Enten mit Saxophon und Schellenring

Bei der Guggenmusik musizieren und feiern mehrere Generationen gemeinsam. Die Edafetzer aus Ehningen lieben schnelle Rhythmen und ihre ausgefallenen Entenkostüme. In der schwäbischen Fasnet fahren sie von Auftritt zu Auftritt.

Die gemeinsamen Auftritte und das Musizieren mit vielen unterschiedlichen Menschen gefallen der 17-jährigen Lisa Klawinski besonders gut an den Edafetzern. Seit drei Jahren ist sie ein Teil der Gruppe. Für Sascha Krämer steht vor allem "Die Party mit den anderen" im Mittelpunkt. Sabine Krämer gefallen der gute Zusammenhalt der Gruppe und die Art der Musik. Die 53-Jährige ist seit 15 Jahren bei den 1996 gegründeten Edafetzern und der 1. Vorstand. Die Edafetzer sind ein Guggenmusikverein aus Ehningen in der Nähe von Stuttgart. Die Guggenmusik ist eine Art Blasmusik, die rhythmisch stark unterlegt ist. Die Musiker sind verkleidet und tragen oft Masken. Bei den Edafetzern gibt es viele verschiedene Blas- und Schlaginstrumente. Zum Beispiel spielt Lisa Klawinski Saxophon, Sascha Krämer Trompete und Sabine Krämer Posaune.

Die "Eda", auf Hochdeutsch Ente, spiegelt sich auch in dem Häs der Guggenmusikgruppe wider. Ein Häs ist eine einheitliche Verkleidung einer Guggenmusikgruppe. In der schwäbischen Fasnet gehören zu einem Häs meist ein Narrenkleid und eine Maske. Sabine Krämer, die Technische Zeichnerin ist, war an der Entwicklung des Häs mitbeteiligt. Jedes der 72 aktiven Mitglieder besitzt ein selbstgenähtes "Future Enten Häs". Lisa Klavinski und der 27-jährige Sascha Krämer sind begeistert von ihrem Häs, der aus einem Oberteil, einem Unterteil und einer Entenmaske besteht. Das Oberteil ist metallgrau und an den Armen schwarz. Auf der Brust steht ein großes E für Edafetzer. Die Ärmel sind seitlich aufgeschlitzt, und es treten gelbe Entenfedern hervor. Die Hose ist schwarz mit jeweils zwei breiten, metallgrauen Streifen. Auf der Vorder- und Rückseite ist auch die Hose vertikal aufgeschlitzt, und es werden Entenfedern sichtbar. Die Entenmaske besteht aus einem metallgrauen Helm und einem riesigen, gelben, frechen Entenschnabel. Das Motto der Gruppe lautet "Zurück in die Zukunft Teil 3". Die Guggenmusikgruppe bezeichnet ihr Häs als Futur Enten Häs, weil es aussieht, als ob es aus der Zukunft oder gar von einem anderen Planeten kommen würde. Vor dem Probenraum in der Ehninger Grund- und Hauptschule stehen einige der Entenmasken herum.

Auf ihren Name kamen die Edafetzer durch eine alte Sage. Der Sage nach erkrankte ein Ehninger Bürger so sehr, dass seine Ehefrau keinen Rat mehr wusste und als letzte Hoffnung ihrem Mann Enteneier unter das Hinterteil schob. Nach einiger Zeit trat zwar keine Heilung ein, jedoch schlüpften Küken aus den Eiern. Fortan nannte man die Ehninger "Edabruater", was auf Hochdeutsch "Entenbrüter" bedeutet. Da sich die Guggenmusikgruppe mit ihrem Ort Ehningen eng verbunden fühlt, haben sie sich entschlossen, die "Eda" mit in ihren Namen aufzunehmen.

Lisa Klawinski, die in Ehningen aufgewachsen ist, macht es Spaß, ein Teil der Fasnet zu sein, die jedes Jahr in Süddeutschland gefeiert wird. Sie ist ein selbstbewusstes, blondes, schlankes und 1,67 Meter großes Mädchen mit schulterlangen Haaren, hat große blaue Augen und trägt ein Nasen-Piercing. Bei den Edafetzern sind von jung bis alt alle willkommen, erzählt sie begeistert in der Probenpause. "Das jüngste Mitglied ist erst drei Jahre alt und das älteste 63 Jahre."

