine einwöchige Reise nach Hollywood, inklusive Flug und Fünf-Sterne-Hotel.

Das klingt alles nach einem chilligen Lifestyle, doch auf der anderen Seite pflegt der Student ein Hobby, das man eher mit alten Männern mit Strohhut und Pfeife in Verbindung bringt: "Hummel produziert Bienenhonig." Zusammen mit seiner Familie betreut er eine Reihe von Bienenvölkern. Die Honigproduktion geht über den Eigenbedarf hinaus, so kann Vater Eugen Hummel schon mal die Kollegen der Justus-von-Liebig-Schule Göppingen mit Honig beliefern. An dieser Schule hat Christian sein Abitur gemacht. Die Pädagogik scheint in der Familie zu liegen, denn auch Christians zwei älteren Brüder wollen Lehrer werden.

Informationen zum Beitrag

Titel
Jennifer Anders, Tabea Knoblauch
Autor
Jessica Fleischer
Schule
Justus-von-Liebig-Schule , Göppingen
Quelle
Frankfurter Allgemeine Zeitung, 15.05.2013, Nr. 111, S. N6
Projekt
Jugend schreibt
Kategorie
Print

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