Verwirrendes Gerenne

Die Baltimore Ravens stemmen den Pokal in die Höhe. Der Superbowl, einer der größten Sportevents, ist wieder vorbei. 108,4 Millionen Amerikaner haben das Spektakel im vergangenen Jahr am Fernseher verfolgt. Der Superbowl ist das Endspiel der American Football League, auch NFL genannt. American Football ist ein Spiel, bei dem man versucht, den Ball in die gegnerische Zone zu bringen. Viele Europäer denken, es gehe nur darum, andere Spieler möglichst hart zu treffen, und viele beschreiben den Match als wahnsinniges Herumrennen auf einem Feld. Jedoch steckt hinter dem verwirrenden Herumrennen ein kompliziertes System mit viel Taktik. Alle Teams haben ihre eigenen Spielzüge und versuchen, die Gegner auszutricksen. Der Körperkontakt und eine gewisse Aggressivität gehören auch zum Spiel, allerdings gibt es strikte Regeln, wie man den Gegenspieler treffen darf, um Verletzungen möglichst zu vermeiden. American Football ist kompliziert. Trotzdem ist es eine der beliebtesten Sportarten in Amerika, und fast jedes Kind spielt einmal Football in einem Team.

Für die meisten Menschen in Amerika ist es zugleich eine Familienzusammenkunft. "Der Superbowl-Sonntag ist einer der wenigen Tage im Jahr, wo ich die ganze Familie sehe und alle zusammenkommen, das macht mich sehr glücklich. Es ist der Tag, an dem man einfach glücklich ist und all seine Sorgen vergessen kann", sagt Scott Patera. Der Footballfan arbeitet für eine Elektrofirma und wird bald in Rente gehen. Er ist groß und schlank und lebt in Great Falls, Montana. Er wohnt mit seiner Familie in einem Einfamilienhaus. Das Wohnzimmer ist riesig. An drei von vier Wänden des Wohnzimmers steht ein klobiges, altmodisches Sofa. An der vierten Wand ist ein Flachbildschirm. Das Wohnzimmer bietet genügend Platz für seine sechs erwachsenen Kinder und fünf Enkelkinder. Nicht alle seine Kinder leben in der gleichen Stadt, und da es bis zu acht Stunden Fahrt sind, um die Kinder mit den Enkelkindern zu besuchen, sieht er sie nicht alle Tage. "Wenn der Superbowl nicht wäre, würde ich meine Enkelkinder nur an Weihnachten, Thanksgiving und in den Sommerferien sehen, das würde mir mein Herz brechen." Der Superbowl ist für ihn eine gute Möglichkeit, um mit seiner Familie in Kontakt zu bleiben. "Ich liebe den Superbowl. Wir sitzen alle gemeinsam auf dem großen Sofa im Wohnzimmer und schauen gespannt das Spiel an. Wir diskutieren, welches die bessere Mannschaft ist, streiten über die Schiedsrichterentscheidungen und lachen über die einfallsreichen Werbungen. Am Ende des Tages haben wir alle viel Spaß gehabt und den Tag genossen."

Scott versucht auch bei den Sportevents seiner Enkelkinder zu sein und sie zu unterstützen. Drei seiner fünf Enkel wohnen auch in Great Falls. Er versichert, dass er an jedem einzelnen Spiel seiner Enkelkinder war und dass es auch so bleiben wird. Schade sei es, dass er bei den Sportveranstaltungen der anderen zwei Enkelkinder so gut wie nie dabei sein könne. Aber dafür gibt es ja den Superbowl. An diesem Tag sieht Scott auch die Enkel, die nicht in seiner Stadt wohnen. Die Enkel sind zwar nicht sportlich beteiligt, aber es geht trotzdem um Sport, wenn auch nur im Fernsehen.

Informationen zum Beitrag

Titel
Verwirrendes Gerenne
Autor
Nicolas Gygax
Schule
Kantonsschule Limmattal , Urdorf
Quelle
Frankfurter Allgemeine Zeitung, 05.02.2014, Nr. 30, S. N6
Projekt
Jugend schreibt
Kategorie
Print

Beruf und Chance

Zeitungszustellung während des Projekts

Probleme bei der projektbezogenen Zeitungslieferung?
Wenden Sie sich unter Angabe Ihrer Auftragsnummer per E-Mail oder per Fax an:vertrieb@faz.de
069-7591-2180