Manche tragen die Tierasche um den Hals

Stirbt das geliebte Haustier, wenden sich manche trauernde Besitzer an einen Tierbestatter. Zum Beispiel an Adrian Schmitt. Der lässt verstorbene Tiere seit zehn Jahren einäschern.

Olaf war der glücklichste Hund unter der Sonne und ein wichtiges Mitglied der Familie Maier. 15 Jahre lang war alles in Ordnung. Umso größer war die Trauer, als er an Altersschwäche starb. Dann stellte sich die Frage: Was macht man mit einem toten Tier, um ihm einen würdevollen Abschied zu gewähren? Eine mögliche Antwort gibt Adrian Schmitt in der Tierbestattung Rhein-Neckar in Ludwigshafen: die Kremation des Haustieres.

Seit 2003 betreibt Schmitt das Unternehmen, seit 2006 hauptberuflich. Eine Ausbildung brauchte er dafür nicht. "Man kann aufs Gewerbeamt gehen und sagen: ,Ich möchte Tierbestatter sein.' Was dann noch kommt, ist das Veterinäramt, das schaut sich die Fahrzeuge, die Räumlichkeiten und Kühlmöglichkeiten an", erklärt der große, kräftige Mann, der Jeans und ein kariertes Hemd trägt. Freundlich schaut er durch die rechteckigen Gläser seiner Brille.

Alles fing damit an, dass sein eigener Hund starb. Da es nicht selten vorkommt, dass andere Hunde oder Füchse im Garten vergrabene Tiere wieder ausgraben, suchte er nach einer Alternative für eine angemessene, sichere Bestattung seines Tieres. "Dabei dachte ich darüber nach, ob man das selbst auch anbieten kann in Zusammenarbeit mit einem Krematorium, und dann hat sich das halt langsam entwickelt." Die Hauptaufgabe des studierten Informatikers liegt im Transport der Tiere und im Fungieren als Mittelsmann zwischen Kunden und dem Tierkrematorium in Polch bei Koblenz. Ist das Haustier verstorben, genügt ein Anruf bei Schmitt, und er holt das Tier zu Hause oder beim Tierarzt ab. Das sei auch nach zehn Jahren der emotionalste Teil: "Manche Fälle machen auch heute noch zu schaffen, früher war das noch mehr. Da hat man noch viel mehr darüber nachgedacht, was da grade abgelaufen ist", erzählt er mit tiefer, ruhiger Stimme.

Nach der Abholung bringt Schmitt die Tierkörper direkt nach Altrip, das etwa zwölf Kilometer von Ludwigshafen entfernt liegt. Dort hat er in zwei Garagen einen Kühlraum eingebaut, wo die Tierkörper gelagert werden. Direkt bei Schmitts Laden ginge das nicht, da die große Kühlanlage Lärm verursacht, der die Anwohner stören könnte. Für den Fall jedoch, dass ein Kunde sein Tier zu ihm bringt, hat er dort eine kleinere Kühltruhe, deren Inhalt er abends auch nach Altrip bringt. Einmal in der Woche kommt dort ein Kühlwagen des Tierkrematoriums vorbei, um die Tiere abzuholen. Innerhalb von ein bis drei Tagen erfolgt die Einäscherung. Wer möchte, kann diesen letzten Weg mit seinem tierischen Freund gemeinsam gehen und bei der Kremation dabei sein oder diese per Webcam auf dem Computer mit verfolgen.

Wenn nicht, holt man die Asche einfach wieder in Schmitts Laden in Ludwigshafen ab, je nach Wunsch in einer kleinen Transportbox oder einer der Urnen aus einem Sortiment, das 300 Stücke umfasst: Zur Auswahl stehen unter anderem schlichte Holzurnen, kugelförmige aus bemaltem Glas, Urnen aus Naturstein in Form einer Pyramide und sogenannte Am-Urn-Lette, in denen kleine Mengen Asche aufbewahrt und um den Hals getragen werden können. Einige Modelle sind im Laden ausgestellt.

Der Preis richtet sich bei den Kremationen nach dem Gewicht des Tieres. Angenommen, man möchte einen Hund von stolzen 45 Kilogramm einäschern lassen, kostet dies 245 Euro. Die Urne, beispielsweise ein Stück aus Keramik, mit einem Fassungsvermögen von etwa drei Litern, zusätzlich 45 Euro. Einen Zuschlag gibt es außerdem für die Abholung zu Hause. Alternativ kann man das Tier im Laden in Ludwigshafen vorbeibringen. Dort findet man neben den ausgestellten Urnen auch eine kleine Sitzgruppe am Ende des Raumes. Auf dem Tisch steht eine Box mit Taschentüchern für die Kunden, die noch in Trauer sind.

