Der Tag ist durchgeplant bis zum Zuckertütchen

Lina Caroli ist Hochzeitsplanerin / Ihr gefällt die Kombination aus Kreativität und kaufmännischer Arbeit Das Brautpaar lacht, während es herzförmige rosarote und weiße Ballons über sich aufsteigen sieht. Es sind die Hauptfarben ihres Hochzeitstages. Rot steht für die Liebe, Weiß für die Reinheit. Mischt man diese Farben, erhält man Rosarot. Es ist der 4. August 2009 in der Nähe von Brindisi. Der Tag in Apulien wurde bis ins Detail geplant: die Hochzeitseinladungen, das Kirchenheft mit Illustration der Kirche, die personalisierte Zuckertüte als Highlight für den Espresso, der Tortenanschnitt und das Dessertbuffet. Das Brautpaar kann trotzdem jeden Moment mit den Gästen genießen, denn vor Ort gibt es zwei Hochzeitsplaner, die für die Koordination des Tages zuständig sind.

So beschreibt Lina Caroli, die Anfang dreißig ist, lächelnd ihren Hochzeitstag. Sie hat langes braunes Haar und freundliche Augen. Die Hochzeit, von der sie erzählt, führte dazu, dass sie 2009 mit ihrem Ehemann ihre eigene Eventagentur CaroliEventi in Effretikon, etwa 20 Kilometer nordöstlich von Zürich, gegründet hat. "Als ich mit der Planung meiner eigenen Hochzeit angefangen hatte, war für mich schnell klar, dass mich die Welt der Hochzeiten fasziniert und nicht mehr so schnell loslassen würde. Die vielen positiven Feedbacks nach unserer Hochzeit führten uns dazu, kurz darauf eine Ausbildung zum Hochzeitsplaner in Mailand abzuschließen. Seitdem begleite ich zusammen mit meinem Ehemann Brautpaare auf dem Weg zu ihrer Traumhochzeit."

Jedes Brautpaar hat seine eigenen Vorstellungen einer perfekten Hochzeit. Ein Hochzeitsplaner hat die Aufgabe, das Brautpaar vor und während der Hochzeit zu betreuen, es bei der Planung und Organisation zu unterstützen, für einen reibungslosen Ablauf zu sorgen und die Vorbereitungen für das Paar so stressfrei wie möglich zu gestalten. "Organisation, Verlässlichkeit und ein bisschen Psychologie sind die Eigenschaften, die eine Hochzeitsplanerin mitbringen muss", erklärt Lina Caroli.

Einen typischen Arbeitstag gibt es nicht. Mal schneidet und klebt sie den ganzen Tag lang Hochzeitseinladungen, mal holt sie Offerten bei Fotografen, Musikern und anderen Dienstleistern ein, mal telefoniert sie mit dem Pfarrer, Standesamt oder der "Location" und klärt Termine ab. Das ergibt einiges an Recherche- und Planungszeit im Büro. Oft wird sie auch gebeten, die Braut beim Kauf ihres Brautkleides zu begleiten. Es gibt viele gemeinsame Termine mit dem Brautpaar. Es gibt Tage, an denen Angebotsvergleiche und Kalkulationen zusammengestellt werden müssen. An manchen Tagen liest sie auch einfach Brautmagazine und informiert sich über Trends. Der Hochzeitstag ist nur das große Finale einer langen Planungszeit.

Natürlich läuft nicht jede Planung problemlos ab. Einige Brautpaare leiden kurz vor dem Hochzeitstag so unter emotionalem Stress, dass sie ein wenig zickig werden. In solchen Situationen ist Diplomatie angesagt. Ein Lächeln helfe oft mehr als 1000 Worte. Bei einer Hochzeit blieb die ganze Hochzeitsgesellschaft samt Brautpaar aufgrund eines Unfalls im Stau stecken. Lina musste sofort die Leute am Veranstaltungsort informieren und den Zeitplan für Apéro, Fotosession, Essen und Abholdienst ändern. Glücklicherweise kam es nur zu einer einstündigen Verspätung mit dem Beginn des Hochzeitsessens, und der Abend verlief danach nach Plan.

Die meisten Hindernisse entstehen jedoch durch das Budget: "Jedes Paar hat eine Budgetvorstellung, und diese muss natürlich berücksichtigt werden. Das ist natürlich nicht der schönste Teil unserer Arbeit, vor allem wenn sich ein Paar etwas wünscht, das nicht in seinem Budget liegt." Caroli ist trotzdem zufrieden: "Mir gefällt die Kombination aus Kreativität und kaufmännischer Arbeit. Es bleibt immer spannend. Man muss individuell auf jedes Paar eingehen und zu seiner Inspiration viele kreative Ideen, Bilder und Farbkonzepte zusammenstellen. Am schönsten ist es, am Hochzeitstag vor Ort zu sein, zu sehen, wie glücklich das Brautpaar ist und wie viel Spaß die Gäste haben. Aber auch die spontane Begeisterung, wenn Braut und Bräutigam unsere Dekoration das erste Mal sehen, ist toll. Spätestens zu diesem Zeitpunkt ist all der vorherige Stress vergessen."

Sie hat schon viele Feiern geplant, aber einen Favoriten: "Als ich im September bei einer Hochzeit in Schaffhausen am Hochzeitstag den Saal betrat, den wir zu zweit am Vortag bis tief in die Nacht dekoriert hatten, blieb mir fast der Atem weg. Das ausgewählte Lichtdesign entlang der Säulen erwies sich als eine gute Entscheidung. Mit der Blumendekoration, die am Morgen die Floristin gemacht hat, sahen die weiß gedeckten Tische und Stühle einfach perfekt aus. Es handelte sich um eine serbisch-italienische Hochzeit mit großer Hochzeitsgesellschaft. Ein wunderbarer Tag!"

Wozu soll man einen Hochzeitsplaner anstellen, wenn man auch selbst in der Lage ist, diesen Tag zu planen? "Meiner Meinung nach ist die durch einen Wedding Planner ersparte Zeit und Sicherheit bei der Dienstleisterwahl der entscheidende Faktor. Man ist nicht stundenlang mit Recherche von Locations, Fotografen, Floristen und Konditoren beschäftigt, sondern wählt einfach aus den dargebotenen Varianten aus. Wir bekommen oft Rabatte und geben diesen Preisvorteil unseren Kunden weiter."

Einen Rat hat sie noch: "Es ist ganz wichtig, dass jedes Brautpaar an seinem schönsten Tag das macht, worin sich die beiden am meisten wiederfinden, und dass sie sich nicht auf zu viele Kompromisse einlassen, um vielleicht der Familie oder Freunden zu gefallen."

Informationen zum Beitrag

Titel
Der Tag ist durchgeplant bis zum Zuckertütchen
Autor
Marta Lapcic
Schule
Kantonsschule Limmattal , Urdorf
Quelle
Frankfurter Allgemeine Zeitung, 13.11.2013, Nr. 264, S. N6
Projekt
Jugend schreibt
Kategorie
Print

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