Fliegende Steine

Es fasziniert mich, die Geschwindigkeit des Anlaufs in den Abstoß umzusetzen", sagt der für den TSG Eppstein werfende Konstantin Steinfurth, "es ist ein tolles Gefühl, den Stein fliegen zu sehen." Sein Vater ist der 68-fache Meister im Steinstoßen Klaus Steinfurth. Die Sportler stehen auf einem Feld, das ein bisschen an einen Fußballplatz erinnert, nur ohne Tore und mit einem Hammerwurfnetz an einer Ecke. Es ist der erste Werfertag des Turniers des TV 1848 Edenkoben in Flemingen. Angetreten sind neun Teilnehmer in unterschiedlichen Gewichtsklassen, was förderlich für die Motivation ist, denn so gibt es nur Gewinner. Die Steine fürs Steinstoßen sind schwarz oder dunkelblau.

Steinstoßen ist eine alte Sportart. Steine wurden in der Urgeschichte als Wurfgeschosse verwendet, und daraus entwickelte sich ein Spiel. Laut Reiseberichten wurde in Basel schon im 13. Jahrhundert steingestoßen, und im 15. Jahrhundert gab es auf den Schützenfesten in Deutschland Steinstoßen als Spiel. Offiziell wurde Steinstoßen zum ersten Mal 1860 beim ersten Deutschen Turnfest in Coburg vorgestellt. Bei den Deutschen Meisterschaften im Ringen und Gewichtheben 1913 wurden die ersten Meister im Steinstoßen ermittelt. Heute gehört Steinstoßen dem Rasenkraftsport an und wird von dem Deutschen Rasenkraftsport- und Tauzieh-Verband beaufsichtigt.

Wie für jede offizielle Sportart gibt es klar festgelegte Regeln. So werden die Sportler nach Altersklassen und nach Geschlecht aufgeteilt. Zum Beispiel müssen Männer von 20 bis 29 mit einem Stein von 15 Kilogramm antreten, und Frauen von 20 bis 29 stoßen mit einem 7,5 Kilogramm schweren Wurfgerät. Außerdem ist festgelegt, dass der Stein auch beim Anlauf von ungefähr 15 Metern nur einarmig getragen werden darf.

In der modernen Version des Steinstoßens wird ein drei bis 15 Kilogramm schwerer Metallquader einarmig so weit wie möglich gestoßen. Es ist aber auch möglich, mit einem Naturstein zu stoßen. "Ich habe lange Zeit Leichtathletik gemacht. Dann kam ich über einen Kollegen zum Rasenkraftsport und damit zum Steinstoßen", erzählt Stefan Münch, ein Industriemeister Energietechnik in einem blauen Jogginganzug, der seit 13 Jahren den Stein stößt. Er ist Mitglied im TV Edenkoben. "Ein Ehemaliger Vereinskamerad hat mit dem 15 Kilogramm schweren Stein einen Deutschen Rekord gestoßen. Er hat den alten Rekord von 8,90 Meter auf 9,41 Meter verbessert, aber dann wurde der Stein nochmal gewogen, und er war wenige Gramm zu leicht."

"Es läuft manchmal gut, manchmal schlecht, und genau das ermuntert einen, immer weiterzumachen und beim nächsten Mal noch besser zu sein", ergänzt sein Sohn Marcel Münch, der seit fünf Jahren Steinstoßen ausübt. "Es ist möglich, überall zu trainieren", sagt Vater Stefan Münch, "man kann einfach einen Stein nehmen und auf ein Feld gehen."

Eine besondere Variante des Steinstoßens ist das sogenannte Ultrasteinstoßen. "Beim Ultrasteinstoßen geht es darum, den Stein so weit wie möglich fallen zu lassen", sagt Markus Geier, der amtierende Meister im Ultra-Stein-Duathlon in der Altersklasse Männliche Jugend B. In dieser Altersklasse wird zweimal gestoßen, das erste Mal mit einem 12,5 Kilogramm schweren, das zweite Mal mit einem 25 Kilogramm schweren Stein.

Bei den erwachsenen Männern wiegt der Stein 25 beziehungsweise 50 Kilogramm, 15 und 30 Kilogramm bei den Frauen und 12,5 und 25 Kilogramm bei den Senioren. Doch hier wird mit zwei Armen gestoßen, da man sonst einen 25 Kilogramm schweren Stein nicht hochheben könnte. "Ich kann es nur jedem empfehlen, das Steinstoßen einmal auszuprobieren. Man kann sich durch fleißiges Training schnell verbessern", betont Stefan Münch.

Informationen zum Beitrag

Titel
Fliegende Steine
Autor
Arkadi Syrov
Schule
Albert-Einstein-Gymnasium , Frankenthal
Quelle
Frankfurter Allgemeine Zeitung, 16.10.2013, Nr. 240, S. N6
Projekt
Jugend schreibt
Kategorie
Print

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