Frankfurter Allgemeine Zeitung, 27.11.2013, Nr. 276, S. N6

Paul Daly aus Dublin betreibt einen irischen Pub neben der Frauenkirche / Hurling und Gaelic Football

Es ist Freitagabend, die Lichter Münchens leuchten, und es herrscht eine ausgelassene Feierabendstimmung in der bayrischen Hauptstadt. Vor allem aus einer Bar im Untergeschoss des Frauenplatzes 11, direkt neben der Frauenkirche, dringen lachende Stimmen und das Klirren von Gläsern. Hier ist nicht irgendeine Bar, sondern der Irish Pub "Kilians". Innen ist es gemütlich, die Wände sind voll mit Holzvertäfelungen, Bildern und Regalen mit Vasen, Gläsern und Krügen darauf. Alles hier erinnert an Irland, sogar die Fenster sind grün, Irlands typische Farbe.

Weshalb diese Art von Bar so besonders ist, erklärt ihr Besitzer, der geborene Dubliner Paul Daly: "In fast allen Irish Pubs, die es überall auf der Welt gibt, herrscht die gleiche Atmosphäre. Die Menschen heißen gerne Gäste willkommen, es wird gesungen, und für viele Besucher ist es schön, hier Englisch sprechen zu können. Wenn jemand zum Beispiel aus Amerika hierher kommt, weiß er genau, was ihn erwarten wird." Der Gastronom kam vor 30 Jahren nach München, zuvor hatte er nach dem Abitur vier Jahre in einer Bank gearbeitet und ein Management-Diplom gemacht. "Es gab damals mehr Iren hier als heute, jedoch keinen Pub. In jeder anderen großen Stadt in Deutschland gab es welche, also war der Bedarf in München groß." Heute besitzt Paul Daly auch noch die "Kennedy's Bar & Restaurant" am Sendlinger Tor. Der 56-Jährige ist Vorstandsvorsitzender des Deutsch-Irischen Freundeskreises Bayern, der versucht, die Kultur der Grünen Insel in Bayern zu verbreiten und die zwei Völker miteinander bekanntzumachen. Dies gelingt durch eine Reihe von kulturellen Festen, wie zum Beispiel die Feier am St. Patrick's Day, dem Feiertag zu Ehren des Schutzpatrons der Iren. Meist findet sie in München am Sonntag vor dem 17. März statt, dem Namenstag des Patrons, damit möglichst viele Besucher kommen können.

Der Münchner St. Patrick's Day ist der größte auf dem europäischen Festland. Er bietet ein großes Spektakel mit seiner riesigen Parade, die jedes Jahr mehrere Tausend Zuschauer anzieht. Irische Tanzgruppen und Bands treten auf, und viele tragen möglichst grüne Kleidung. In diesem Jahr leuchtete dafür sogar erstmalig die Allianz-Arena in strahlendem Grün.

Selbstverständlich gibt es auch andere Veranstaltungen, zum Beispiel das Greenfarm Festival im Juni, bei dem Musik aufgeführt, getanzt und irischer Sport betrieben wird, wie "Hurling" oder "Gaelic Football", eine Mischung aus Rugby und Fußball. Zusätzlich gibt es kulturelle Abende, wo irische Schriftsteller wie Oscar Wilde oder James Joyce vorgestellt werden. "Wir bekommen sehr viel Unterstützung bei der Organisation dieser Events", sagt Daly. "Ohne die achtzig deutschen und irischen Vereinsmitglieder und Helfer würden wir das alles gar nicht schaffen. Auch das Münchner Tourismusamt unterstützt uns."

Als nächstes größeres Projekt wird vom Verein geplant, München und Dublin als Partnerstädte zu vereinen. Laut Daly ähneln sich beide Metropolen sehr, da sie modern und traditionell zugleich sind. "Auch hat Dublin in Deutschland noch keine Partnerstadt, und so könnten wir das Interesse der nächsten Generation an der bayrisch-irischen Freundschaft entfachen." Zudem habe Bayern schon lange mit den Inselbewohnern zu tun: Die bayrische Grußformel "Grüß Gott" komme vom gälischen "Dia dhuit", und die Mutter des ersten Bischofs von Freising, Korbinian, war Irin. "Die Bayern und die Iren haben seit fast 1500 Jahren eine Verbindung", erklärt der dunkelhaarige Daly, der selbst in einer Band spielt. "Es gibt ähnliche Traditionen in beiden Völkern, vor allem was die Hausmusik angeht. Ich denke, dies erleichtert unsere Tätigkeit sehr."

Bei solch einer Leidenschaft für das Vaterland liegt natürlich die Frage nahe, ob Paul Daly nicht wieder zurück auf die grüne Insel möchte. "Wie viele Iren würde auch ich gerne wieder nach Irland ziehen oder zumindest im Alter mehr Zeit dort verbringen. Allerdings habe ich hier meine Kinder, meine Frau und meine Arbeit, also ist das im Moment eher schwierig. Glücklicherweise dauert es mit dem Flugzeug nicht lang von hier nach Dublin." Trotz gelegentlichem Heimweh geht es dem bärtigen Gastronomen gut. Er ist einer von 2000 Iren im Münchner Großraum, wobei es immer weniger Nachwuchs gibt. "Es gibt viele junge Iren, die in englischsprachige Länder auswandern, wodurch sich ihre Anzahl hier verringert."

Aber nicht nur die irische Community ist an der Gestaltung von Festen beteiligt. Oft arbeitet Daly mit anderen britischen Gemeinden zusammen, wie zum Beispiel mit den Caledonians, den Schotten. "Wir sind uns in vieler Hinsicht ähnlich. So macht es immer viel Freude, zusammen Musik zu machen oder Sport zu schauen. Vor allem wenn dieser, wie zum Beispiel Rugby, in München nicht so beliebt ist wie in der Heimat."

Auch einige witzige Situationen hat der Dubliner, der neben der Guinness-Brauerei aufgewachsen ist, im Laufe seiner Arbeit schon erlebt. "Für mich wie auch für viele andere Immigranten war Deutsch zu lernen anfänglich etwas schwierig. So passierten hin und wieder Missverständnisse. Zum Beispiel erzählte ich bei einem Radiointerview einmal, dass St. Patrick, der der Legende nach alle Schlangen aus Irland vertrieb, alle Schnecken verbannte. Niemand hat verstanden, was an Schnecken denn so schlimm sei." Ob es nun Schnecken oder Schlangen waren, sicher ist, dass sich die Bayern freuen, wenn miteinander gefeiert wird und es "Sláinte" heißt, wie man in Irland beim Anstoßen sagt.

Informationen zum Beitrag

Titel
Frankfurter Allgemeine Zeitung, 27.11.2013, Nr. 276, S. N6
Autor
Jennifer Perryman
Schule
Elsa-Brandström-Gymnasium , München
Quelle
Frankfurter Allgemeine Zeitung, 27.11.2013, Nr. 276, S. N6
Projekt
Jugend schreibt
Kategorie
Print

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