Mit drei Jahren kann ein Kind die Gruppe musikalisch mit einem Schätterle, einer Art Rassel, oder einem Schellenring unterstützen. Auch Lisa Klawinski trat im ersten Jahr mit einem Schätterle auf, bis sie ihr Instrument gut beherrschte. Gelernt hat sie Saxophon von einem Mitglied der Edafetzer, der ihr das Spielen innerhalb von einem halben Jahr beigebracht hat. Besonders aufregend findet Lisa an den Auftritten, dass die Edafetzer Stücke spielen, die von "Who Knew" von Pink bis zu "Hier kommt Alex" von den Toten Hosen reichen. Fasnet haben sie zwischen November und März 25 Auftritte, die vom Großraum Stuttgart bis nach Berlin reichen. Um die Stücke einzuüben, müssen die Edafetzer fleißig üben. Für Lisa Klawinski bleibt neben Schule und Guggenmusik kaum noch Zeit für andere Dinge. Trotzdem würde sie die Guggenmusik nie aufgeben.

Vor und während der Fasnet haben die Edafetzer zweimal die Woche jeweils zwei Stunden Probe mit gelegentlichen Probenwochenenden. Dazu kommen die Auftritte. Nach der Fasnet finden die Proben nur noch einmal die Woche statt, die Verschnaufpause gibt es im August mit der Sommerpause. Das Geld, das die Edafetzer für ihre Auftritte bekommen, fließt meist ganz in die Reisekasse. Denn für Anfahrt und Unterkunft müssen sie selbst aufkommen.

Auch bei den Edafetzern läuft nicht immer alles glatt. Als sie von einem Auftritt aus dem württembergischen Freudenstadt zurückkamen, saßen sie eine ganze Nacht wegen Blitzeis in ihrem Bus fest. Lisa beschreibt die gemeinsame Nacht mitten im Wald als "wirklich schrecklich, aber auch irgendwie witzig". Die Straße war voller Autos, und sie empfand es als ein kleines Wunder, dass kein Unfall passiert ist. Aber der Doppeldeckerbus der Edafetzer rutschte beinahe in den Graben, und alle hätten nur gehofft, dass schnell das THW kommt und sie rettet. Um 8 Uhr morgens wurde der Bus dann endlich "frei gestreut", berichtet Lisa.

Seit ihrem 17-jährigen Bestehen haben die Edafetzer einige Erfolge verbucht. 2006 waren sie in New York und sind bei der Steuben Parade mitgelaufen. Das Aufregendste für Sabine Krämer war jedoch der Sieg 2005 beim Landesschauwettbewerb im dritten Programm und der dreimalige Sieg bei den Guggenmeisterschaft im Europapark Rust in den Jahren 2005, 2006 und 2007. Eine Fachjury wählte die Edafetzer drei Mal hintereinander zum deutschen Guggenmeister.

Oft löst auch das Erscheinen der Edafetzer überraschende Blicke aus, weil die Kostüme so außergewöhnlich ist. So auch in Thüringen, als die damals 60 Leute einem Schnellrestaurant einen Besuch abstatteten. Nach einer langen Busreise hatte die Gruppe riesigen Hunger. Lisa Klawinski erzählt, wie überfordert die Angestellten mit dem Ansturm der Future Enten waren. Eine ganze Horde Enten war zu viel und für Außenstehende komisch anzusehen, erinnert sie sich.

Lisa Klawinski, die das Lise-Meitner Gymnasium in Böblingen besucht, kam übrigens durch ihre Mutter zu den Edafetzern. Auch Sascha Krämer kam durch seine Eltern zur Guggenmusik. Die Guggenmusik verbindet Generationen.

Informationen zum Beitrag

Titel
Enten mit Saxophon und Schellenring
Autor
Viktoria Böckle
Schule
Lise-Meitner-Gymnasium , Böblingen
Quelle
Frankfurter Allgemeine Zeitung, 26.02.2014, Nr. 48, S. N6
Projekt
Jugend schreibt
Kategorie
Print

Beruf und Chance

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