Sie genießen das Gewusel

Der Alltag mit neun Kindern

Der Säugling liegt sanft in ihrem Arm. Lächelnd schaut Monika Schmitt (alle Namen geändert) auf ihn. Sie fühlt sich in ihrer großen Familie mit ihren neun Kindern wohl. "Ich könnte es mir anders gar nicht vorstellen, ich brauche das Gewusel und das Leben um mich herum." Sie sitzt am Esstisch, während Sarah und Luca im Wohnzimmer toben. Die 14 Jahre alte Laura kümmert sich um die fünfjährige Christin. Beide Eltern waren sich einig, dass sie viele Kinder haben möchten, dass es jedoch auf gemeinsame sechs Kinder plus die drei Kinder aus den ersten Ehen hinausläuft, war nicht geplant. "Es sind alles ungeplante Wunschkinder", erklärt sie mit einem herzhaften Lachen.

Dieter Schmitt hat aus erster Ehe ein Kind und Monika zwei Kinder mit in die damals wachsende Patchwork-Familie gebracht. Als er 1999 ihretwegen in ihren Heimatort in Nordhessen zog und sie 2003 ihr Haus kauften, war Monika jung. Mit 23 Jahren kam sie mit dem Chef ihres Exmannes zusammen. Wie sie Zeit für sich, ihre Beziehung und die Kinder findet, scheint magisch. Fünf Kinder gehen zur Schule, Christoph, 16 Jahre alt, macht eine Ausbildung bei seinem Vater. Dieter Schmitt ist Restaurator im Zimmerhandwerk.

Die anderen drei Kinder sind im Kindergarten. Für den Säugling hat Monika Mutterschutz von ihrer Arbeitsstelle als Erzieherin bekommen. Eigentlich wollte sie nach ihrem Fachabitur Soziologie studieren. "Im Nachhinein hätte ich vielleicht erst studieren sollen und dann meine Kinder bekommen, aber es hätte an der Ausgangssituation auch nichts geändert."

Das Einzige, was ihr stimmiges Familienleben manchmal stört, sind die Vorurteile von Außenstehenden, die sich über ihre Familiengröße aufregen. "Ich lasse es an mir abprallen, wenn ich mal auf Ablehnung stoße. Außerdem bin ich viel in der Gemeinde tätig, weswegen mich viele kennen und mich trotz meiner hohen Kinderanzahl respektieren." Der Vorwurf, dem sie häufig von älteren Mitbürgern ausgesetzt ist, ist die Frage, ob sie genug Zeit für jedes Kind hat. "Ich bin, wenn ich nicht arbeite, ganztägig zu Hause, und meine Kinder helfen viel im Haushalt, deswegen finde ich für jeden am Tag zumindest einige Minuten."

Abends nimmt sie sich die Zeit, mit jedem Kind etwas zu spielen oder zu kuscheln. Große Verzichte gebe es nicht. Alle fahren öfters gemeinsam in den Urlaub. Fast jedes der Kinder hat entweder ein musisches, kreatives oder sportliches Hobby. "Von Ballett über Fußball bis hin zu Klavier ist bei uns alles vertreten." Durch das Gehalt ihres Mannes, das Kindergeld und andere Zuschüsse sei es möglich, das teure Familienleben zu finanzieren, versichert sie. Dafür muss ihr Mann hart arbeiten. Von neun bis 22 Uhr steht er auf Baustellen. Am Wochenende erledigt er seine Büroarbeit. "Ich bezahle auch schon mal für einen Einkauf 340 Euro. Gott sei Dank geht es uns durch Dieter finanziell gut."

Bis abends alle Kinder im Bett sind, dauert es lange. "Alle dürfen aufgrund des Alters ja verschieden lang aufbleiben." Das ist für Monika Schmitt anstrengend, da sie um 4.45 Uhr aufstehen muss. Vom Broterichten für die Schulkinder bis hin zum Wickeln des Babys muss sie alles alleine bewältigen. Die einzige Hilfe, die die 36-jährige Mutter ab und zu bekommt, kommt von ihrer Schwester. Die Großeltern sind zu alt, um zu helfen. "Hilfe brauche ich aber eher selten", sagt sie munter, "außerdem helfen sich die Kinder viel gegenseitig. Das einzige Problem taucht auf, wenn ich krank bin, aber da muss ich durch." Dann bricht "ein wenig Chaos aus", gibt sie zu. Manchmal brenne zum Beispiel das Essen an.

"Der einzige Wunsch, den ich und die Kinder haben, ist ein größeres Haus, da sich die Kinder momentan zu zweit oder zu dritt ein Zimmer teilen müssen. Alles andere löst sich von selbst."

Informationen zum Beitrag

Titel
Sie genießen das Gewusel
Autor
Dustin Hoffmann
Schule
Weidigschule , Butzbach
Quelle
Frankfurter Allgemeine Zeitung, 30.10.2013, Nr. 252, S. N6
Projekt
Jugend schreibt
Kategorie
Print

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