Energie beim fröhlichen Jive

Flavio mag Paartänze und nimmt an Turnieren teil Die breite Treppe seitlich des ausgelegten Holzbodens dient den Zuschauern als Sitzgelegenheit mit guter Sicht auf die Tanzfläche. Der Geruch von Haarspray, Parfüm und Bräunungscrème liegt in der Luft, denn in der Universität Irchel, drei Kilometer nördlich von Zürichs Zentrum, wird heute ausnahmsweise getanzt. Flavio De Sá und seine Tanzpartnerin sind eines von den 29 Paaren, die am Standard-Latein-Tanzturnier teilnehmen.

Sie besprechen Details, wollen sich vor allem auf die Technik der Beine und die Haltung konzentrieren. Flavio ist 17 Jahre alt, in der Schweiz aufgewachsen, jedoch ursprünglich aus Portugal. Er macht eine Ausbildung als Kaufmann im Kundendienst einer Autofirma in Urdorf nahe Zürich. Flavio hat dunkelbraunes Haar, das mit viel Gel nach hinten gekämmt ist. Er trägt ein schwarzes Turnieroutfit mit Glitzersteinen und einer weißen Startnummer auf dem Rücken. Flavio tanzt seit dem achten Lebensjahr leidenschaftlich gern Paartanz. "Mein Lieblingstanz ist die Samba", sagt er.

Jedes Turnierpaar wird in eine Leistungsklasse und in eine Alterskategorie eingestuft. Als Anfänger startet man in der Klasse D, darauf folgen die Kategorien C, B, A und S, die beste Klasse. "Im Moment tanze ich in der Hauptklasse in der Kategorie B bei den Lateintänzen und brauche noch drei Plazierungen, um in die Kategorie A zu kommen." Immer mehr Tänzer wärmen sich auf. Die Frauen haben ihre Haare zu einem Pferdeschwanz gebunden oder tragen einen Haarknoten. Eltern und Verwandte geben beim Üben Anweisungen wie "schnellere Beine", "achtet auf die Haltung" oder "streckt die Füße". Ein Mädchen ist gerade mit den acht Zentimeter hohen Tanzschuhen umgeknickt. Sie bekommt einen Verband und tanzt die Schrittfolge gleich nochmals. Wegen einer Verstauchung nicht mehr teilzunehmen, scheint für sie nicht in Frage zu kommen.

Flavio trainiert dreimal in der Woche zwei Stunden. Davon ist eine Stunde eine Privatlektion für das Paar, der Trainer studiert individuelle Choreographien ein. Alle zwei Wochen geht er zusätzlich in ein Latein-Gruppentraining.

Sieben Wertungsrichter beurteilen nach den Kriterien Rhythmus, Musikalität, Haltung, Technik, Gesamteindruck und achten darauf, ob das Paar harmoniert. Eine wichtige Rolle spielen das Aussehen und das selbstbewusste Auftreten der Tänzer. Die maßgeschneiderten Kleider sind teuer. Mit den Schuhen, Hosen und dem Oberteil zahlt man 700 bis 1300 Schweizer Franken. Die meisten Tänzer haben ihre Kleider etwa ein Jahr lang und verkaufen sie danach wieder, um neue zu kaufen. Am Vorabend eines Turniers nimmt Flavio Kohlenhydrate zu sich. Am letzten Tag vor dem Turnier pausiert Flavio mit Trainieren, damit er am entscheidenden Tag die volle Leistung erbringen kann.

Mit seiner Partnerin ist er befreundet, aber sie sind im wirklichen Leben kein Paar. Eine Sambamusik ertönt. Bei den unterschiedlichen Tänzen muss man verschiedene Gefühle verkörpern und den richtigen Gesichtsausdruck haben. Bei der Rumba, dem Tanz der Liebe, sollte man die Verliebtheit mit dem Partner darstellen können, und beim fröhlichen Jive sollte man Freude und Energie ausstrahlen. "Die Gefühle sollten für das Publikum echt wirken, aber normalerweise ist alles geschauspielert", sagt Flavio. Generell gilt beim Tanzen aber zu lächeln. Auch wenn bei jedem Tanz Höchstleistungen gefragt sind, darf man sich die Anstrengung im Gesicht nicht anmerken lassen. Besonders schwierig sei dies beim schnellen Jive, der an den Turnieren immer als Letztes getanzt wird, da müsse man nochmals alles geben. Die Leistung dieses schnellen Tanzes kann man gut mit der Leistung eines 100-Meter-Sprints vergleichen.

Lateinamerikanische Rhythmen sorgen für gute Laune, einige Leute tanzen neben dem Parkett mit. Mit dem achten Platz in der Hauptklasse von 29 Paaren sind Flavio und seine Tanzpartnerin zufrieden.

Informationen zum Beitrag

Titel
Energie beim fröhlichen Jive
Autor
Celina Urban
Schule
Kantonsschule Limmattal , Urdorf
Quelle
Frankfurter Allgemeine Zeitung, 13.11.2013, Nr. 264, S. N6
Projekt
Jugend schreibt
Kategorie
Print

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