Auf der Bühne klopft er gern auf Holz

Es sind die außergewöhnlichen Klänge und die Vielseitigkeit, die mich so am Marimbaphon faszinieren", sagt Pascal Tieke aus Sedelsberg im Landkreis Cloppenburg. Der große, dunkelblonde Gymnasiast spielt seit sechs Jahren Marimbaphon. Beim Transport des großen Instruments unterstützen ihn seine Eltern, auch den Lärm, der durch das viele Üben entsteht, nehmen sie gerne in Kauf, wenn am Ende Lernerfolge deutlich hörbar sind. Auf die Idee dazu brachte ihn sein Schlagzeuglehrer Alexander Malinowski nach fünf Jahren Unterricht: Seiner Meinung nach sollte ein guter Schlagzeuger mit seinen Schlägern noch mehr anfangen können als nur rhythmisch zu begleiten.

Mit dem Blasorchester Sedelsberg, das ihm die Finanzierung des Instruments ermöglicht hat, tritt Pascal mit seinem Marimba und anderen Percussionsinstrumenten regelmäßig auf. Seinen ersten größeren Auftritt hatte er mit elf Jahren bei einem Schülerkonzert. Jetzt möchte er den Bundeswettbewerb "Jugend musiziert" erreichen. Zunächst steht deshalb der Wettbewerb auf Kreisebene in Cloppenburg an. Der 16-Jährige übt täglich ein bis zwei Stunden. Er spielt etwa "DaMa Dance" von Nils Rohwer, ein rhythmisch anspruchsvolles Stück mit vielen melodischen Passagen. Ebenso gehört das sechsminütige, rhythmisch filigrane "Ghanaia" von Matthias Schmitt zu seinem Wettbewerbsprogramm. "Bei manchen komplizierten Stellen war ich kurz vorm Verzweifeln, immer wieder traten die gleichen Fehler auf. Es gab Situationen, da hätte ich am liebsten meine Mallets genommen und sie in die Ecke geschmissen. Umso größer ist dann die Freude, wenn endlich alles geklappt hat, wie ich es mir vorgenommen habe", sagt Pascal. "Es ist wichtig, nicht aufzugeben, falls etwas nicht auf Anhieb gelingt."

Im Januar stand die erste Station in Cloppenburg an. Alleine auf der Bühne und kritisch beäugt von drei Juroren und einem Vorsitzenden, musste Pascal abrufen, was er in den vielen Stunden einstudiert hat. War es vorher noch etwas zu laut im Raum, herrschte gespannte Stille. Das Publikum war fasziniert von den einzigartigen und für die meisten völlig neuen Klängen dieses Instruments. Auch die Jury war begeistert und gab mit 25 die bestmögliche Punktzahl. Trotz der Topleistung hatten die Juroren noch Tipps, wie Pascal seine Leistung verbessern kann: Mit Gestik und Körperhaltung soll er versuchen, die Aussage des Stückes zu vermitteln. Und er solle nicht nur aus dem Handgelenk spielen. So hat er sich für den Wettbewerb "Jugend musiziert" auf Landesebene qualifiziert. Im April ging es dann nach Hannover, um sich auf Niedersachsenebene zu messen. Der Konzertsaal der Hochschule für Musik und Theater ist größer, ebenso das Publikum, das geforderte Niveau und die Nervosität. "Allein auf der Bühne kam ich mir zuerst ziemlich verloren vor, doch als ich zu spielen begann, verdrängte ich das und genoss die wunderbare Akustik des Raumes", erzählt Pascal begeistert. Die Jury war überzeugt, dass er talentiert ist. Leider reichte es nicht zum Weiterkommen. Er belegte einen zweiten Platz. "Nach dem Auftritt war ich etwas enttäuscht, aber bin trotzdem stolz, es so weit geschafft zu haben. Im nächsten Jahr versuche ich es erneut. Mein Ziel ist es, später Berufsmusiker bei der Bundeswehr zu werden."

Informationen zum Beitrag

Titel
Auf der Bühne klopft er gern auf Holz
Autor
Felix Hoppe
Schule
Albertus-Magnus-Gymnasium , Friesoythe
Quelle
Frankfurter Allgemeine Zeitung, 03.07.2013, Nr. 151, S. N6
Projekt
Jugend schreibt
Kategorie
Print

Beruf und Chance

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