Sonne sorgt für Sauberkeit

Schweizer Wasserprojekt hilft Menschen in Tansania  
Es wird Abend. In einem Dorf in der Nähe der Stadt Iringa mitten in Tansania wirft der Sonnenuntergang rotes Licht auf die Hütten. Auf dem Wellblechdach einer Hütte liegen vier Zweiliter-PET-Flaschen. Es gibt etliche Hütten, auf denen Flaschen in der Sonne glänzen. Frauen und Männer holen sie von den Dächern herunter und bringen sie in die Häuser. Während des ganzen Tages haben die wassergefüllten Flaschen in der Sonne gelegen. Das ist das Sodis-Projekt. Sodis steht für solar water disinfection und ist ein Projekt der EAWAG, des eidgenössischen Wasserforschungsinstituts.

Die Grundidee: Das Sonnenlicht wird zur Wasserreinigung eingesetzt. Wasser wird abgefüllt und ist nach ein paar Stunden in der Sonne entkeimt. Auf diese Art sauberes Wasser zu erhalten, klingt beinahe zu einfach, um wahr zu sein, aber in wissenschaftlichen Untersuchungen haben Forscher des Schweizer Instituts gezeigt, dass das Wasser in den durchsichtigen Flaschen tatsächlich durch die UV-A-Strahlen des Sonnenlichts entkeimt wird. Sechs Stunden liegt die Flasche in der Sonne, danach ist das Wasser keimfrei. Natürlich hilft diese Methode nicht bei chemischen Verunreinigungen oder bei Feststoffen im Wasser. Aber gerade die bakteriellen Verschmutzungen sind häufig das größte Problem in Entwicklungsländern. Im Vergleich zu alternativen Methoden wie dem Abkochen oder der Chlorung ist diese Methode beinah kostenlos.

Das größte Problem bei der Umsetzung der Methode ist überraschenderweise gerade deren Einfachheit. "Die Leute sind ungläubig, sie verstehen nicht, wie das funktionieren soll, und sind skeptisch. Sie erwarten große, teure Anlagen zur Wasserreinigung", sagt Monika Tobler. Die Biologin arbeitet an der EAWAG und ist mit vier Kollegen für die Verbreitung von Sodis verantwortlich. Nach ihrem Studium an der ETH Zürich hat Tobler unter anderem zwei Jahre in Burkina Faso gelebt. Man sieht ihr an, dass sie Spaß an ihrem Beruf hat. Immer wieder einmal ist sie in afrikanischen Ländern, um Projekte durchzuführen, aber meistens sitzt sie in ihrem Büro im obersten Stock des Instituts in Dübendorf nahe Zürich.

"Das fehlende Wissen der Menschen in Entwicklungsländern über das verunreinigte Wasser ist ein Problem", erklärt Monika Tobler und berichtet von Familien, die argumentieren, dass ihr Großvater auch schon von diesem Wasser getrunken hat und trotzdem 80 Jahre alt geworden ist. "Aber die Bedingungen haben sich geändert. Es leben immer mehr Menschen und Tiere nah an dem Wasser und verschmutzen es. Wenn man die Leute fragt, ob sie häufig krank sind, sagen sie nein. Wenn man sie fragt, ob sie Durchfall haben, antworten sie ja. Für sie ist Durchfall normal." Dank Sodis bekommen weniger Menschen Durchfallerkrankungen. Vor allem Kinder sterben in Ländern wie Tansania häufig an Durchfall. Medikamente sind für die Familien zu teuer, und jede Erkrankung bringt einen wirtschaftlichen Verlust durch verlorene Arbeitszeit.

Verhaltensänderungen brauchen Zeit. Die Familien hören oft wieder auf mit der Methode, weil sie die Flaschen verlieren oder für anderes verwenden. "Die Konsequenzen beim Trinken von schmutzigem Wasser sind nicht sofort spürbar. Es ist wie Zahnseide bei uns, jeder weiß, man sollte sie benutzen, weil man sonst Löcher bekommen kann, doch nur wenige tun es wirklich regelmäßig", sagt Monika Tobler. Oft ist es entscheidend, dass der Dorfoberste die Methode anwendet oder die Krankenschwester dazu rät. Erst dann hören die Leute wirklich auf die Ratschläge, und Sodis wird zum Statussymbol.
 

Informationen zum Beitrag

Titel
Sonne sorgt für Sauberkeit
Autor
Ronja Seibert
Schule
Kantonsschule Limmattal , Urdorf
Quelle
Frankfurter Allgemeine Zeitung, 07.08.2013, Nr. 181, S. N6
Projekt
Jugend schreibt
Kategorie
Print

Beruf und Chance

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