Therapie auf vier Hufen

Zwischen Weinbergen, Klatschmohnwiesen und Acker-Senf liegt in Flörsheim-Dalsheim, mitten in Rheinhessen, der kleine und familiäre Hof von Nora Ringhof. Zu ihr kann jeder kommen, der die Liebe zum Pferd für sich entdeckt hat, denn bekanntlich liegt das Glück der Erde ja auf dem Rücken der Pferde. Aus diesem Grund bietet die Sozialpädagogin und Reittherapeutin nicht nur klassische Reitstunden, Springen, Dressur und Voltigieren an, sondern auch therapeutisches Reiten für Menschen mit körperlicher oder geistiger Beeinträchtigung, zur Traumatherapie oder zur Förderung motorischer Fähigkeiten. "Während meiner Studienzeit rief ich ein Pferdeprojekt mit behinderten Menschen der Lebenshilfe ins Leben und war total begeistert, wie toll das anlief. Davor als Reittrainerin hatte ich unter anderem ein blindes Mädchen, dem ich Unterricht gab", sagt sie stolz.

Es ist acht Uhr: Die sechs Therapiepferde müssen gefüttert und geputzt werden. Liebevoll streicht die mittelgroße Frau einer Haflingerstute über die Nüstern und legt frisches Heu bereit. Zwei Stunden später stürmen die ersten Klienten auf den Hof: sieben Kinder im Alter von zwei bis elf Jahren mit Downsyndrom. Da der Tag nach dem Motto "Indianer" ausgerichtet werden soll, werden die Kinder zunächst mit der typischen Bekleidung ausgestattet. In einem Karton in der Sattelkammer liegen Wildlederhosen, Jacketts und Kleider, alles mit langen Fransen und bunten Federn. Nachdem jedes Kind sein passendes Outfit gefunden hat und mit Kriegsbemalung geschminkt wurde, eilen alle zu den beiden Pferden, um sie sorgfältig zu putzen, zu streicheln und ihnen mit Wasserfarben ebenfalls eine passende Bemalung zu verpassen. Sanft streichen sie mit dem Pinsel über das helle Fell des Pferdes und erzählen je nach ihren Fähigkeiten, was sie am Wochenende alles erlebt haben und welche Erwartungen sie an diesen Tag stellen.

Nachdem jedes Kind mit einem Helm ausgestattet worden ist, werden die Pferde zugeteilt, das löst Streitigkeiten aus. Doch Nora Ringhof, die Reittherapie seit 1998 anbietet, meistert die Situation mit Einfühlungsvermögen, so dass jedes Kind zufrieden ist. Auf dem Programm für den Vormittag stehen Reitstunden in der Halle. Dabei können die Kinder abwechselnd mit Hilfestellung der Reittherapeutin reiten und führen. Außerdem wird die Stunde mit pädagogischen Spielen bereichert, um jedes Kind gezielt zu fördern: So versuchen die Kinder zum Beispiel Plastikringe über eine Stange zu werfen. Schon nach der ersten Runde zu Pferd sieht man strahlende Augen. Geschickt versuchen sie die an sie gestellten Aufgaben zu meistern.

"Mich begeistert die intensive Beziehung zwischen Mensch und Pferd, die für eine erfolgreiche Therapie wichtig ist. Und es ist sehr schön, mit so unterschiedlichen Menschen über das Medium Pferd so große Fortschritte erzielen zu können. Und nicht zuletzt begeistert mich der unermüdliche und selbstlose Einsatz der Tiere, die ganz offen und natürlich auf jeden Menschen, egal welche Beeinträchtigung er haben mag, zugehen und ihn körperlich, seelisch und emotional bewegen können", erzählt Nora Ringhof.

Nach einer kleinen Stärkung vom Grill geht es am Nachmittag mit einem Ritt im nahe gelegenen Gelände weiter. In der schönen Hügellandschaft von Rheinhessen gibt es immer wieder Neues aufzuspüren und zu erkunden. Um 16 Uhr ist der Indianertag vorbei. Die Kinder berichten ihren Eltern aufgeregt von ihren Erlebnissen.

Am Ringhof werden viele Förderungen angeboten. "Kontraindikationen sind vor allem Allergien, akute entzündliche Prozesse und bestimmte Wirbelsäulen- und Hüfterkrankungen", erklärt die blonde Frau. "Außerdem ist zu bedenken, dass Reiter mit einem zu hohen Gewicht eine zu starke Belastung für den Pferderücken darstellen und nur unzureichend gesichert werden können."

Informationen zum Beitrag

Titel
Therapie auf vier Hufen
Autor
Susanne Lingler
Schule
Gymnasium am Römerkastell , Alzey
Quelle
Frankfurter Allgemeine Zeitung, 18.09.2013, Nr. 217, S. N6
Projekt
Jugend schreibt
Kategorie
Print

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