Häufig fragen die Kunden, wie sichergestellt wird, dass die Asche in der Urne auch wirklich die des eigenen Haustieres ist. Die Antwort ist Vertrauen. Will man sichergehen, kann man bei der Kremation dem Tier zum Beispiel einen kleinen Schraubenschlüssel, der die Temperaturen bis zu 1200 Grad aushält, mitgeben, um ihn später in der Asche wiederzufinden.

Ausgleich zu dem nur wenig lustigen Beruf muss natürlich auch sein. "Ich mache viel Sport, mache viel mit meinem Sohn und bin auch viel unterwegs, und dann kann ich ganz gut abschalten", erklärt Schmitt. "Was das Ganze ein bisschen sabotiert, ist, dass ich 24 Stunden erreichbar bin und auch am Wochenende arbeite, das heißt, das Handy ist immer dabei. Das macht das Abschalten wiederum ein bisschen schwierig, aber ich kann damit ganz gut umgehen."

Vom Wellensittich bis zur Deutschen Dogge bekommt Adrian Schmitt so gut wie alles an Haustieren zu sehen, und zwar bis zu 15 Tiere die Woche. Sollte es deshalb mit der Fahrerei mal zu viel werden, springt gerne sein Vater ein. Für den Urlaub hat Schmitt eine Vertretung.

Erlebt er auch ab und zu etwas Lustiges? Er zögert und berichtet dann: "Einmal kam der Krematoriumsbesitzer angefahren. Ich mache die Tür auf, und dann war da so ein buschiger, langer Schweif und ich sagte: ,Das ist kein Hund.' ,Nein', war die Antwort, ,das ist ein Löwe.' Das Tier eines Zirkus war verstorben."

Tiere, die beim Tierarzt eingeschläfert werden und dort ohne Kremationsauftrag verbleiben, werden in einer Gruppenkremation zu zweit oder zu dritt kremiert und auf dem Tierfriedhof in Mannheim beerdigt. Oder ein Tierkörperbeseitigungsunternehmen kümmert sich um deren Entsorgung. In diesem Fall werden sie mit einem Lastwagen beim Tierarzt abgeholt und in eine Tierkörperbeseitigungsanlage gebracht, von denen es mehrere in jedem Bundesland gibt. Dort werden die toten Tiere zusammen mit Schlachtabfällen zerkleinert und bei 133 Grad einem Druck von drei bar ausgesetzt. So wird das Material keimfrei gemacht. Drucksterilisation nennt sich dieses Verfahren. Nach einer Trocknung durch Erhitzen werden von dem übrigen Produkt die Fette getrennt. Als Endprodukte bleiben Tiermehl und Tierfett übrig. Doch keines von beiden ist Abfall, sondern wird weiterverkauft. "Wir verkaufen das Tiermehl zum Beispiel an Stahlwerke oder andere energieintensive Betriebe. Das Tiermehl hat einen Heizwert wie Braunkohle", erklärt Paul Kill von der Tierkörperbeseitigung Sachsen. "Das Tierfett wird unter anderem Biodiesel beigemischt."

Generell dürfen Haustiere im eigenen Garten beerdigt werden, wenn sie mit 50 Zentimeter Erde bedeckt werden und nicht in der Nähe von öffentlichen Plätzen oder Wegen liegen. Andere Bestimmungen gelten bei der Feuerbestattung. Diese betreffen vor allem die Hygiene bei Lagerung und Transport. Es muss sichergestellt werden, dass, wenn die Kühlung ausfällt, alles weiterhin sicher und kühl gelagert werden kann. Verboten ist es, so erklärt Schmitt, Pferde zu bestatten, da ein Tier, sobald es Hufe hat, als Nutztier gilt, womit andere Vorschriften gelten, die in die Zuständigkeit eines Abdeckers oder der Tierkörperverwertung fallen.

Inzwischen hat Adrian Schmitt selbst wieder Haustiere: "Eine alte Katze und einen Mischling aus Golden Retriever und Bernhardiner, und die mögen sich unheimlich."

Informationen zum Beitrag

Titel
Manche tragen die Tierasche um den Hals
Autor
Katharina Fleckenstein
Schule
Albert-Einstein-Gymnasium , Frankenthal
Quelle
Frankfurter Allgemeine Zeitung, 24.07.2013, Nr. 169, S. N6
Projekt
Jugend schreibt
Kategorie
Print

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